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Der Stechlin

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"Nur keine heilige." "Nein", sagte die Baronin, "keine heilige. Die Feme war aber auch nicht immer heilig. Habe mir da   neulich   erst   den   G"tz   wieder   angesehn,   bloß   wegen   dieser   Szene.   Die   Poppe   beiläufig vorzüglich.  Und  der  schwarze  Mann  von  der  Feme  soll  im  Urtext  noch  viel  schlimmer  gewesen sein, so daß man es (Goethe war damals noch sehr jung) eigentlich kaum lesen kann. Ich würde mir’s aber doch getrauen. Und nun wend’ ich mich an unsre Herren, die dies diffizile Kampffeld, ich  weiß  nicht  ritterlicher-  oder  unritterlicherweise,  mir  ganz  allein  überlassen  haben.  Doktor Wrschowitz, wie denken Sie darüber?" "Ich denke darüber ganz wie gnädige Frau. Was wir da lesen wie Runenschrift ... nein, nicht wie Runenschrift  ..."  (Wrschowitz  unterbrach  sich  hier  mißmutig  über  sein  eignes  Hineingeraten  ins Skandinavische) – "was wir da lesen in Briefen vom Hofe, das ist Krittikk. Und weil es Krittikk ist, ist  es  gutt.  Mag  es  auch  sein  Mißbrauch  von  Krittikk.  Alles  hat  Mißbrauch.  Gerechtigkeit  hat Mißbrauch, Kirche hat Mißbrauch, Krittikk hat Mißbrauch. Aber trotzdem. Auf die Feme kommt es an, und das große Messer muß wieder stecken im Baum." "Brrr", sagte Czako, was ihm einen ernsten Augenaufschlag von Wrschowitz eintrug. – Als man sich nach einer halben Stunde von Tisch erhoben hatte, wechselte man den Raum und begab  sich  in  das  Damenzimmer  zurück,  weil  der  alte  Graf  etwas  Musik  h"ren  und  sich  von Armgards  Fortschritten  überzeugen  wollte.  "Doktor  Wrschowitz  hat  vielleicht  die  Güte,  dich  zu begleiten." So folgte denn ein Quatremains, und als man damit aufh"rte, nahm der alte Barby Veranlassung, seiner   Vorliebe   für   solch   vierhändiges   Spiel   Ausdruck   zu   geben,   was   Wrschowitz,   dessen Künstlerüberheblichkeit   keine   Grenzen   kannte,   zu   der   ruhig   lächelnden   Gegenbemerkung veranlaßte, daß man dieser Auffassung bei Dilettanten sehr häufig begegne. Der alte Graf, wenig befriedigt  von  dieser  "Krittikk",  war  doch  andrerseits  viel  zu  vertraut  mit  Künstlerallüren  im allgemeinen und mit den Wrschowitzschen im besonderen, um sich ernstlich über solche Worte zu verwundern. Er begnügte sich vielmehr mit einer gemessenen Verbeugung gegen den Musikdoktor und zog, auf einer nebenstehenden Causeuse Platz nehmend, die gute Frau von Berchtesgaden ins Gespräch,    von    der    er    wußte,    daß    ihre    Munterkeiten    nie    den    Charakter    "goldener Rücksichtslosigkeiten" annahmen. Wrschowitz seinerseits war an dem aufgeklappten Flügel stehengeblieben, ohne jede Spur von Verlegenheit, so daß ein Sichkümmern um ihn eigentlich nicht n"tig gewesen wäre. Trotzdem hielt es Czako für angezeigt, sich seiner anzunehmen und dabei die herk"mmliche Frage zu tun, "ob er, der Herr Doktor Wrschowitz, sich schon in Berlin eingelebt habe". "Hab’ ich", sagte Wrschowitz kurz. "Und beklagen es nicht, Ihr Zelt unter uns aufgeschlagen zu haben?" "Au contraire. Berlin eine sch"ne Stadt, eine serr gutte Stadt. Ei ne serr gutte Stadt pour moi en particulier et pour les étrangers en général. Eine serr gutte S tadt, weil es hat Musikk und weil es hat Krittikk." "Ich bin beglückt, Doktor Wrschowitz, speziell aus Ihrem Munde so viel Gutes über unsre Stadt zu h"ren. Im allgemeinen ist die slawische, besonders die tschechische Welt ..." "Oh, die tschechische Welt. Vanitas vanitatum." "Es ist sehr selten, in nationalen Fragen einem so freien Drüberstehn zu begegnen ... Aber wenn es  Ihnen  recht  ist,  Doktor  Wrschowitz,  wir  stehen  hier  wie  zwei  Schildhalter  neben  diesem aufgeklappten Klavier – vielleicht daß wir uns setzen k"nnten. Gräfin Melusine lugt ohnehin schon nach uns aus." Und als Wrschowitz seine Zustimmung zu diesem Vorschlage Czakos ausgedrückt hatte, schritten beide Herren vom Klavier her auf den Kamin zu, vor dem sich die Gräfin auf einem Fauteuil  niedergelassen  hatte.  Neben  ihr  stand  ein  Marmortischchen,  drauf  sie  den  linken  Arm stützte. "Nun  endlich,  Herr  von  Czako.  Vor  allem  aber  rücken  Sie  Stühle  heran.  Ich  sah  die  beiden Herren  in  einem  anscheinend  intimen  Gespräche.  Wenn  es  sich  um  etwas  handelte,  dran  ich teilnehmen darf, so g"nnen Sie mir diesen Vorzug. Papa hat sich, wie Sie sehn, mit der Baronin engagiert,  ich  denke  mir  über  berechtigte  bajuwarische  Eigentümlichkeiten,  und  Armgard  denkt 118
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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