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Der Stechlin

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"Nun,   wenn   es   denn   sein   soll",   nahm   Koseleger,   langsam   und   bloß   wie   einer   Pression nachgebend,  das  Wort.  "Es  lebte  da  zu  jener  Zeit  eine  sch"ne  Herzogin  in  London,  die’s  nicht ertragen konnte, daß die Jahre nicht spurlos an ihr vorübergehen wollten; Fältchen und Krähenfüße zeigten  sich.  In  dieser  Bedrängnis  h"rte  sie  von  ungefähr  von  einer  ›plastischen  Künstlerin‹,  die durch  Auftrag  einer  Wachspaste  die  Jugend  wiederherzustellen  wisse.  Diese  Künstlerin  wurde gerufen, und die Wiederherstellung gelang auch. Aber nun traf eines Tages die Rechnung ein, ›die Bill‹, wie sie da drüben sagen. Es war eine Summe, vor der selbst eine Herzogin erschrecken durfte. Und da die Künstlerin auf ihrer Forderung beharrte, so kam es zu dem angedeuteten Prozeß, der sich alsbald zu einer cause célèbre gestaltete." "Sehr begreiflich", versicherte Dubslav, und Melusine stimmte zu. "Zahlreiche  Personen  traten  in  der  Verhandlung  auf,  und  als  Sachverständige  wurden  zuletzt auch Konkurrentinnen auf diesem Spezialgebiete der ›plastischen Kunst‹ vernommen. Alle fanden die Forderung erheblich zu hoch, und der Sieg schien sich rasch der Herzogin zuneigen zu wollen. Aber   in   eben   diesem   Augenblicke   trat   die   sich   arg   bedrängt   sehende   Künstlerin   an   den Vorsitzenden  des  Gerichtshofes  heran  und  bat  ihn,  an  die  erschienenen  Fachgenossinnen  einfach die Frage nach der Dauer der durch ihre Kunst wiederhergestellten Jugend und Sch"nheit richten zu wollen, eine Bitte, der der Oberrichter auch sofort nachkam. Was darauf geantwortet wurde, lautete hinsichtlich der Dauer sehr verschieden. Als aber, trotz der Verschiedenheit dieser Angaben, keine der Konkurrentinnen mehr als ein Vierteljahr zu garantieren wagte, wandte sich die Verklagte ruhig an   den   hohen   Gerichtshof   und   sagte   nicht   ohne   Würde:   ›Meine   Herren   Richter:   meine Mitkünstlerinnen, wie Sie soeben vernommen haben, helfen auf Zeit; was ich leiste, ist, beautifying for ever.‹ Und alles war von diesem Worte hingerissen, der hohe Gerichtshof mit, und die Herzogin hatte die Riesensumme zu zahlen." "Und wäre dergleichen hierlandes m"glich?" fragte Melusine. "Ganz  unm"glich",  erwiderte  der  für  alles  Fremde  schwärmende  Koseleger.  "Es  kann  hier einfach   deshalb   nicht   vorkommen,   weil   uns   der   dazu   n"tige   h"here   Kulturzustand   und   die dementsprechende Anschauung fehlt. In unserm guten Preußen, und nun gar erst in unsrer Mark, sieht  man  in  einem  derartigen  Hergange  nur  das  Karikierte,  günstigstenfalls  das  Groteske,  nicht aber jenes Hochmaß gesellschaftlicher Verfeinerung, aus dem allein sich solche Dinge, die man im übrigen um ihres Raffinements willen belächeln oder verurteilen mag, entwickeln k"nnen." Die  meisten  waren  einverstanden,  allen  voraus  Dubslav,  dem  dergleichen  immer  einleuchtete, während die Domina von "Horreur" sprach und sichtlich unmutig den Kopf hin und her bewegte. Woldemar erneute natürlich seine Versuche, die der Tante so mißfällige Konversation auf andres überzulenken, bei welcher Gelegenheit er nach dem Berühren verschiedenster Themata zuletzt auch auf  den  Covent  Garden-Markt  und  den  englischen  Gemüsebau  zu  sprechen  kam.  Das  paßte  der Domina. "Ja,  Gemüsebau",  sagte  sie,  "das  ist  eine  wunderbare  Sache,  daran  hat  man  eine  wirkliche Freude. Kloster Wutz ist eigentlich eine Gartengegend; unser Spargel ist denn auch weit und breit der beste, und meine gute Schmargendorf hat Artischocken gezogen, so groß wie ‘ne Sonnenblume. Freilich, es will sie keiner so recht, und alle sagen immer: ›Es dauert so lange, wenn man so jedes Blatt nehmen muß, und eigentlich hat man nichts davon, auch wenn die Sauce noch so dick ist.‹ Viel mehr Glück hat unsre alte Schimonski mit ihren großen Erdbeeren – ich meine natürlich nicht die Schimonski selber; sie selber kann gar nichts, aber sie hat eine sehr geschic kte Person –, und ein Berliner  Händler  kauft  ihr  alles  ab,  bloß  daß  die  Schnecken  oft  die  Hälfte  jeder  Erdbeere wegfressen.  Man  sollte  nicht  glauben,  daß  solche  Tiere  solchen  feinen  Geschmack  haben.  Aber wenn  es  wegen  der  Schnecken  auch  unsicher  ist,  Dubslav,  du  solltest  solc he  Zucht  doch  auch versuchen. Wenn es einschlägt, ist es sehr vorteilhaft. Die Schimonski wenigstens hat mehr davon als von ihren Hühnern, trotzdem sie gut legen. Denn mal sind sie billig, die Eier, und dann wieder verderben sie, und die schlechten werden einem berechnet und abgezogen, und die Streiterei nimmt kein Ende." Kurz vor elf brach das Gespräch ab, und man zog sich zurück. Der alte Dubslav ließ es sich nicht nehmen, die Damen pers"nlich treppauf bis an ihre Zimmer zu führen und sich da unter Handkuß 132
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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