Title:

Der Stechlin

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

"Ei", sagte Melusine. "So bin ich zum Erzählen  noch mein Lebtag nicht aufgefordert worden. Nun wirst du sprechen müssen, Armgard." "Und ich will auch, selbst auf die Gefahr hin einer Niederlage." "Keine Vorreden, Armgard. Am wenigsten, wenn sie wie Selbstlob klingen." "Also  wir  hatten  damals  eine  alte  Person  im  Hause,  die  schon  bei  Melusine  Kindermuhme gewesen  war,  und  hieß  Susan.  Ich  liebte  sie  sehr,  denn  sie  hatte  wie  die  meisten  Irischen  etwas ungemein Heiteres und Gütiges. Ich ging viel mit ihr im Hyde-Park spazieren, wohnten wir doch in der  an  seiner  Nordseite  sich  hinziehenden  großen  Straße.  Hyde-Park  erschien  mir  immer  sehr sch"n.  Aber  weil  es  tagaus,  tagein  dasselbe  war,  wollt’  ich  doch  g ern  einmal  was  andres  sehen, worauf Susan auch gleich einging, trotzdem es ihr eigentlich verboten war. ›Ei freilich, Komtesse‹, sagte sie, ›da wollen wir nach Martins le Grand.‹ ›Was ist das?‹ fragte ich; aber statt aller Antwort gab sie mir nur ein kleines Mäntelchen um, denn es war schon Spätherbst, so etwa wie jetzt, und dunkelte auch schon. Aus dem, was dann kam, muß  ich annehmen, daß es um die fünfte Stunde war. Und so brachen wir denn auf, unsre Straße hinunter, und weil an dem Parkgitter entlang lauter große R"hren gelegt waren, um hier neu zu kanalisieren, so sprang ich auf die R"hren hinauf, und Susan hielt mich an meinem linken Zeigefinger. So gingen wir, ich immer auf den R"hren oben, bis wir an eine Stelle kamen, wo der Park aufh"rte. Hier war gerad ein Droschkenstand, und Hafer und Häcksel lagen umher und zahllose Sperlinge dazwischen. In der Mitte von dem allem aber stand ein eiserner  Brunnen.  Auf  den  wies  Susan  hin  und  sagte:  ›Look  at  it,  dear  Armgard.  There  stood Tyburn-Gallows.‹  Und  wer  so  viel  gestohlen  hatte,  wie  gerad  ein  Strick  kostete,  der  wurde  da gehängt." "Eine merkwürdige Kindermuhme", sagte Stechlin. "Und erschraken Sie nicht, Komtesse?" "Nein, von Erschrecken, solange Susan bei mir war, war keine Rede. Sie hätte mich gegen eine Welt verteidigt." "Das s"hnt wieder aus." "Und kurz und gut, wir blieben auf unserm Weg und stiegen alsbald in ein zweirädriges Cab, aus dem heraus wir sehr gut sehen konnten, und jagten die Oxfordstraße hinunter in die City hinein, in ein immer dichter werdendes Straßengewirr, drin ich nie vorher gekommen war und auch nachher nicht wieder gekommen bin. Bloß vor zwei Jahren, als wir auf Besuch drüben waren und ich den alten Plätzen wieder nachging." "Ich  glaube",  sagte  Melusine,  "daß  du  bei  diesem  zweiten  Besuch  eine  gute  Anleihe  machst. Denn von dem mit Susan Gesehenen wirst du zurzeit nicht mehr viel zur Verfügung haben." "Doch, doch. Und nun hielt unser Hansom-Cab vor einem großen Hause, das halb wie ein Palast und  halb  wie  ein  griechischer  Tempel  aussah  und  unter  dessen  Säulengang  hinweg  wir  in  eine große, mit vielen hundert Menschen erfüllte Halle traten. Über ihren K"pfen aber lag es wie ein Strom von Licht, und ganz nach hinten zu, wo die Lichtmasse sich zu verdichten schien, standen auf einem Podium zwei in rote R"cke gekleidete Bedienstete mit ein paar großen Behältern links und rechts neben sich, die wie Futterkisten mit weit aufgeklapptem Deckel aussahen." "Und nun laß Stechlin raten, was es war." "Er  braucht  es  nicht  zu  raten",  fuhr  Armgard  fort,  "er  weiß  es  natürlich  schon.  Aber  er  muß trotzdem   aushalten.   Denn   er   hat   es   selber   so   gewollt.   Also   Podium   und   Rotr"cke   samt aufgeklappter Kiste links und rechts. Und die hell erleuchtete Uhr darüber zeigte, daß es nur noch eine Minute bis sechs war. An ein Sichherandrängen war nicht zu denken, und so flogen denn die Brief- und Zeitungspakete, die noch mit den letzten Postzügen fort sollten, in weitem Bogen über die K"pfe der in Front Stehenden weg; was aber  dabei statt in die Behälter bloß auf das Podium fiel,  das  wurde  von  den  Rotr"cken  mit  einer  geschickten  Fußbewegung  in  die  Futterkisten  wie hineingeharkt.  Und  nun  setzte  der  Uhrzeiger  ein,  und  das  Fliegen  der  Pakete  steigerte  sich,  bis genau mit dem sechsten Schlag auch der Deckel jeder der beiden Kisten zuschlug." "Reizend,  Komtesse.  Nalürlich  seh’  ich  mir  das  an,  und  wenn  ich  ein  Rendezvous  mit  der K"nigin darüber versäumen müßte." "Nichts Antimonarchisches", lachte der alte Graf. "Und so kommen Susans Untaten schließlich noch ans Licht." 111
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum