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Der Stechlin

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"Was ist es eigentlich mit diesem ›Museum‹?" fragte Melusine; "kann ich mir doch kaum was Rechtes darunter vorstellen. Eine alte Papptafel mit Inschrift hängt da schräg über der Saaltür, alles dicht neben meinem Schlafzimmer, und ich habe mich etwas davor geängstigt." "Sehr mit Unrecht, gnädigste Gräfin. Die primitive Papptafel, die freilich verwunderlich genug aussieht, sollte wohl nur andeuten, daß es sich bei der ganzen Sache mehr um einen Scherz als um etwas Ernsthaftes handelt. Etwa wie bei Sammlung von Meerschaumpfeifen und Tabaksdosen. Und Sie werden auch vorwiegend solchen Seltsamkeiten begegnen. Anderseits aber ist es auch wieder ein richtiges historisches Museum, trotzdem es nur halb das geworden ist, worauf Herr von Stechlin anfänglich aus war." "Und das war?" "Das war mehr etwas Groteskes. Es m"gen nun wohl schon zwanzig Jahre sein, da las er eines Tages in der Zeitung von einem Engländer, der historische Türen sammle und neuerdings sogar für eine enorme Summe, ich glaube, es waren tausend Pfund, die Gefängnistür erstanden habe, durch die Ludwig XVI. und dann später Danton und Robespierre zur Guillotinierung abgeführt worden seien.   Und   diese   Notiz   machte   solchen   Eindruck   auf   unsern   liebenswürdigen   Stechliner Schloßherrn, daß er auch solche historische Türensammlung anzulegen beschloß. Er ist aber nicht weit  damit  gekommen  und  hat  sich  mit  dem  Küstriner  Schloßfenster  begnügen  müssen,  an  dem Kronprinz  Friedrich  stand,  als  Katte  zur  Enthauptung  vorübergeführt  wurde.  Doch  auch  das  ist unsicher, ja, die meisten wollen nichts davon wissen. Nur Krippenstapel hält noch daran f est." "Krippenstapel?" "Ja. Der Name frappiert Sie. Das ist nämlich unser Lehrer hier, Liebling des alten Herrn und sein Berater  in  derlei  Dingen.  Der  hat  ihm  denn  auch  das  gegenwärtige  ›Museum‹,  das  man  als Abschlagszahlung   auf   die   ›historischen   Türen‹   ansehen   kann,   zusammengestellt.   Außer   dem angezweifelten Fenster werden Frau Gräfin noch ein paar phantastische Regentraufen finden und vor  allem  viele  Wetterhähne,  die  von  alten  märkischen  Kirchtürmen  herabgenommen  wurden. Einige  sollen  ganz  interessant  sein.  Ich  habe  keinen  Sinn  dafür.  Aber  Krippenstapel  hat  einen Katalog angefertigt." Unter diesen Worten waren beide bis an die Rampe gekommen, auf der Engelke schon stand und auf die Gräfin wartete. Lorenzen empfahl sich. Aber auch Melusine wollte nicht gleich ins Museum hinauf, zog es vielmehr vor, erst unten in das große Gesellschaftszimmer einzutreten und sich da zu wärmen. Engelke machte sich auch sofort am Kamin zu schaffen, was der Gräfin gut paßte, weil sie noch manches fragen wollte. "Das ist recht, Engelke, daß Sie Kohlen aufschütten und auch Kienäpfel. Ich freue mich immer, wenn es so lustig brennt. Und oben im ›Museum‹ wird es wohl noch kalt sein." "Ja, kalt ist es, Frau Gräfin. Aber mit der Kälte, na, das ging’ am Ende noch, und der viele Staub, der oben liegt, das ginge vielleicht auch noch; Staub wärmt. Und die Dachtraufen und Wetterhähne tun auch keinem Menschen was ..." "Aber was ist denn sonst noch?" "Ach, ich meine bloß die verdammten Dinger, die Spinnen ..." "Um Gottes willen, Spinnen?" erschrak Melusine. "Ja, Spinnen, Frau Gräfin. Aber so ganz schlimme sind nich dabei. Solche mit’m Kreuz oben hab’ ich bei uns noch nicht gesehn. Bloß solche, die ›Schneider ‹ heißen." "Ach, das sind die, die die langen Beine haben." "Ja,  lange  Beine  haben  sie.  Aber  sie  tun  einem  nichts.  Und  eigentlich  sind  es  sehr  ängstliche Tiere und verkriechen sich, wenn sie h"ren, daß aufgeschlossen wird, und bloß wenn Krippenstapel kommt, dann kommen sie alle raus un kucken sich um. Krippenstapeln, den kennen sie ganz gut, und ich hab’ auch mal gesehn, daß er ihnen Fliegen mitbringt, und machen sich dann gleich drüber her." "Aber das ist ja grausam. Ist es denn ein guter Mensch?" "Oh, sehr gut, Frau Gräfin. Und als ich ihm mal so was sagte, sagte er: ›Ja, Engelke, das is nu mal so; einer frißt den andern auf.‹" 141
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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