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Der Stechlin

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Domina und stellte all die Fragen, die man an solchem Begrüßungsmorgen zu stellen pflegt. In aller Unbefangenheit antworteten die Schwestern, am unbefangensten Melusine, die bei der Gelegenheit dem alten Dubslav erzählte, daß sie nicht umhin gekonnt hätte, sich die Bibel an ihr Bett zu legen. "Und mit der Absicht, drin zu lesen?" "Beinah. Aber es wurde nichts daraus. Armgard plauderte so viel, freilich auf meinen Wunsch. Ich h"rte von der Treppe her immer die Uhr schlagen und las dabei beständig das Wort ›Museum‹. Aber das war natürlich schon im Traum. Ich schlief schon ganz fest. Und heute früh bin ich wie der Fisch im Wasser." Dubslav  hätte  dies  gern  bestätigt,  dabei  nach  einem  Spezialfisch  suchend,  der  so  recht  zum Vergleich  für  Melusine  gepaßt  hätte.  Die  Blicke  seiner  Schweste r  aber,  die  zu  fragen  schienen: "hast du geh"rt?", ließen ihn wieder davon abstehn, und nachdem noch einiges über den großen Oberflur  und  seine  Bilder  und  Schränke  gesprochen  worden  war,  wurde,  genau  wie  vor  einem Vierteljahr, wo Rex und Czako zu Besuch da waren, ein Programm verabredet, das dem damaligen sehr ähnlich sah: Aussichtsturm, See, Globsow; dann auf dem Rückwege die Kirche, vielleicht auch Krippenstapel.  Und  zuletzt  das  "Museum".  Aber  manches  davon  war  unsicher  und  hing  vom Wetter  ab.  Nur  den  See  wollte  man  unter  allen  Umständen  sehn.  Engelke  wurde  beauftragt,  mit Plaids und Decken vorauszugehn und ein paar Leute zum Wegschaufeln des Schnees mitzunehmen, lediglich   für   den   Fall,   daß   die   Damen   vielleicht   Lust   bezeigen   sollten,   die   Sprudel-   und Trichterstelle genauer zu studieren. "Und wenn wir auf unserm Hofe keine Leute haben, so geh ins Schulzenamt und bitte Rolf Krake, daß er aushilft." Melusine, die dieser Befehlserteilung zugeh"rt hatte, war überrasc ht, in einem märkischen Dorfe dem  Namen  "Rolf  Krake"  zu  begegnen,  und  erfuhr  denn  auch  alsbald  den  Zusammenhang  der Dinge. Sie war ganz enchantiert davon und sagte: "Das ist hübsch.  Aller aufgesteifter Patriotismus ist  mir  ein  Greuel;  aber  wenn  er  diese  Formen  annimmt  und  sich  in  Humor  und  selbst  in  Ironie kleidet, dann ist er das Beste, was man haben kann. Ein Mann, der solchen Beinamen hat, der lebt, der   ist   in   sich   eine   Geschichte."   Dubslav   küßte   ihr   die   Hand,   Adelheid   aber   wandte   sich demonstrativ  ab;  sie  wollte  nicht  Zeuge  dieser  ewigen  Huldigungen  sein.  "Wenn  man  ein  alter Major ist, ist man eben ein alter Major und nicht ein junger Leutnant. Dubslav ist zwanzig, aber zwanzig Jahr a. D." Es  war  gegen  zehn,  als  man  aufbrach,  um  zunächst  auf  den  Aussichtsturm  zu  steigen,  und nachdem   man   von   der   obersten   Etage   her   die   Waldlandschaft,   die   sich   auch   in   ihrem Schneeschmuck  wundervoll  ausnahm,  gebührend  bewundert  und  dann  den  Abstieg  glücklich bewerkstelligt hatte, passierte man den Schloßhof mit der Glaskugel, um über den Dorfplatz fort in die  nach  dem  See  hinunterführende  große  Straße  einzubiegen.  Auf  dem  Dorfplatze  war  alles winterlich  still,  nur  vor  dem  Kruge  standen  drei  Menschen:  Engelke,  der  die  Schneeschipper vorausgeschickt hatte, mit seinen Plaids über dem Arm, neben ihm Schulze Kluckhuhn und neben diesem Gendarm Uncke, das Karabinergewehr über die Schulter gehängt. "Da   treffen   wir   ja   die   ganze   hohe   Obrigkeit",   sagte   Dubslav.   "Engelke   kann   ich   auch mitrechnen, der regiert mich, is also eigentlich die Feudalitätsspitze." Während dieser Worte waren die Herrschaften an die Gruppe herangetreten. "Freut mich, daß ich Sie treffe, Kluckhuhn. Ich denke, Sie begleiten uns ... Frau Gräfin, darf ich Ihnen hier unsern Dorfherrscher vorstellen? Schulze Kluckhuhn, alter Vierundsechziger." Und nun ordnete sich der Zug. Dubslav und Uncke schlossen ab, Woldemar, Armgard und Tante Adelheid hielten die Mitte; Melusine schritt voran, Rolf Krake neben ihr. "Ich  bin  froh",  sagte  Melusine,  "Sie  bei  dieser  Partie  mit  dabei  zu  sehn.  Der  alte  Herr  von Stechlin hat mir schon von Ihnen erzählt, und daß Sie vierundsechzig mit dabei gewesen. Und ich weiß auch Ihren Namen; das heißt den zweiten. Und ich darf sagen, ich freue mich immer, wenn ich so was Hübsches h"re." "Ach, Rolf Krake", lachte Kluckhuhn. "Ja, Frau Gräfin, wer den Schaden hat, darf für den Spott nicht sorgen. Das heißt, von ›Schaden‹ darf ich eigentlich nicht reden, den hab’ ich nicht so recht davon  gehabt;  ich  bin  nicht  mal  angeschossen  worden.  Und  doch  is  so  was  billig,  wenn’s  erst losgeht." 134
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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