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Der Stechlin

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"... Solche Mission ist gerade das, was ich mir all mein Lebtag gewünscht habe. Bloß ›Erh"rung kam nicht geschritten‹. Und doch ist gerad in unserm Regiment immer was los. Immer ist wer auf dem Wege nach Petersburg. Aber weiß der Teufel, trotz der vielen Schickerei, meine Wenigkeit ist noch  nicht  rangekommen.  Ich  denke  mir,  es  liegt  an  meinem  Namen.  Hier  hat  ›Czako‹  ja  auch schon einen Beigeschmack, einen Stich ins Komische, aber das Slawische drin gibt ihm in Berlin etwas Apartes, während es in Petersburg wahrscheinlich heißen würde: ›Czako, was soll das? Was soll Czako? Dergleichen haben wir hier echter und besser.‹ Ja, ich gehe noch weiter und bin nicht einmal sicher, ob man da drüben nicht Lust bezeugen k"nnte, in der Wahl von ›Czako‹ einen Witz oder  versteckten  Affront  zu  wittern.  Aber  wie  dem  auch  sei,  Winterpalais  und  Kreml  sind  mir verschlossen. Und nun gehen Sie nach London und sogar nach Windsor. Und Windsor ist doch nun mal das denkbar Feinste. Rußland, wenn Sie mir solche Frühstücksvergleiche gestatten wollen, hat immer was von Astrachan, England immer was von Colchester. Und ich glaube, Colchester steht h"her. In meinen Augen gewiß. Ach, Stechlin, Sie sind ein Glückspilz, ein Wort, das Sie meiner erregten  Stimmung  zugute  halten  müssen.  Ich  werde  wohl  an  der  Majorsecke  scheitern,  wegen verschiedener  Mankos.  Aber  sehn  Sie,  daß  ich  das  einsehe,  das  k"nnte  das  Schicksal  doch  auch wieder mit mir vers"hnen." "Czako, Sie sind der beste Kerl von der Welt. Es ist eigentlich schade, daß wir solche Leute wie Sie nicht bei unserm Regiment haben. Oder wenigstens nicht genug. ›Fein‹ ist ja ganz gut, aber es muß doch auch mal ein Donnerwetter dazwischenfahren, ein Zynismus, eine Bosheit; sie braucht ja nicht gleich einen Giftzahn zu haben. Übrigens, was die Patentheit angeht, so fühl’ ich deutlich, daß ich  auch  nur  so  gerade  noch  passiere.  Nehmen  Sie  beispielsweise  bloß  das  Sprachliche.  Wer heutzutage nicht drei Sprachen spricht, geh"rt in die Ecke ..." "Sag’ ich mir auch. Und ich habe deshalb auch mit dem Russischen angefangen. Und wenn ich dann so dabei bin und über meine Fortschritte beinah erstaune, dann berapple ich mich momentan wieder und sage mir: ›Courage gewonnen, alles gewonnen.‹ Und dabei lass’ ich dann zu meinem weitern Trost all unsre preußischen Helden zu Fuß und zu Pferde an  mir vorüberziehen, immer mit dem Gefühl einer gewissen wissenschaftlichen und mitunter auch moralischen Überlegenheit. Da ist zuerst der Derfflinger. Nun, der soll ein Schneider gewesen sein. Dann kam Blücher – der war einfach ein ›Jeu‹er. Und dann kam Wrangel und trieb sein verwegenes Spiel mit ›mir und mich‹." "Bravo, Czako. Das ist die Sprache, die Sie sprechen müssen. Und Sie werden auch nicht an der Majorsecke  scheitern.  Eigentlich  läuft  doch  alles  bloß  darauf  hinaus,  wie  hoch  man  sich  selber einschätzt. Das ist freilich eine Kunst, die nicht jeder versteht. Das Wort vom Alten Fritz: ›Denk Er nur immer, daß Er hunderttausend Mann hinter sich hat‹, dies Trostwort ist manchem von uns ein bißchen verlorengegangen, trotz unsrer Siege. Oder vielleicht auch eben deshalb. Siege produzieren unter Umständen auch Bescheidenheit." "Jedenfalls haben Sie, lieber Stechlin, zuviel davon. Aber wenn Sie erst Ihre Ruth haben ..." "Ach, Czako, kommen Sie mir nicht immer mit Ruth. Oder eigentlich, seien Sie doch bedankt dafür. Denn dieser weibliche Name mahnt mich, daß ich mich für heut abend am Kronprinzenufer angemeldet habe, bei den Barbys, wo’s, wie Sie wissen, freilich keine Ruth gibt, aber dafür eine Melusine, was fast noch mehr ist." "Versteht sich, Melusine is mehr. Alles, was aus dem Wasser kommt, ist mehr. Venus kam aus dem Wasser, ebenso Hero ... Nein, nein, entschuldigen Sie, es war Leander."   "Egal.  Lassen  Sie’s,  wie’s  ist.  Solche  verwechselte  Schillerstelle  tut  einem  immer  wohl. Übrigens k"nnen Sie mich in meinem Coupé begleiten; vom Kronprinzenufer aus haben Sie knapp noch halben Weg bis in Ihre Kaserne." Das  Coupé  tat  seine  Schuldigkeit,  und  es  schlug  eben  erst  acht,  als  Woldemar  vor  dem Barbyschen Hause hielt und, sich von Czako verabschiedend, die Treppe hinaufstieg. Er fand nur die  Familie  vor,  was  ihm  sehr  lieb  war,  weil  er  kein  allgemeines  Gespräch  führen,  sondern  sich lediglich für seine Reise Rats erholen wollte. Der alte Graf kannte London besser als Berlin, und auch  Melusine  war  schon  über  siebzehn,  als  man,  bald  nach  dem  Tode  der  Mutter,  England verlassen und sich auf die Graubündner Güter zurückgezogen hatte. Darüber waren nun wieder nah an anderthalb Jahrzehnte vergangen, aber Vater und T"chter hingen nach wie vor an Hyde-Park und 109
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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