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Der Stechlin

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mich  wieder  an  Menschen  gew"hne.  Du  wirst  gelesen  haben,  daß  unser  guter  alter  Kortschädel gestorben ist, und in etwa vierzehn Tagen haben wir hier ‘ne Neuwahl. Da muß ich dann ran und mich populär machen. Die Konservativen wollen mich haben und keinen andern. Eigentlich mag ich nicht, aber ich soll, und da paßt es mir denn, daß du mir Leute bringst, an denen ich mich für die Welt sozusagen wieder wie einüben kann. Sind sie denn ausgiebig und pla uderhaft?" "O sehr, Papa, vielleicht zu sehr. Wenigstens der eine." "Das is gewiß der Czako. Sonderbar, die von Alexander reden alle gern. Aber ich bin sehr dafür; Schweigen  kleid’t  nicht  jeden.  Und  dann  sollen  wir  uns  ja  auch  durch  die  Sprache  vom  Tier unterscheiden. Also wer am meisten red’t, ist der reinste Mensch. Und diesem Czako, dem hab’ ich es  gleich  angesehn.  Aber  der  Rex.  Du  sagst  Ministerialassessor.  Ist  er  d enn  von  der  frommen Familie?" "Nein, Papa, du machst dieselbe Verwechslung, die beinah alle machen. Die fromme Familie, das sind die Reckes, gräflich und sehr vornehm. Die Rex natürlich auch, aber doch nicht so hoch hinaus  und  auch  nicht  so  fromm.  Allerdings  nimmt  mein  Freund,  der  Ministerialassessor,  einen Anlauf dazu, die Reckes wom"glich einzuholen." "Dann  hab’  ich  also  doch  recht  gesehn.  Er  hat  so  die  Figur,  die  so  was  vermuten  läßt,  ein bißchen wenig Fleisch und so glatt rasiert. Habt ihr denn beim Rasieren in Cremmen gleich einen gefunden?" "Er hat alles immer bei sich; lauter englische. Von Solingen oder Suhl will er nichts wiss en." "Und muß man ihn denn vorsichtig anfassen, wenn das Gespräch auf kirchliche Dinge kommt? Ich bin ja, wie du weißt, eigentlich kirchlich, wenigstens kirchlicher als mein guter Pastor (es wird immer schlimmer mit ihm), aber ich bin so im Ausdruck mitunter ungenierter, als man vielleicht sein  soll,  und  bei  ›niedergefahren  zur  H"lle‹  kann  mir’s  passieren,  daß  ich  nolens  volens  ein bißchen tolles Zeug rede. Wie steht es denn da mit ihm? Muß ich mich in acht nehmen? Oder macht er bloß so mit?" "Das will ich nicht geradezu behaupten. Ich denke mir, er steht so, wie die meisten stehn; das heißt, er weiß es nicht recht." "Ja, ja, den Zustand kenn’ ich." "Und weil er es nicht recht weiß, hat er sozusagen die Auswahl und  wählt das, was gerade gilt und nach oben hin empfiehlt. Ich kann das auch so schlimm nicht finden. Einige nennen ihn einen ›Streber‹. Aber wenn er es ist, ist er jedenfalls keiner von den schlimmsten. Er hat eigentlich einen guten Charakter, und im cercle intime kann er reizend sein. Er verändert sich dann nicht in dem, was er sagt, oder doch nur ganz wenig, aber ich m"chte sagen, er verändert sich in der Art, wie er zuh"rt. Czako meint, unser Freund Rex halte sich mit dem Ohr für das schadlos, was er mit dem Munde versäumt. Czako wird überhaupt am besten mit ihm fertig; er schraubt ihn beständig, und Rex, was ich reizend finde, läßt sich diese Schraubereien gefallen. Daran siehst du schon, daß sich mit  ihm  leben  läßt.  Seine  Fr"mmigkeit  ist  keine  Lüge,  bloß  Erziehung,  Angewohnheit,  und  so schließlich seine zweite Natur geworden." "Ich   werde   ihn   bei   Tisch   neben   Lorenzen   setzen;   die   m"gen   dann   beide   sehn,   wie   sie miteinander fertig werden. Vielleicht erleben wir ‘ne Bekehrung. Das heißt Rex den Pastor. Aber da h"re ich eine Kutsche die Dorfstraße raufkommen. Das sind natürlich Gundermanns; die kommen immer zu früh. Der arme Kerl hat mal was von der H"flichkeit der K"nige geh"rt und macht jetzt einen zu weitgehenden Gebrauch davon. Autodidakten übertreiben immer. Ich bin selber einer und kann  also  mitreden.  Nun,  wir  sprechen  morgen  früh  weiter; heute wird es nichts mehr. Du wirst dich auch noch ein bißchen striegeln müssen, und ich will mir ‘nen schwarzen Rock anziehn. Das bin ich der guten Frau von Gundermann doch schuldig; sie putzt sich übrigens nach wie vor wie’n Schlittenpferd  und  hat  immer  noch  den  merkwürdigen  Federbusch  in  ihrem  Zopf  –  das  heißt, wenn’s ihrer ist." 11
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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