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Der Stechlin

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"Ja, Schulze Kluckhuhn, unsereinem ist so was leider immer verschlossen oder, wie die Leute hier  sagen,  verpurrt.  Und  doch  ist  das  das  eigentliche  Leben.  So  immer  bloß  einsitzen  und  ein bißchen  Scharpie  zupfen,  das  ist  gar  nichts.  Mit  dabei  sein,  das  macht  glücklich.  Es  war  aber trotzdem  wohl  ein  eigenes  Gefühl,  als  Sie  da  so  von  Düppel  nach  Alsen  rüberfuhren  und  das unheimliche Schiff, der Rolf Krake, so dicht daneben lag." "Ja, das war es, Frau Gräfin, ein ganz eigenes Gefühl. Und mitunter erscheint mir der Rolf Krake noch im Traum. Und is auch nicht zu verwundern. Denn Rolf Krake war wie ein richtiges Gespenst. Und  wenn  solch  Gespenst  einen  packt,  ja,  da  is  man  weg  ...  Und  dabei  bleib’  ich,  Frau  Gräfin, sechsundsechzig war nicht viel und siebzig war auch nicht viel." "Aber die großen Verluste ..." "Ja, die Verluste waren groß, das ist richtig. Aber Verluste, Frau Gräfin, das is eigentlich gar nichts. Natürlich, wen es trifft, für den is es was. Aber ich meine jetzt das, was man dabei so das Moralische nennt; und darauf kommt es an, nicht auf die Verluste, nicht auf viel oder wenig. Wenn einer  eine  B"schung  raufklettert,  und  nu  steht  er  oben  und  schleicht  sich  ran,  immer  mit  ‘nem Pulversack und ‘nem Zünder in der Hand, und nu legt er an, und nu fliegt alles in die Luft und er mit. Und nu ist die Festung oder die Schanze offen. Ja, Frau Gräfin, das ist was. Und das hat unser Pionier Klinke getan. Der war moralisch. Ich weiß nicht, ob Frau Gräfin mal von ihm geh"rt haben, aber dafür leb’ ich und sterb’ ich: immer bloß das Kleine, da zeigt sich’s, was einer kann. Wenn ein Bataillon ran muß un ich stecke mitten drin, ja, was will ich da machen? Da muß ich mit. Und baff, da lieg’ ich. Und nu bin ich ein Held. Aber eigentlich bin ich keiner. Es ist alles bloß ›Muß‹, und solche  Mußhelden  gibt  es  viele.  Das  is,  was  ich  die  großen  Kriege  nenne.  Klinke  mit  seinem Pulversack, ja, der war bloß was Kleines, aber er war doch groß. Und ebenso (wenn er auch unser Feind war) dieser Rolf Krake." So ging historisch-retrospektiv das Gespräch an der Tête, während Dubslav und Uncke, die den Zug abschlossen, mit ihrem Thema mehr in der Gegenwart standen. "Is mir lieb, Uncke, Sie mal wieder zu treffen. Seit Rheinsberg hab’ ich Sie nicht mehr gesehn. Ich  denke  mir,  Torgelow  is  nu  wohl  schon  im  besten Gange. So wie Bebel. Ich kriege natürlich jeden Tag meine Zeitung, aber es is mir immer zuviel und das große Format und das dünne Papier. Da kuck ich denn nich immer ganz genau zu. Hat er denn schon gesprochen?" "Ja,  Herr  Major,  gesprochen  hat  er  schon.  Aber  nich  viel.  Un  war  auch  kein  rechter  Beifall. Auch nich mal bei seinen eignen Leuten." "Er  wird  wohl  die  Sache  noch  nicht  recht  weghaben.  Ich  meine  das,  was  sie  jetzt  das Parlamentarische nennen. Das schad’t aber nichts und ist eigentlich egal. Wichtiger is, wie sie hier in unserm Ruppiner Winkel, in unserm Rheinsberg-Wutz über ihn denken. Sind sie denn da mit ihm zufrieden?" "Auch nicht, Herr Major. Sie sagen, er sei zweideutig." "Ja, Uncke, so heißt es überall. Das is nu mal so, das is nicht zu ändern. In Frankreich heißt es immer gleich ›Verrat‹, und hier sagen sie ›zweideutig‹. Da war auch einer von uns, den ich nicht nennen will, von dem hieß es auch so ..." "Von dem hieß es auch so. Ja, Herr Major. Und Pyterke, der immer gut Bescheid weiß, der sagte mir schon damals in Rheinsberg: ›Uncke, glauben Sie mir, da hat sich der Herr Major eine Schlange an seinem Busen großgezogen.‹" "Kann ich mir denken; klingt ganz nach Pyterke. Der spricht immer so gebildet. Aber is es auch richtig?" "Is schon richtig, Herr Major. Herr Major denken immer das Gute von ‘nem Menschen, weil Sie so viel zu Hause sitzen und selber so sind. Aber wer so rum kommt wie ich. Alle lügen sie. Was sie meinen,  das  sagen  sie  nich,  und  was  sie  sagen,  das  meinen  sie  nich.  Is  kein  Verlaß  mehr;  alles zweideutig." "Ja, so rund raus, Uncke, das war früher, aber  das geht jetzt nicht mehr. Man darf keinem so alles auf die Nase binden. Das is eben, was sie jetzt ›politisches Le ben‹ nennen." "Ach,  Herr  Major,  das  mein’  ich  ja  gar  nicht.  Das  Politische  ...  Jott,  wenn  einer  sich  ins Politische zweideutig macht, na, dann muß ich ihn anzeigen, das is Dienst. Darum gräm’ ich mich 135
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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