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Der Stechlin

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angedeutet;  Du  wirst  den  Grund  davon  unschwer  erraten.  Mit  besten  Wünschen  für  Dein  Wohl, unter herzlichen Grüßen an Lorenzen, wie immer Dein Woldemar." Dubslav saß am Kamin, als ihm Engelke den Brief brachte. Nun war der Alte mit dem Lesen durch und sagte: "Woldemar geht nach England. Was sagst du dazu, Engelke?" "So was hab’ ich mir all immer gedacht." "Na, dann bist du klüger gewesen als ich. Ich habe mir gar nichts gedacht. Und nu noch drei Tage, so stellt er sich mit seinem Oberst und seinem Major vor die K"nigin von England hin und sagt: ›Hier bin ich.‹" "Ja, gnäd’ger Herr, warum soll er nich?" "Is auch ‘n Standpunkt. Und vielleicht sogar der richtige. Volksstimme, Gottesstimme. Na, nu geh mal zu Pastor Lorenzen und sag ihm, ich ließ’ ihn bitten. Aber sage nichts von dem Brief; ich will ihn überraschen. Du bist mitunter ‘ne alte Plappertasche." Schon nach einer halben Stunde war Lorenzen da. "Haben befohlen ..." "Haben  befohlen.  Ja,  das  ist  gerade  so  das  Richtige;  sieht  mir  ähnlich  ...  Nun,  Lorenzen, schieben Sie sich mal ‘nen Stuhl ran, und wenn Engelke nicht geplaudert hat (denn er hält nicht immer dicht), so hab’ ich eine richtige Neuigkeit für Sie. Woldemar ist nach England ..." "Ah, mit der Abordnung." "Also wissen Sie schon davon?" "Nein, ausgenommen das eine, daß eine Deputation oder Gesandtschaft beabsichtigt sei. Das las ich, und dabei hab’ ich dann freilich auch an Woldemar gedacht." Dubslav lachte. "Sonderbar. Engelke hat sich so was gedacht, Lorenzen  hat sich auch so was gedacht. Nur der eigne Vater hat an gar nichts gedacht." "Ach, Herr von Stechlin, das ist immer so. Väter sind Väter und k"nnen nie vergessen, daß die Kinder  Kinder  waren.  Und  doch  h"rt  es  mal  auf  damit.  Napoleon  war  mit  zwanzig  ein  armer Leutnant und an Ansehn noch lange kein Stechlin. Und als er so alt war wie jetzt unser Woldemar, ja, da stand er schon zwischen Marengo und Austerlitz." "H"ren  Sie,  Lorenzen,  Sie  greifen  aber  hoch.  Meine  Schwester  Adelheid  wird  sich  Ihnen übrigens wohl anschließen und von heut ab eine neue Zeitrechnung datieren. Ich nehm’ es ruhiger, trotzdem ich einsehe, daß es nach großer Auszeichnung schmeckt. Und ist er wieder zurück, dann wird er auch allerlei Gutes davon haben. Aber solang er drüben ist! Ich trau’ der Sache nicht. Von Behagen jedenfalls keine Rede. Die Vettern sind nun mal nicht zufriedenzustellen; vielleicht ärgern sie  sich,  daß  es  draußen  in  der  Welt  auch  noch  ein  ›Regiment  K"nigin  von  Großbritannien  und Irland‹ gibt. Das besorgen sie sich lieber selbst und nehmen so was, wenn andre damit kommen, wie  ‘ne  Prätention.  Wie  stehen  denn  Sie  dazu?  Sie  haben  die  Beefeaters  vielleicht  in  Ihr  Herz geschlossen wegen der vielen Dissenter. Ein Kardinal, der freilich auch noch Gourmand war, soll mal gesagt haben: ›Schreckliches Volk; hundert Sekten und bloß eine  Sauce.‹" "Ja", lachte Lorenzen, "da bin ich freilich für die ›Beefeaters‹, wie Sie sagen, und gegen den Kardinal. Das mit den hundert Sekten lass’ ich auf sich beruhn (mein Geschmack, beiläufig, ist es nicht), aber unter allen Umständen bin ich für h"chstens eine Sauce. Das ist das einzig Richtige, weil Gesunde. Die Dinge müssen in sich etwas sein, und wenn das zutrifft, so ist eigentlich jede Sauce, und nun gar erst die Sauce im Plural, von vornherein schon gerichtet. Aber lassen wir den Kardinal und seine Gewagtheiten und nehmen wir den Gegenstand seiner Abneigung: England. Es hat für mich eine Zeit gegeben, wo ich bedingungslos dafür schwärmte. Nicht zu verwundern. Hieß es  doch  damals  in  dem  ganzen  Kreise,  drin  ich  lebte:  ›Ja,  wenn  wir  England  nicht  mehr  lieben sollen, was sollen wir dann überhaupt noch lieben?‹ Diese halbe Verg"tterung hab’ ich noch ehrlich mit   durchgemacht.   Aber   das   ist   nun   eine   hübsche   Weile   her.   Sie   sind   drüben   schrecklich runtergekommen, weil der Kult vor dem Goldenen Kalbe beständig wächst; lauter Jobber und die vornehme Welt obenan. Und dabei so heuchlerisch; sie sagen ›Christus‹ und meinen Kattun." "Is  leider  so,  wenigstens  nach  dem  bißchen,  was  ich  davon  weiß.  Und  alles  in  allem,  und neuerdings  erst  recht,  bin  ich  deshalb  immer  für  Rußland  gewesen.  Wenn  ich  da  so  an  unsern Kaiser Nikolaus zurückdenke und an die Zeit, wo seine Uniform als Geschenk bei uns eintraf und 114
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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