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Der Stechlin

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"Was  daraus  wurde  –  das  ist  eben  der  Schlußakt  des  Dramas.  Und  dieser  Schlußakt  heißt Waltham-Abbey. Die M"nche, deren Sie sich erinnern und die da neben Editha herschritten, das waren Waltham-Abbey-M"nche, und als sie schließlich gefunden hatten, was sie suchten, legten sie den  K"nig  auf  dichtes  Baumgezweig  und  trugen  ihn  den  weiten  Weg  bis  nach  Waltham-Abbey zurück. Und da begruben sie ihn." "Und die Stätte, wo sie ihn begruben, die haben Sie besucht?" "Nein, nicht sein Grab; das existiert nicht. Man weiß nur, daß man ihn dort überhaupt begrub. Und  als  ich  da,  die  Sonne  ging  eben  unter,  in  einem  uralten  Lindengange  stand,  zwischen Grabsteinen links und rechts, und das Abendläuten von der Kirche her begann, da war es mir, als käme wieder der Zug mit den M"nchen den Lindengang herauf, und ich sah Editha und sah auch den K"nig, trotzdem ihn die Zweige halb verdeckten. Und dabei (wenn auch eigentlich der Papa schuld ist und nicht Sie, Gräfin) gedacht’ ich Ihrer in alter und  neuer Dankbarkeit." "Und daß Sie mich besiegt haben. Aber das sage nur ich. Sie sagen es natürlich nicht, denn Sie sind nicht der Mann, sich eines Sieges zu rühmen, noch dazu über eine Frau. Waltham-Abbey kenn’ ich nun, und an Ihre Phantasie glaub’ ich von heut an, trotzdem Sie mich mit Traitors-Gate im Stich gelassen. Daß Sie nebenher noch, und zwar Armgard zu Ehren, in Martins le Grand waren, dessen bin ich sicher und ebenso, daß Sie Papas einzige Forderung erfüllt und der Kapelle Heinrichs VII. Ihren Besuch gemacht haben, diesem Wunderwerk der Tudors. Welchen Eindruck hatten Sie von der Kapelle?" "Den denkbar großartigsten. Ich weiß, daß man die herabhängenden Trichter, die sie ›Tromben‹ nennen,  unsch"n  gefunden  hat;  aber  ästhetische  Vorschriften  existi eren  für  mich  nicht.  Was  auf mich  wirkt,  wirkt.  Ich  konnte  mich  nicht  sattsehen  daran.  Trotzdem,  das  Eigentlichste  war  doch noch wieder ein andres und kam erst, als ich da zwischen den Sarkophagen der beiden feindlichen K"niginnen stand. Ich wüßte nicht, daß etwas je  so beweglich und eindringlich zu mir gepredigt hätte wie gerade diese Stelle." "Und was war es, was Sie da so bewegte?" "Das  Gefühl:  ›zwischen  diesen  beiden  Gegensätzen  pendelt  die   Weltgeschichte‹.  Zunächst freilich scheinen wir da nur den Gegensatz zwischen Katholizismus und Protestantismus zu haben, aber  weit  darüber  hinaus  (weil  nicht  an  Ort  und  Zeit  gebunden)  haben  wir  bei  tiefergehender Betrachtung den Gegensatz von Leidenschaft und Berechnung, von Sch"nheit und Klugheit. Und das ist der Grund, warum das Interesse daran nicht ausstirbt. Es sind große Typen, diese feindlichen K"niginnen." Beide   Schwestern   schwiegen.   Dann   sagte   Melusine,   der   daran   lag,   wieder   ins   Heitere hinüberzulenken: "Und nun, Armgard, sage, für welche von den beiden K"niginnen bist du?" "Nicht für die eine und nicht für die andre. Nicht einmal für beide. Gewiß sind es Typen. Aber es gibt andre, die mir mehr bedeuten, und, um es kurz zu sagen, Elisabeth von Thüringen ist mir lieber als Elisabeth von England. Andern leben und der Armut das Brot geben – darin allein ruht das  Glück.  Ich  m"chte,  daß  ich  mir  das  erringen  k"nnte.  Aber  man  erringt  sich  nichts.  Alles  ist Gnade." "Du bist ein Kind", sagte Melusine, während sie sich mühte, ihrer Bewegung Herr zu werden. "Du wirst noch Unter den Linden für Geld gezeigt werden. Auf der einen Seite die ›Mädchen von Dahomey‹, auf der andern du." Stechlin  ging.  Armgard  gab  ihm  das  Geleit  bis  auf  den  Korridor.  Es  war  eine  Verlegenheit zwischen  beiden,  und  Woldemar  fühlte,  daß  er  etwas  sagen  müsse.  "Welche  liebenswürdige Schwester Sie haben." Armgard err"tete. "Sie werden mich eifersüchtig machen." "Wirklich, Komtesse?" "Vielleicht ... Gute Nacht." Eine  halbe  Stunde  später  saß  Melusine  neben  dem  Bett  der  Schwester,  und  beide  plauderten noch. Aber Armgard war einsilbig, und Melusine bemerkte wohl, daß die Schwester etwas auf dem Herzen habe. "Was hast du, Armgard? Du bist so zerstreut, so wie abwesend." 125
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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