Titel:

Der Stechlin

Startseite
english
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>|
  Wir empfehlen:       
 

"Ich weiß es nicht, aber ich glaube fast ..." "Nun was?" "Ich glaube fast, ich bin verlobt." Sechsundzwanzigstes Kapitel Und was die jüngere Schwester der älteren zugeflüstert hatte, das wurde wahr, und schon wenige Tage nach diesem ersten Wiedersehn waren Armgard und Woldemar Verlobte. Der alte Graf sah einen  Wunsch  erfüllt,  den  er  seit  lange  gehegt,  und  Melusine  küßte  die  Schwester  mit  einer Herzlichkeit, als ob sie selber die Glückliche wäre. "Du g"nnst ihn mir doch?" "Ach, meine liebe Armgard", sagte Melusine, "wenn du wüßtest! Ich habe nur die Freude, du hast auch die Last." An  demselben  Abende  noch,  wo  die  Verlobung  stattgefunden  hatte,  schrieb  Woldemar  nach Stechlin  und  nach  Wutz;  der  eine  Brief  war  so  wichtig  wie  der  andre,  denn  die  Tante-Domina, deren Mißstimmung so gut wie gewiß war, mußte nach M"glichkeit vers"hnlich gestimmt werden. Freilich blieb es fraglich, ob es glücken würde. Zwei  Tage  später  waren  die  Antwortbriefe  da,  von  denen  diesmal  der  Wutzer  Brief  über  den Stechliner  siegte,  was  einfach  daran  lag,  daß  Woldemar  von  Wutz  her  nur  Ausstellungen,  von Stechlin her nur Entzücken erwartet hatte. Das traf aber nun beides nicht zu. Was die Tante schrieb, war durchaus nicht so schlimm (sie beschränkte sich auf Wiederholung der schon mündlich von ihr ausgesprochenen Bedenken), und was der Alte schrieb, war nicht so gut oder doch wenigstens nicht so der Situation angepaßt, wie’s Woldemar gewärtigte. Natürlich war es eine Beglückwünschung, aber  doch  mehr  noch  ein  politischer  Exkurs.  Dubslav  litt  als  Briefschreiber  daran,  gern  bei Nebensächlichkeiten zu verweilen und gelegentlich über die Hauptsa che wegzusehn. Er schrieb: "Mein lieber Woldemar. Die Würfel sind nun also gefallen (früher hieß es ›alea jacta est‹, aber so altmodisch bin ich denn doch nicht mehr), und  da zwei Sechsen obenauf liegen, kann ich nur sagen: ich gratuliere. Nach dem Gespräch übrigens, das ich am 3. Oktober morgens mit Dir führte, während  wir  um  unsern  Stechliner  Springbrunnen  herumgingen  (seit  drei  Tagen  springt  er  nicht mehr;  wahrscheinlich  werden  die  Mäuse  das  R"hrenwerk  angeknabbert  haben)  –  seit  jenem Oktobermorgen hab’ ich so was erwartet, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Du wirst nun also Karriere  machen,  glücklicherweise  zunächst  durch  Dich  selbst  und  dann  allerdings  auch  durch Deine  Braut  und  deren  Familie.  Graf  Barby  –  mit  Rübenboden  im  Magdeburgischen  und  mit Mineralquellen im Graubündischen –, h"her hinauf geht es kaum, Du müßtest Dich denn bis ins Katzlersche verirren. Armgard ist auch schon viel, aber Ermyntrud doch mehr und für den armen Katzler  jedenfalls  zu  viel.  Ja,  mein  lieber  Woldemar,  Du  kommst  nun  also  zu  Verm"gen  und Einfluß  und  kannst  die  Stechlins  wieder  raufbringen  (gestern  war  Baruch  Hirschfeld  hier  und  in allem willfährig; die Juden sind nicht so schlimm, wie manche meinen), und wenn Du dann hier einziehst  und  statt  der  alten  Kate  so  was  in  Châteaustil  bauen  läßt  und  vielleicht  sogar  eine Fasanenzucht anlegst, so daß erst der Post-Stephan und dann der Kaiser selbst bei Dir zu Besuch kommen  kann,  ja,  da  kannst  Du  m"glicherweise  selbst das erreichen, was Dein alter Vater, weil Feilenhauer Torgelow mächtiger war als er, nicht erreichen konnte: den Einzug ins Reichshaus mit dem freien Blick auf Kroll. Mehr kann ich in diesem Augenblick nicht sagen, auch meine Freude nicht  h"her  spannen,  und  in  diesem  relativen  Ruhigbleiben  empfind’  ich  zum  erstenmal  eine gewisse Familienähnlichkeit mit meiner Schwester Adelheid, deren Glaubensbekenntnis im letzten darauf hinausläuft: Kleinadel über Hochadel, Junker über Graf. Ja ich fühle, Deinen Gräflichkeiten gegenüber, wie sich der Junker ein bißchen in  mir regt. Die reichen und vornehmen Herren sind 126
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
|<< Anfang     < Zurück     Index     Weiter >     Ende >>| 

Zurück zu Themenseiten:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

Das Setzen von Verweisen (Links) auf diese Seite ist gestattet und bedarf keine vorherige Absprache.
   
  Startseite  |  english  |  Bookmark setzen  |  Webseite weiterempfehlen  |  Impressum