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Der Stechlin

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allerdings schon zu; aber keine Rokokogeschichte. Rokoko ist doch immer unsittlich. Wie gefällt Ihnen übrigens der Alte?" "Vorzüglich. Ich hätte nicht gedacht, daß unser Freund Woldemar solchen famosen Alten haben k"nnte." "Das klingt ja beinah", sagte Rex, "wie wenn Sie gegen unsern S techlin etwas hätten." "Was durchaus nicht der Fall ist. Unser Stechlin ist der beste Kerl von de r Welt, und wenn ich das verdammte Wort nicht haßte, würd’ ich ihn sogar einen ›perfekten Gentleman‹ nennen müssen. Aber ..." "Nun ..." "Aber er paßt doch nicht recht an seine Stelle." "An welche?" "In sein Regiment." "Aber, Czako, ich verstehe Sie nicht. Er ist ja brillant angeschrieben. Liebling bei jedem. Der Oberst hält große Stücke von ihm, und die Prinzen machen ihm beinah den Hof ..." "Ja, das ist es ja eben. Die Prinzen, die Prinzen." "Was denn, wie denn?" "Ach, das ist eine lange Geschichte, viel zu lang, um sie hier vor Tisch noch auszukramen. Denn es ist bereits halb, und wir müssen uns eilen. Übrigens trifft es viele, nicht bloß unsern Stechlin." "Immer dunkler, immer rätselvoller", sagte Rex. "Nun,  vielleicht  daß  ich  Ihnen  das  Rätsel  l"se.  Schließlich  kann  man  ja  Toilette  machen  und noch  seinen  Diskurs  daneben  haben.  ›Die  Prinzen  machen  ihm  den  Hof‹,  so  geruhten  Sie  zu bemerken,   und   ich   antwortete:   ›Ja,   das   ist   es   eben.‹   Und   diese   Worte   kann   ich   Ihnen   nur wiederholen.  Die  Prinzen  –  ja,  damit  hängt  es  zusammen  und  noch  mehr  damit,  daß  die  feinen Regimenter immer feiner werden. Kucken Sie sich mal die alten Ranglisten an, das heißt wirklich alte, voriges Jahrhundert und dann so bis anno sechs. Da finden Sie bei Regiment Garde du Corps oder    bei    Regiment    Gensdarmes    unsere    guten    alten    Namen:    Marwitz,    Wakenitz,    Kracht, L"schebrand, Bredow, Rochow, h"chstens daß sich mal ein h"her betitelter Schlesischer mit hinein verirrt. Natürlich gab es auch Prinzen damals, aber der Adel gab den Ton an, und die paar Prinzen mußten noch froh sein, wenn sie nicht st"rten. Damit ist es nun aber, seit wir Kaiser und Reich sind, total vorbei. Natürlich sprech’ ich nicht von der Provinz, nicht von Litauen und Masuren, sondern von  der  Garde,  von  den  Regimentern  unter  den  Augen  Seiner  Majestät.  Und  nun  gar  erst  diese Gardedragoner! Die waren immer piek, aber seit sie, pour combler le bonheur, auch noch ›K"nigin von Großbritannien und Irland‹ sind, wird es immer mehr davon, und je pieker sie werden, desto mehr Prinzen kommen hinein, von denen übrigens auch jetzt schon mehr da sind, als es so obenhin aussieht, denn manche sind eigentlich welche und dürfen es bloß nicht sagen. Und wenn man dann gar noch die alten mitrechnet, die bloß à la suite stehn, aber doch immer noch mit dabei sind, wenn irgendwas los ist, so haben wir, wenn der Kreis geschlossen wird, zwar kein Parkett von K"nigen, aber doch einen Zirkus von Prinzen. Und da hinein ist nun unser guter Stechlin gestellt. Natürlich tut er, was er kann, und macht so gewisse Luxusse mit, Gefühlsluxusse, Gesinnungsluxusse und, wenn es sein muß, auch Freiheitsluxusse. So ‘nen Schimmer von Sozialdemokratie. Das ist aber auf die  Dauer  schwierig.  Richtige  Prinzen  k"nnen  sich  das  leisten,  die  verbebeln  nicht  leicht.  Aber Stechlin! Stechlin ist ein reizender Kerl, aber er ist doch bloß ein  Mensch." "Und das sagen Sie, Czako, gerade Sie, der Sie das Menschliche stets  betonen?" "Ja, Rex, das tu’ ich. Heut wie immer. Aber eines schickt sich nicht für alle. Der eine darf’s, der andre nicht. Wenn unser Freund Stechlin sich in diese seine alte Schloßkate zurückzieht, so darf er Mensch sein, soviel er will, aber als Gardedragoner kommt er damit nicht aus. Vom alten Adam will ich nicht sprechen, das hat immer noch so ‘ne Nebenbedeutung." Während  Rex  und  Czako  Toilette  machten  und  abwechselnd  über  den  alten  und  den  jungen Stechlin  verhandelten,  schritten  die,  die  den  Gegenstand  dieser  Unterhaltung  bildeten,  Vater  und Sohn, im Garten auf und ab und hatten auch ihrerseits ihr Gespräch. "Ich bin dir dankbar, daß du mir deine Freunde mitgebracht hast. Hoffentlich kommen sie auf ihre Kosten. Mein Leben verläuft ein bißchen zu einsam, und es wird ohnehin gut sein, wenn ich 10
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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