| |
Achtung: Großdruckausgabe - Ansonsten gutes Fontaneniveau
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Die Poggenpuhls: Roman (Taschenbuch) Zunächst mal ein Wort zu dieser Ausgabe von "dtv". Im Kleingedruckten findet man den Hinweis, dass es sich um die Großdruckausgabe handelt. Wer das auch mal gern überliest und Großdruckausgaben nicht braucht und mag, der sei hier besonders darauf hingewiesen.
Zur Geschichte selber: Sie wird als Roman geführt, aber ich empfinde sie durch Länge und Machart eher als Novelle. Die Poggenpuhls sind eine Familie im ausgehenden 19.Jahrhundert. Die Witwe eines Majors und im Kampf gefallenen Kriegshelden lebt ihren drei Töchten in einer kleinen Wohnung in Berlin und versucht mit einer kleinen Offizierswitwe einen halbwegs angemessenen Lebensstil zu wahren und auch gesellschaftlich den eigenen Vorstellungen zu entsprechen. Zwei Söhne sind bei in einer Garnison bei ihrem Regiment stationiert. In der Geschichte passiert eigentlich nicht viel: Einer der Söhne kommt um Neujahr herum anlässlich des Geburtstags der Mutter zu Besuch. Man redet darum, wie Reise und angemessene gesellschaftliche Aktivitäten angesichts der Geldknappheit realisiert werden können. Zum Glück kann ein etwas wohlhabenderer Onkel - auch ein pensionierter Offizier - aushelfen. Dieser bittet schließlich eine der Tochter auf sein Anwesen, um seiner Frau Gesellschaft zu leisten. Die Gesichte schildert Aktivitäten von gemeinsamen Abendessen bis zu einem Theaterbesuch und legt den Fokus darauf, wie die verschiedenen Akteure (die Mutter, der Sohn als angehender Offizier und die drei Töchter mit ihrem verschiedenen Temperament) mit der Situation umgehen, die den Konfklit zwischen dem Hochhalten alter Familienwerte und -würde und der Realität der knappen finanziellen Mittel (und damit den Umbruch der Gesellschaft) widerspiegelt.
Wie in vielen anderen Romanen beschreibt Fonante auch hier in wunderschöner Sprache, hochpräzise und mit liebevoll und treffend ausgestalteten Charakteren ein Stilbild der Epoche. Die inneren Konflikte der Personen und damit der Gesellschaft werden anschaulich und lebendig, spezielle ihr Lavieren zwischen Würde und Realitätssinn, zwischen Melancholie und Frohsinn, Begeisterungsfähigkeit und Verzweiflung. Es hat nicht die ganz große Klasse anderer Bücher, weil ihm der Kern der packenden Geschichte fehlt, aber es ist für einen Liebhaber des Genres und der Sprache eine zutiefst bereichernde und wohltuende Lektüre.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 23. Januar 2011 |