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Der Stechlin

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"Und  all  das,  was  ich  da  so  hergezählt,  umfaßte  zeitlich  ein  Jahrhundert.  Da  waren  wir  den andern voraus, mitunter geistig und moralisch gewiß. Aber der ›Non soli cedo-Adler‹ mit seinem Blitzbündel  in  den  Fängen,  er  blitzt  nicht  mehr,  und  die  Begeisterung  ist  tot.  Eine  rückläufige Bewegung ist da, längst Abgestorbenes, ich muß es wiederholen, soll neu erblühn. Es tut es nicht. In   gewissem   Sinne   freilich   kehrt   alles   einmal   wieder,   aber   bei   dieser   Wiederkehr   werden Jahrtausende übersprungen; wir k"nnen die r"mischen Kaiserzeiten, Gutes und Schlechtes, wieder haben, aber nicht das spanische Rohr aus dem Tabakskollegium und nicht einmal den Krückstock von Sanssouci. Damit ist es vorbei. Und gut, daß es so ist. Was einmal Fortschritt war, ist längst Rückschritt   geworden.   Aus   der   modernen   Geschichte,   der   eigentlichen,   der   lesenswerten, verschwinden die Bataillen und die Bataillone (trotzdem sie sich beständig vermehren), und wenn sie nicht selbst verschwinden, so schwindet doch das Interesse daran. Und mit dem Interesse das Prestige. An ihre Stelle treten Erfinder und Entdecker, und James Watt und Siemens bedeuten uns mehr als du Guesclin und Bayard. Das Heldische hat nicht direkt abgewirtschaftet und wird noch lange nicht abgewirtschaftet haben, aber sein Kurs hat nun mal seine besondere H"he verloren, und anstatt  sich  in  diese  Tatsache  zu  finden,  versucht  es  unser  Regime,  dem  Niedersteigenden  eine künstliche Hausse zu geben." "Es ist, wie Sie sagen. Aber gegen wen richtet sich’s? Sie sprachen von ›Regime‹. Wer ist dies Regime?   Mensch   oder   Ding?   Ist   es   die   von   alter   Zeit   her   übernommene   Maschine,   deren Räderwerk tot weiterklappert, oder ist es der, der an der Maschine steht? Oder endlich, ist es eine bestimmte  abgegrenzte  Vielheit,  die  die  Hand  des  Mannes  an  der  Maschine  zu  bestimmen,  zu richten trachtet? In allem, was Sie sagen, klingt eine sich auflehnende Stimme. Sind Sie gegen den Adel ? Stehen Sie gegen die ›alten Familien‹?" "Zunächst:  nein.  Ich  liebe,  hab’  auch  Ursach’  dazu,  die  alten  Familien  und  m"chte  beinah glauben,  jeder  liebt  sie.  Die  alten  Familien  sind  immer  noch  populär,  auch  heute  noch.  Aber  sie vertun und verschütten diese Sympathien, die doch  jeder braucht, jeder Mensch und jeder Stand. Unsre alten Familien kranken durchgängig an der Vorstellung, ›daß es ohne sie nicht gehe‹, was aber weit gefehlt ist, denn es geht sicher auch  ohne sie; – sie sind nicht mehr die Säule, die das Ganze trägt; sie sind das alte Stein- und Moosdach, das wohl noch lastet und drückt, aber gegen Unwetter  nicht  mehr  schützen  kann.  Wohl  m"glich,  daß  aristokratische  Tage  mal  wiederkehren, vorläufig,  wohin  wir  sehen,  stehen  wir  im  Zeichen  einer  demokratischen  Weltanschauung.  Eine neue  Zeit  bricht  an.  Ich  glaube,  eine  bessere  und  eine  glücklichere.  Aber  wenn  auch  nicht  eine glücklichere, so doch mindestens eine Zeit mit mehr Sauerstoff in der Luft, eine Zeit, in der wir besser  atmen  k"nnen.  Und  je  freier  man  atmet,  je  mehr  lebt  man.  Was  aber  Woldemar  angeht, meiner  sind  Sie  sicher,  Frau  Gräfin.  Bleibt  freilich,  als  Hauptfaktor,  noch  die  Komtesse.  Für  die müssen Sie die Bürgschaft übernehmen. Die Frauen bestimmen schließlich doch alles." "So heißt es immer. Und wir sind eitel genug, es zu glauben. Aber das führt uns auf ganz neue Gebiete.  Vorläufig  Ihre  Hand  zur  Besieglung.  Und  nun  erlauben  Sie  mir,  nach  diesem  unserm revolutionären Diskurse, zu den Hütten friedlicher Menschen zurü ckzukehren. Ich habe mich bei dem alten Herrn nur auf eine halbe Stunde beurlaubt und rechne darauf, daß Sie mich, wenn nicht bis ins ›Museum‹ selbst (das dem Programm nach besucht werden sollte), so doch wenigstens bis auf die Schloßrampe begleiten." Dreißigstes Kapitel Lorenzen  tat,  wie  gewünscht,  und  auf  dem  Wege  zum  Schloß  plauderten  beide  weiter,  wenn auch über sehr andere Dinge. 140
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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