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Der Stechlin

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"Und meine eignen dazu. Glücklicherweise durch mich selbst." Das Gespräch setzte sich noch eine Weile fort, und allerlei Schilderungen aus dem Klein- und Alltagsleben behielten dabei die Oberhand. Ein paarmal, weil er wohl sah, daß Woldemar gern auch andres  zu  h"ren  wünschte,  versuchte  der  alte  Graf  das  Thema  zu  wechseln,  aber  beide  Damen blieben bei "shopping" und "five o’clock tea", bis Melusine, der Woldemars Ungeduld ebenfalls nicht entgangen war, mit einem Male fragte: "Haben Sie denn je von Traitors-Gate geh"rt?" "Nein", sagte Woldemar. "Ich kann es mir aber übersetzen und meine Schlüsse daraus ziehn." "Das reicht aus. Also natürlich Tower. Nun sehen Sie, Traitors-Gate, das war meine Domäne, wenn Besuch aus Deutschland kam und ich wohl oder übel den Führer machen mußte. Vieles im Tower langweilte mich, aber Traitors-Gate nie, vielleicht deshalb nicht, weil es ziemlich zu Anfang liegt, so daß ich, wenn wir’s erreichten, immer noch bei Frische war, nicht abgestumpft durch all die Schrecklichkeiten, die dann weiterhin folgen." "Also Traitors-Gate muß ich sehn?" "Unbedingt.  Freilich,  wenn  ich  dann  wieder  erwäge,  daß  an  dieser  berühmten  Stelle  nichts unmittelbar Wirkungsvolles zu sehn ist, so muß ich mich bei meinen Ratschlägen auf Ihre Phantasie verlassen  k"nnen.  Und  ob  das  geht,  weiß  ich  nicht.  Wer  aus  der  Mark  ist,  hat  meist  keine Phantasie." Der  alte  Graf  und  Armgard  schwiegen,  und  auch  Melusine  sah  wohl,  daß  sie  mit  ihrer Bemerkung etwas zu weit gegangen war. Irgendeine Reparierung schien also geboten. "Ich will’s aber doch mit Ihnen wagen", nahm sie das Gespräch wieder auf und lachte. "Traitors-Gate. Nun sehen Sie, Sie kommen da vom Eingange her einen schmalen Gang entlang, und mit einem Male haben Sie statt der grauen Steinwand ein eisenbeschlagenes Holztor neben sich. Hinter diesem Tor aber  befindet  sich  ein  kleiner,  ganz  unten  in  der  Tiefe  gelegener  Wasserhof,  von  dem  aus  eine mehrstufige Treppe heraufführt und an eben der Stelle mündet, an der Sie stehn. Und nun rechnen Sie  dreihundert  Jahre  zurück.  Wem  sich  die  Pforte  damals  auftat,  um  sich  hinter  ihm  wieder  zu schließen, der hatte vom Leben Abschied genommen ... Es sind da, verzeihen Sie das Wort, lauter glibbrige Stufen, und wer alles stieg diese Stufen hinauf: Essex, Sir Walter Raleigh, Thomas Morus und  zuletzt  noch  jene  Clanhäuptlinge,  die  für  Prince  Charlie  gefochten  hatten  und  deren  K"pfe wenige Tage später von Temple-Bar herab auf die City niedersahen." "Liegt, Gott sei Dank, weit zurück." "Ja, weit zurück. Aber es kann wiederkommen. Und gerade das war es, was immer, wenn ich da so stand, den gr"ßten Eindruck auf mich machte. Diese M"glichkeit, daß es wiederkehre. Denn ich erinnere  mich  noch  sehr  wohl  –  ja,  du  warst  es  selbst,  Papa,  der  es  mir  erzählte  –,  daß  Lord Palmerston   einmal,   unwirsch   über   die   koburgische   Nebenpolitik   (ich   glaube   während   der Krimkriegtage) sich dahin geäußert hätte: ›Dieser Prince-Consort, er täte gut, sich unser Traitors- Gate  bei  Gelegenheit  anzusehen.  Es  ist  zwar  schon  lange,  daß  K"nige  da  die  glibbrige  Treppe hinaufgestiegen sind, aber es ist doch noch nicht so lange, daß wir uns dessen nicht mehr entsinnen k"nnten. Und ein Prince-Consort ist noch lange nicht ein K"nig.‹ " Woldemar, als Melusine dies mit überlegener Miene gesagt hatte, lächelte vor sich hin, was die Gräfin derartig verdroß, daß sie mit einer gewissen Gereiztheit hinzusetzte: "Sie lächeln. Da seh’ ich doch, wie sehr ich im Rechte war, Ihnen die Phantasie abzusprechen." "Verzeihen Sie mir ..." "Und  nun  werden  Sie  auch  noch  pathetisch.  Das  ist  die  richtige  Ergänzung.  Im  übrigen,  wie k"nnt’  ich  mit  Ihnen  ernsthaft  zürnen!  Ein  berühmter  deutscher  Professor  soll  einmal  irgendwo gesagt haben: ›niemand sei verpflichtet, ein großer Mann zu sein‹. Und ebensowenig wird er ›große Phantasie‹ als etwas Pflichtmäßiges gefordert haben." Woldemar  küßte  ihr  die  Hand.  "Wissen  Sie,  Gräfin,  daß  Sie  doch  eigentlich  recht  hochmütig sind?" "Vielleicht. Aber mancher entwaffnet mich wieder. Und zu diesen geh"ren Sie." "Das ist nun auch wieder aus dem Ton." "Ich weiß es nicht. Aber lassen wir’s. Und  versprechen Sie mir lieber, mir von Windsor oder London aus eine Karte zu schreiben ... nein, eine Karte, das geht nicht ... also einen Brief, darin Sie 112
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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