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Der Stechlin

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dann  als  Kirchenstück  in  die  Garnisonskirche  kam.  Natürlich  in  Potsdam.  Wir  haben  zwar  die Reliquien abgeschafft, aber wir haben sie doch auf unsre Art, und ganz ohne so was geht es nu mal nicht. Mit dem Alten Fritzen fing es natürlich an. Wir haben seinen Krückstock und den Dreimaster und  das  Taschentuch  (na,  das  hätten  sie  vielleicht  weglassen  k"nnen),  und  zu  den  drei  Stücken haben wir nu jetzt auch noch die Nikolaus-Uniform." Lorenzen  sah  verlegen  vor  sich  hin;  etwas  dagegen  sagen  ging  nicht,  und  zustimmen  noch weniger. Dubslav aber fuhr fort: "Und dann sind sie da forscher in Petersburg  und alles geht mehr aus dem vollen, auch wenn die besten Steine mitunter schon rausgebrochen sind. So was kommt vor; is eben  noch  ein  Naturvolk.  Ich  kann  das  ›Schenken‹  eigentlich  nicht  leiden,  es  hat  so  was  von Bestechung und sieht aus wie’n Trinkgeld. Und Trinkgeld ist noch schlimmer als Bestechung und paßt  mir  eigentlich  ganz  und  gar  nicht.  Aber  es  hat  doch  auch  wieder  was  Angenehmes,  solche Tabatiere. Wenn es einem gut geht, ist es ein Familienstück, und wenn es einem schlecht geht, ist es ‘ne letzte Zuflucht. Natürlich, ein ganz reinliches Gefühl hat  man nicht dabei." Lorenzen blieb eine volle Stunde. Der Alte war immer froh, wenn sich ihm Gelegenheit bot, sich mal  ausplaudern  zu  k"nnen,  und  heute  standen  ja  die  denkbar  besten  Themata  zur  Verfügung: Woldemar,  England,  Kaiser  Nikolaus  und  dazwischen  Tante  Adelheid,  über  die  zwar  immer  nur kurze  Worte  fielen,  aber  doch  so,  daß  sie,  weil  sp"ttisch,  die  gute  Laune  des  Alten  wesentlich steigerten. Und in dieser guten Laune war er auch noch, als er um die fünfte Stunde seinen Eichenstock und seinen eingeknautschten Filzhut vom Riegel nahm, um am See hin, in der Richtung auf Globsow zu, seinen gew"hnlichen Spaziergang zu machen. Unmittelbar am Südufer, da wo die Wand steil abfiel,  befand  sich  eine  von  Buchenzweigen  überdachte  Steinbank.  Das  war  sein  Lieblingsplatz. Die Sonne stand schon unterm Horizont, und nur das Abendrot glühte noch durch die Bäume. Da saß er nun und überdachte sein Leben, Altes und Neues, seine Kindh eits- und seine Leutnantstage, die Tage kurz vor seiner Verheiratung, wo das junge blasse Fräulein, das seine Frau werden sollte, noch Lieblingshofdame bei der alten Prinzeß Karl war. All das zog jetzt wieder an ihm vorüber, und dazwischen seine Schwester Adelheid, in jenen Tagen noch leidlich gut be i Weg, aber auch schon hart und herbe wie heute, so daß sie den reizenden Kerl, den Baron Krech, bloß weil er über ei n schon  halb  abgestorbenes  ›Verhältnis‹  und  eine  freilich  noch  fortlebende  Spielschuld  verfügte, durch ihre Tugend weggegrault hatte. Das waren die alten Geschichten. Und dann wurde Woldemar geboren,  und  die  junge  Frau  starb,  und  der  Junge  wuchs  heran  und  lernte  bei  Lorenzen  all  das dumme Zeug, das Neue (dran vielleicht doch was war), und nun fuhr er nach England rüber und war vielleicht schon in K"ln und in ein paar Stunden in Ostende. Dabei sah er vor sich hin und malte mit seinem Stock Figuren in den Sand. Der Wald war ganz still; auf dem See schwanden die letzten roten Lichter, und aus einiger Entfernung klangen Schläge herüber,  wie  wenn  Leute  Holz  fällen.  Er  h"rte  mit  halbem  Ohr  hin  und  sah  eben  auf  die  von Globsow  her  heraufführende  schmale  Straße,  als  er  einer  alten  Frau  von  wohl  siebzig  gewahr wurde, die, mit einer mit Reisig bepackten Kiepe, den leis ansteigenden Weg heraufkam, etliche Schritte vor ihr ein Kind mit ein paar Enzianstauden in der Hand. Das Kind, ein Mädchen, mochte zehn Jahr sein, und das Licht fiel so, daß das blonde wirre Haar wie leuchtend um des Kindes Kopf stand.  Als  die  Kleine  bis  fast  an  die  Bank  heran  war,  blieb  sie  stehn  und  erwartete  da  das Näherkommen   der   alten   Frau.   Diese,   die   wohl   sah,   daß   das   Kind   in   Furcht   oder   doch   in Verlegenheit war, sagte: "Geih man vorupp, Agnes; he deiht di nix." Das Kind, sich bezwingend, ging nun auch wirklich, und während es an der Bank vorüberkam, sah es den alten Herrn mit großen klugen Augen an. Inzwischen war auch die Alte herangekommen. "Na, Buschen", sagte Dubslav, "habt Ihr denn auch bloß Bruchholz in Eurer Kiepe? Sonst packt Euch der F"rster." Die Alte griente. "Jott, jnädiger Herr, wenn Se doabi sinn, denn w ird he joa woll nich." "Na, ich denk’ auch; is immer nich so schlimm. Und wer is denn das Kind da?" "Dat is joa Karlinens." 115
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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