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Der Stechlin

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einzig   dastehenden   Künstlers   gesehen   zu   haben.   Sie   kennen   seine   Karto ns,   die   mir   das Bedeutendste scheinen, was wir überhaupt hier haben. Auf dem einen Karton steht im Vordergrund ein  Tubabläser  und  setzt  das  Horn  an  den  Mund,  um  zu  Gericht  zu  rufen.  Diese  eine  Gestalt balanciert  fünf  Kunstausstellungen,  will  also  sagen  netto  15000  Bilder.  Und  eben  diese  Kartons, samt  dem  Bläser  zum  Gericht,  die  wollen  sie  jetzt  fortschaffen  und  sagen  dabei  in  naiver Effronterie,   solch   schwarzes   Zeug   mit   Kohlenstrichen   dürfe   überhaupt   nicht   so   viel   Raum einnehmen. Ich aber sage Ihnen, meine Herrschaften, ein Kohlenstrich von Cornelius ist mehr wert als  alle  modernen  Paletten  zusammengenommen,  und  die  Tuba,  die  dieser  Tubabläser  da  an  den Mund setzt – verzeihen Sie mir altem Jüngling diesen Kalauer –, diese Tuba wiegt alle Tuben auf, aus denen sie jetzt ihre Farben herausdrücken. Beiläufig auch eine miserable Neuerung. Zu meiner Zeit gab es noch Beutel, und diese Beutel aus Schweinsblase waren viel besser. Ein wahres Glück, daß K"nig Friedrich Wilhelm IV. diese jetzt etablierte Niedergangsepoche nicht mehr erlebt hat, diese Zeit des Abfalls, so recht eigentlich eine Zeit der apokalyptischen Reiter. Bloß zu den dreien, die der große Meister uns da geschaffen hat, ist heutzutage noch ein vierter Reiter gekommen, ein Mischling von Neid und Ungeschmack. Und dieser vierte sichelt am stärksten." Alles nickte, selbst die, die nicht ganz so dachten, denn der Alte mit seinem Apostelkopfe hatte ganz wie ein Prophet gesprochen. Nur Melusine blieb in einer stillen Opposition und flüsterte der Baronin zu: "Tubabläser. Mir pers"nlich ist die B"cklinsche Meerfrau mit dem Fischleib lieber. Ich bin freilich Partei." Die Abende bei den Barbys schlossen immer zu früher Stunde. So war es auch heute wieder. Es schlug  eben  erst  zehn,  als  Rex  und  Czako  auf  die  Straße  hinaustraten  und  drüben  an  dem langgestreckten  Ufer  Tausende  von  Lichtern  vor  sich  hatten,  von  denen  di e  vordersten  sich  im Wasser spiegelten. "Ich m"chte wohl noch einen Spaziergang machen", sagte Czako. "Was meinen Sie, Rex? Sind Sie mit dabei? Wir gehen hier am Ufer entlang, an den Zelten vorüber bis Bellevue, und da steigen wir   in   die   Stadtbahn   und   fahren   zurück,   Sie   bis   an   die   Friedrichstraße,   ich   bis   an   den Alexanderplatz. Da ist jeder von uns in drei Minuten zu Haus." Rex war einverstanden. "Ein wahres Glück", sagte er, "daß wir uns endlich mal getroffen haben. Seit fast drei Wochen kennen wir nun das Haus und haben noch keine Aussprache darüber gehabt. Und das ist doch immer die Hauptsache. Für Sie gewiß." "Ja,  Rex,  das  ›für  Sie  gewiß‹,  das  sagen  Sie  so  sp"ttisch  und  überheblich,  weil  Sie  glauben, Klatschen sei was Inferiores und für mich gerade gut genug. Aber da machen Sie meiner Meinung nach  einen  doppelten  Fehler.  Denn  erstlich  ist  Klatschen  überhaupt  nicht  inferior,  und  zweitens klatschen Sie gerade so gern wie ich und vielleicht noch ein bißchen lieber. Sie bleiben nur immer etwas  steifer  dabei,  lehnen  meine  Frivolitäten  zunächst  ab,  warten  aber  eigentlich  darauf.  Im übrigen denk’ ich, wir lassen all das auf sich beruhn und sprechen lieber von der Hauptsache. Ich finde,  wir  k"nnen  unserm  Freunde  Stechlin  nicht  dankbar  genug  dafür  sein,  uns  mit  einem  so liebenswürdigen Hause bekannt gemacht zu haben. Den Wrschowitz und den alten Malerprofessor, der von dem Engel des Gerichts nicht los konnte nun, die beiden schenk’ ich Ihnen (ich denke mir, der Maler wird wohl nach Ihrem Geschmacke sein), aber die andern, die man da trifft, wie reizend alle,  wie  natürlich.  Obenan  dieser  Frommel,  dieser  Hofprediger,  der  mir  am  Teetisch  fast  noch besser gefällt als auf der Kanzel. Und dann diese bayrische Baronin. Es ist doch merkwürdig, daß die Süddeutschen uns im Gesellschaftlichen immer um einen guten Schritt vorauf sind, nicht von Bildungs, aber von glücklicher Natur wegen. Und diese glückliche N atur, das ist doch die wahre Bildung." "Ach, Czako, Sie überschätzen das. Es ist ja richtig, wenn Sie da so die Würstel aus dem großen Kessel herausholen und irgendeine Loni oder Toni mit dem Maßkrug kommt, so sieht das nach was aus, und wir kommen uns wie verhungerte Schulmeister daneben vor. Aber eigentlich ist das, was wir haben, doch das H"here." "Gott  bewahre.  Alles,  was  mit  Grammatik  und  Examen  zusammenhängt,  ist  nie  das  H"here. Waren die Patriarchen examiniert, oder Moses oder Christus? Die Pharisäer waren examiniert. Und da sehen Sie, was dabei herauskommt. Aber, um mehr in der Nähe zu bleiben, nehmen Sie den alten 105
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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