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Der Stechlin

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Pickäxte mitgebracht haben. Ich taxiere das Eis auf nicht dicker als zwei Fuß, und wenn sich die Leute  dranmachen,  so  haben  wir  in  zehn  Minuten eine große Lume, und der Hahn, wenn er nur sonst Lust hat, kommt aus seiner Tiefe herauf. Befehlen Frau Gräfin?" "Um Gottes willen, nein. Ich bin sehr für solche Geschichten und bin glücklich, daß die Familie Stechlin  diesen  See  hat.  Aber  ich  bin  zugleich  auch  abergläubisch  und  mag  kein  Eingreifen  ins Elementare. Die Natur hat jetzt den See überdeckt; da werd’ ich mich also hüten, irgendwas ändern zu wollen. Ich würde glauben, eine Hand führe heraus und packte mich." Adelheid war bei diesen Worten immer gerader und länger geworden und rückte mit Ostentation von Melusine weg, mehr der Banklehne zu, wo, halb wie das gute Gewissen, halb wie die g"ttliche Weltordnung,  Uncke  stand  und  durch  seine  bloße  Gegenwart  den  Gemütszustand  der  Domina wieder beschwichtigte. Nur von Zeit zu Zeit sah sie fragend, forschend und vorwurfsvoll auf ihren Bruder. Dieser wußte genau, was in seiner Schwester Seele vorging. Es erheiterte ihn ungemein, aber es beunruhigte   ihn   doch   auch.   Wenn   diese   Gefühle   wuchsen,   wohin   sollte   das   führen?   Die M"glichkeit einer schrecklichen Szene, die sein Haus mit einer nicht zu tilgenden Blame behaftet hätte, trat dabei vor seine Seele. Der Himmel hatte aber ein Einsehn. Schon seit einer Viertelstunde lag ein grauer Ton über der Landschaft, und pl"tzlich fielen Flocken, erst vereinzelte, dann dicht und reichlich. Den Weg bis Globsow fortzusetzen, daran war unter diesen Umständen gar nicht mehr zu denken, und so brach man denn auf, um ins Schloß zurückzukehren. Auch auf einen Besuch in der Kirche, weil es da zu kalt sei, wurde verzichtet. Neunundzwanzigstes Kapitel Der  Heimweg  war  gemeinschaftlich  angetreten  worden,  aber  doch  nur  bis  an  die  Dorfstraße. Hier teilte man sich in drei Gruppen, eine jede mit verschiedenem Ziel: Dubslav, Tante Adelheid und Armgard gingen auf das Herrenhaus, Uncke und Rolf Krake auf das Schulzenamt, Woldemar und Melusine dagegen auf die Pfarre zu. Woldemar freilich nur bis an den Vorgarten, wo er sich von Melusine verabschiedete. Lorenzen, solang er Woldemar und Melusine sich  seiner Pfarre nähern sah, hatte verlegen am Fenster gestanden, kam aber, als das Paar sich draußen trennte, so ziemlich wieder zu sich. Er war nun  schon  so  lange  jeder  Damenunterhaltung  entw"hnt,  daß  ihm  ein  Besuch  wie  der  der  Gräfin zunächst nur Verlegenheit schaffen konnte; wenn’s denn aber durcha us sein mußte, so war ihm ein Tête-à-tête mit ihr immer noch lieber als eine Plauderei zu dritt. Er ging ihr denn auch bis in  den Flur entgegen, war ihr hier beim Ablegen behilflich und sprach ihr – weil er jede Scheu rasch von sich  abfallen  fühlte  –  ganz  aufrichtig  seine  Freude  aus,  sie  in  seiner  Pfarre  begrüßen  zu  dürfen. "Und nun bitt’ ich Sie, Frau Gräfin, sich’s unter meinen Büchern hier nach M"glichkeit bequem machen  zu  wollen.  Ich  bin  zwar  auch  Inhaber  einer  Putzstube,  mit  einem  dezenten  Teppich  und einem   kalten   Ofen;   aber   ich   k"nnte   das   gesundheitlich   nicht   verantworten.   Hier   haben   wir wenigstens eine gute Temperatur." "Die immer die Hauptsache bleibt. Ach, eine gute Temperatur! Gesellschaftlich ist sie beinah alles  und  dabei  leider  doch  so  selten.  Ich  kenne  Häuser,  wo,  wenn  Sie  den  Widersinn  verzeihen wollen, der kalte Ofen gar nicht ausgeht. Aber erlassen Sie mir gütigst den Sofaplatz hier; ich fühle mich dazu noch nicht ›alte Dame‹ genug und m"cht’ auch gern en vue der beiden Bilder bleiben, trotzdem ich das eine davon schon so gut wie kenne." "Die Kreuzabnahme?" "Nein! das andre." 137
  
Effi Briest. Roman. (Taschenbuch)
von Theodor Fontane
Siehe auch:
Theodor Fontane: Effi Briest. Lektüreschlüssel
von Theodor Pelster
Woyzeck. Studienausgabe
von Georg Büchner
Effi Briest. Inhalt - Hintergrund - Interpretation (Lernmaterialien)
von Alexander Geist
Interpretationshilfe Deutsch: Effi Briest. Interpretationshilfe Deutsch. (Lernmaterialien)
von Gabrielle Steinbach
 
    
     
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