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Der Stechlin

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"Nein, aber Not lehrt beten. Ich mache mir eigentlich nicht viel aus ihm, indessen is und bleibt er doch immer ein Superintendent, und das klingt nach was. Und dann war er ja mit ‘ner russischen Großfürstin  auf  Reisen,  und  solche  Großfürstin  is  eigentlich  noch  mehr  als  ‘ne  Prinzessin.  Also sprich mal mit Kluckhuhn, der soll ‘nen Boten schicken. Ich schreibe gleich ‘n e Karte." Katzler sagte ab oder ließ es doch unbestimmt, ob er kommen k"nne, Koseleger dagegen, was ein Glück war, nahm an, und auch Schwester Adelheid antwortete durch den Boten, den Dubslav geschickt hatte: "daß sie den zweiten Feiertag in Stechlin eintreffen und, soweit wie dienlich und schicklich,  nach  dem  Rechten  sehen  würde".  Adelheid  war  in  ihrer  Art  eine  gute  Wirtin  und stammte  noch  aus  den  alten  Zeiten,  wo  die  Damen  bis  zum  "Schlachten"  und  "Aalabziehen" herunter alles lernten und alles konnten. Also nach  dieser Seite hin entschlug sich Dubslav jeder Befürchtung. Aber wenn er sich dann mit einem Male vergegenwärtigte, daß es seiner Schwester vielleicht    in    den    Sinn    kommen    k"nne,    sich    auf    ihren    Uradel    oder    auf    die    Vorzüge sechshundertjähriger märkischer "Eingesessenheit" zu besinnen, so fiel alles, was er sich in dem mit Engelke geführten Gespräch an Trost zugesprochen hatte, doch wi eder von ihm ab. Ihm bangte vor  der  M"glichkeit  einer  seitens  seiner  Schwester  "aufgesetzten  hohen  Miene"  wie  vor  einem Gespenst,   und   desgleichen   vor   der   Kostümfrage.   Wohl   war   er   sich,   ob   er   nun   seine   rote Landstandsuniform oder seinen hochkragigen schwarzen Frack anlegte, seiner eignen altmodischen Erscheinung  voll  bewußt,  aber  nebenher,  was  seine  Person  anging,  doch  auch  wieder  einer gewissen  Patriarchalität.  Einen  gleichen  Trost  konnt’  er  dem  äußern  Menschen  seiner  Schwester Adelheid  nicht  entnehmen.  Er  wußte  genau,  wie  sie  kommen  würde:  schwarzes  Seidenkleid, Rüsche mit kleinen Kn"pfelchen oben und die Siebenkurfürstenbrosche. Was ihn aber am meisten ängstigte,  war  der  Moment  nach  Tisch,  wo  sie,  wenn  sie  sich  einigermaßen  behaglich  zu  fühlen anfing, ihre Wutzer Gesamtchaussure auf das Kamingitter zu stellen und die Wärme von unten her einzusaugen pflegte. Gleich nach sieben trafen Woldemar und die Barbyschen Damen auf dem Granseer Bahnhof ein und fanden Martin und den Stechlinschen Schlitten vor, letzterer insoweit ein Prachtstück, als er ein richtiges Bärenfell hatte, während andrerseits Geläut und Schneedecken und fast auch die Pferde mehr oder weniger zu wünschen übrig ließen. Aber Melusine sah nichts davon und Armgard noch weniger. Es war eine reizende Fahrt; die Luft stand, und am stahlblauen Himmel oben blinkten die Sterne. So ging es zwischen den eingeschneiten Feldern hin, und wenn ihre Kappen und Hüte hier und  dort  die  herniederhängenden  Zweige  streiften,  fielen  die  Flocken  in  ihren  Schlitten.  In  den D"rfern  war  überall  noch  Leben,  und  das  Anschlagen  der  Hunde,  das  vom  nächsten  Dorf  her beantwortet wurde, klang übers Feld. Alle drei Schlitteninsassen ware n glücklich, und ohne daß sie viel gesprochen hätten, bogen sie zuletzt, eine weite Kurve machend, in die Kastanienallee ein, die sie  nun  rasch,  über  Dorfplatz  und  Brücke  fort,  bis  auf  die  Rampe  von  Schloß  Stechlin  führte. Dubslav  und  Engelke  standen  hier  schon  im  Portal  und  waren  den  Damen  beim  Aussteigen behilflich. Beim Eintritt in den großen Flur war für diese das erste, was sie sahen, ein mächtiger, von der Decke herabhängender Mistelbusch; zugleich schlug die Treppenuhr, deren Hippenmann wie   verwundert   und   beinah   verdrießlich   auf   die   fremden   Gäste   herniedersah.   Viele   Lichter brannten, aber es wirkte trotzdem alles wie  dunkel. Woldemar war ein wenig befangen, Dubslav auch. Und nun wollte Armgard dem Alten die Hand küssen. Aber das gab diesem seinen Ton und seine gute Laune wieder. "Umgekehrt wird ein Schuh draus." "Und zuletzt ein Pantoffel", lachte Melusine. Siebenundzwanzigstes Kapitel 129
  
Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Havelland. Die Landschaft um Spandau, Potsdam, Brandenburg (Broschiert)
von Theodor Fontane
Siehe auch:
Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Das Oderland. Barnim-Lebus 2
von Theodor Fontane
Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Die Grafschaft Ruppin. Wanderungen durch Mark Brandenburg 1
von Theodor Fontane
Sonstige Artikel:
Mut zur Typographie. Ein Kurs für Desktop-Publishing. (X.media.press / publishing) (Gebundene Ausgabe)
von Jürgen Gulbins,
Christine Kahrmann
Fish!: A Remarkable Way to Boost Morale and Improve Results (Taschenbuch)
von Stephen C. Lundin,
Harry Paul,
John Christensen
 
    
     
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