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Der Stechlin

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über ihr Spiel nach und all die falschen Griffe. Was müssen Sie gelitten haben, Wrschowitz. Und nun noch einmal, Hauptmann Czako, worüber plauderten Sie?" "Berlin." "Ein unersch"pfliches Thema für die Medisance." "Worauf Doktor Wrschowitz zu meinem Staunen verzichtete. Denken Sie sich, gnädigste Gräfin, er schien alles loben zu wollen. Allerdings waren wir erst bei Musik und Kritik. Über die Menschen noch kein Wort." "Oh,  Wrschowitz,  das  müssen  Sie  nachholen.  Ein  Fremder  sieht  mehr  als  ein  Einheimischer. Also frei weg und ohne Scheu. Wie sind die Vornehmen? Wie sind die kleinen Leute?" Wrschowitz  wiegte  den  Kopf  hin  und  her,  als  ob  er  überlege,  wie  weit  er  in  seiner  Antwort gehen  k"nne.  Dann  mit  einem  Male  schien  er  einen  Entschluß  gefaßt  zu  haben  und  sagte: "Oberklasse gutt, Unterklasse serr gutt; Mittelklasse nicht serr gutt ." "Kann  ich  zustimmen",  lachte  Melusine.  "Fehlen  nur  noch  ein  paar  Details.  Wie  wär’  es damit?" "Mittelklassberliner findet gutt, was er sagt, aber findet nicht gutt, was sagt ein andrer." Czako, trotzdem er sich getroffen fühlte, nickte. "Mittelklassberliner, wenn spricht andrer, fällt in Krampf. In versteckten Krampf oder auch in nicht versteckten Krampf. In verstecktem Krampf ist er ein Bild des Jammers, in nicht verstecktem Krampf ist er ein Affront." "Brav, Wrschowitz. Aber mehr. Ich bitte." "Berliner immer an der Tête. So wenigstens glaubt er. Berliner immer Held. Berliner weiß alles, findet alles, entdeckt alles. Erst Borsig, dann Stephenson, erst Rudolf Hertzog, dann Herzog Rudolf, erst Pfefferküchler Hildebrand, dann Papst Hildebrand." "Nicht geschmeichelt, aber ähnlich. Und nun, Wrschowitz, noch eins, dann sind Sie wieder frei ... Wie sind die Damen?" "Ach, gnädigste Gräfin ..." "Nichts, nichts. Die Damen." "Die  Damen.  Oh,  die  Damen  serr  gutt.  Aber  nicht  speziffisch.  Speziffisch  in  Berlin  bloß  die Madamm." "Da bin ich aber doch neugierig." "Speziffisch  bloß  die  Madamm.  Ich  war,  gnädigste  Gräfin,  in  Pettersburg  und  ich  war  in Moscoú.  Und  war  in  Budapest.  Und  war  auch  in  Saloniki.  Ah,  Saloniki!  Sch"ne  Damen  von Helikon und sch"ne Damen von Libanon, hoch und schlank wie die Zeder. Aber keine Madamm. Madamm nirgendwo; Madamm bloß in Berlin." "Aber Wrschowitz, es müssen doch schließlich Ähnlichkeiten da sein. Eine Madamm ist doch immerhin auch eine Dame, wenigstens eine Art Dame. Schon das Wort spricht es aus." "Nein, gnädigste Gräfin; rien du tout Dame! Dame denkt an Galan, Dame denkt an Putz oder vielleicht auch an Divorçons. Aber Madamm denkt bloß an Rieke draußen und mitunter auch an Paul.  Und  wenn  sie  zu  Paul  spricht,  der  ihr  Jüngster  ist,  so  sagt  sie:  ›Jott,  dein  Vater.‹  Oh,  die Madamm! Einige sagen, sie stürbe aus, andre sagen, sie stürbe nie." "Wrschowitz",  sagte  Melusine,  "wie  schade,  daß  die  Baronin  und  Papa  nicht  zugeh"rt  haben und daß unser Freund Stechlin, der solche Themata liebt, nicht hier ist. Übrigens hatten wir heut ein Telegramm von ihm. Haben Sie vielleicht auch Nachricht, Herr Hauptmann?" "Heute,  gnädigste  Gräfin.  Und  auch  ein  Telegramm.  Ich  hab’  es  mitgebracht,  weil  ich  an  die M"glichkeit dachte ..." "Bitte, lesen." Und Czako las: "London, Charing Cross-Hotel. Alles über Erwarten groß. Sieben unvergeßliche Tage. Richmond sch"n. Windsor sch"ner. Und die Nelsonsäule vor mir. Ihr v. St." Melusine lachte. "Das hat er uns auch telegraphiert." "Ich  fand  es  wenig",  stotterte  Czako  verlegen,  "und  als  Doublette  find’  ich  es  noch  weniger. Und ein Mann wie Stechlin, ein Mann in Mission! Und jetzt sogar unter den Augen Ihrer Majestät von Großbritannien und Indien." 119
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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