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Der Stechlin

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"Das  ist  eine  Dame  und  ein  Frauenzimmer  dazu",  sagte  sich  Dubslav  still  in  seinem  alten Herzen, als er jetzt Melusine den Arm bot, um sie vom Flur her in den Salon zu führen. "So müssen Weiber sein." Auch Adelheid mühte sich, Entgegenkommen zu zeigen, aber sie war wie gelähmt. Das Leichte, das  Heitre,  das  Sprunghafte,  das  die  junge  Gräfin  in  jedem  Wort  zeigte,  das  alles  war  ihr  eine fremde Welt, und daß ihr eine innere Stimme dabei beständig zuraunte: "Ja, dies Leichte, das du nicht hast, das ist das Leben, und das Schwere, das du hast, das ist eben das Gegenteil davon", – das verdroß  sie.  Denn  trotzdem  sie  beständig  Demut  predigte,  hatte  sie  doch  nicht  gelernt,  sich  in Demut zu überwinden. So war denn alles, was über ihre Lippen kam, mehr oder weniger verzerrt, ein   Versuch   zu   Freundlichkeiten,   die   schließlich   in   Herbigkeiten   ausliefen.   Lorenzen,   der erschienen  war,  half  nach  M"glichkeit  aus,  aber  er  war  kein  Damenmann,  noch  weniger  ein Causeur,  und  so  kam  es  denn,  daß  Dubslav  mit  einer  Art  Sehnsucht  nach  dem  Oberf"rster ausblickte,   trotzdem   er   doch   seit   Mittag   wußte,   daß   er   nicht   kommen   würde.   Das   jüngste T"chterchen  war  nämlich  gestorben  und  sollte  den  andern  Tag  schon  auf  einem  kleinen,  von Weihnachtsbäumen   umstellten   Privatfriedhofe,   den   sich   Katzler   zwischen   Garten   und   Wald angelegt hatte, begraben werden. Es war das vierte T"chterchen in der Reihe; jede lag in einer Art Gartenbeet und hatte, wie ein Samenkorn, dessen Aufgehen man erwartet, ein Holztäfelchen neben sich,  drauf  der  Name  stand.  Als  Dubslavs  Einladung  eingetroffen  war,  war  Ermyntrud,  wie gew"hnlich, in Katzler gedrungen, der Einladung zu folgen. "Ich wünsche nicht, daß du dich deinen gesellschaftlichen    Pflichten    entziehst,    auch    heute    nicht,    trotz    des    Erns tes    der    Stunde. Gesellschaftlichkeiten  sind  auch  Pflichten.  Und  die  Barbyschen  Damen  –  ich  erinnere  mich  der Familie – werden gerade wegen der Trauer, in der wir stehn, in deinem Erscheinen eine besondere Freundlichkeit sehen. Und das ist genau das, was ich wünsche. Denn die Komtesse wird über kurz oder lang unsre nächste Nachbarin sein." Aber Katzler war festgeblieben und hatte betont, daß es H"heres gäbe als Gesellschaftlichkeiten, und daß er durchaus wünsche, daß dies gezeigt werde. Der Prinzessin Auge hatte während dieser Worte hoheitsvoll auf Katzler geruht, mit einem Ausdruck, der sagen zu wollen schien: "Ich weiß, daß ich meine Hand keinem Unwürdigen gereicht habe." Katzler also fehlte. Doch auch Koseleger, trotz seiner Zusage, war noch  nicht da, so daß Dubslav in  die  sonderbare  Lage  kam,  sich  den  Quaden-Hennersdorfer,  aus  dem  er  sich  eigentlich  nichts machte, herbeizuwünschen. Endlich aber fuhr Koseleger vor, sein etwas  verspätetes Kommen mit Dienstlichkeiten entschuldigend. Unmittelbar danach ging man zu Tisch, und ein Gespräch leitete sich ein. Zunächst wurde von der Nordbahn gesprochen, die, seit der neuen Kopenhagener Linie, den ihr von früher her anhaftenden Schreckensnamen siegreich überwunden habe. Jetzt heiße sie die "Apfelsinenbahn", was doch kaum noch übertroffen werden k"nne. Dann lenkte man auf den alten   Grafen   und   seine   Besitzungen   im   Graubündischen   über,   endlich   aber   auf   den   langen Aufenhalt der Familie drüben in England, wo beide T"chter geboren seien. Dies Gespräch war noch lange nicht erledigt, als man sich von Tisch erhob, und so kam es, daß sich das Plaudern über eben dasselbe Thema beim Kaffee, der im Gartensalon, und zwar in einem Halbzirkel um den Kamin herum, eingenommen wurde, fortsetzte. Dubslav sprach sein Bedauern aus, daß ihn in seiner Jugend der Dienst und später die Verhältnisse daran gehindert hätten, England kennenzulernen; es sei nun doch mal das vorbildliche Land, eigentlich für alle Parteien, auch für die Konservativen,  die  dort  ihr  Ideal  mindestens  ebensogut  verwirklicht  fänden  wie  die  Liberalen. Lorenzen  stimmte  lebhaft  zu,  während  andrerseits  die  Domina  ziemlich  deutliche  Zeichen  von Ungeduld  gab.  England  war  ihr  kein  erfreuliches  Gesprächsthema,  was  selbstverständlich  ihren Bruder nicht hinderte, dabei zu verharren. "Ich    m"chte    mich",    fuhr    Dubslav    fort,    "in    dieser    Angelegenheit    an    unsern    Herrn Superintendenten wenden dürfen. Waren Sie drüben ?" "Leider nein, Herr von Stechlin, ich war nicht drüben, sehr zu meinem Bedauern. Und ich hätt’ es  so  leicht  haben  k"nnen.  Aber  es  ist  immer  wieder  die  alte  Geschichte:  was  man  in  ein  paar Stunden und mitunter in ein paar Minuten erreichen kann, das verschiebt man, eben weil es so nah ist,  und  mit  einem  Mal  ist  es  zu  spät.  Ich  war  Jahr  und  Tag  im  Haag,  und  von  da  nach  Dover hinüber  war  nicht  viel  mehr  als  nach  Potsdam.  Trotzdem  unterblieb  es,  oder  richtiger  gerade 130
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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