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Der Stechlin

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Das Gespräch setzte sich noch eine Weile fort; dann sagte Melusine: "Nun, Engelke, ist es aber wohl die h"chste Zeit für das Museum, sonst komm’ ich zu spät und seh’ und h"re gar nichts mehr. Ich bin nun auch wieder warm geworden." Dabei erhob sie sich und stieg die Doppeltreppe hinauf und klopfte. Sie wollte nicht gleich eintreten. Auf ihr Klopfen wurde sehr bald von innen her ge"ffnet, und Krippenstapel, mit der Hornbrille, stand vor ihr. Er verbeugte sich und trat zurück, um den Platz freizugeben. Aber Melusine, deren Angst  vor  ihm  wiederkehrte,  zauderte,  was  eine  momentane  Verlegenheit  schuf.  Inzwischen  war aber  auch  Dubslav  herangekommen.  "Ich  fürchtete  schon,  daß  Lorenzen  Sie  nicht  herausgeben würde. Seine Gelegenheiten, hier in Stechlin ein Gespräch zu führen, sind nicht groß, und nun gar ein Gespräch mit Gräfin Melusine! Nun, er hat es gnädig gemacht. Jetzt aber, Gräfin, halten Sie gefälligst Umschau; vielleicht daß Lorenzen schon geplaudert hat oder gar Engelke. " "So    ganz    im    Dunkeln    bin    ich    nicht    mehr;    ein    Küstriner    Schloßfenster,    ein    paar Kirchendachreliquien und dazu Wetterhähne – lauter Gegenstände (denn ich bin auch ein bißch en fürs Aparte), zu deren Auswahl ich Ihnen gratuliere." "Wofür ich der Frau Gräfin dankbar bin, ohne sonderlich überrascht zu sein. Ich wußte, Damen wie  Gräfin  Ghiberti  haben  Sinn  für  derlei  Dinge.  Darf  ich  Ihnen  übrigens  zunächst  hier  diesen Lebuser Bischof zeigen und hier weiter einen Heiligen oder vielleicht Anachoreten? Beide, Bischof und Anachoret, sind sehr unähnlich untereinander, schon in bezug auf Leibesumfang – der richtige Gegensatz  von  Refektorium  und  Wüste.  Wenn  ich  den  Heiligen  hier  so  sehe,  taxier’  ich  ihn h"chstens  auf  eine  Dattel  täglich.  Und  nun  denk’  ich,  wir  fahren  in  unsrer  Besichtigung  fort. Krippenstapel war nämlich eben dabei, der Komtesse Armgard unsern Derfflingerschen Dragoner mit der kleinen Standarte und der Jahreszahl 1675 zu zeigen. Bitte, Gräfin Melusine, bemerken Sie hier die Zahl, dicht unter dem brandenburgischen Adler. Es wirkt, wie wenn er die Nachricht vom Siege bei Fehrbellin überbringen wolle. Daß es ein Dragoner ist, ist klar; der Filzhut mit der breiten Krempe hebt jeden Zweifel, und ich hab’ es für mein gutes Recht gehalten, ihn auch speziell als Derfflingerschen Dragoner festzusetzen. Aber mein Freund Krippenstapel will davon nichts wissen, und wir liegen darüber seit Jahr und Tag in einer ernsten Fehde. Glücklicherweise unsre einzige. Nicht wahr, Krippenstapel?" Dieser lächelte und verbeugte sich. "Die  beiden  Damen",  fuhr  Dubslav  fort,  "m"gen  aber  nicht  etwa  glauben,  daß  ich  mich  für berechtigt  halte,  die  freie  Wissenschaft  hier  in  meinem  Museum  in  Banden  zu  schlagen.  Grad umgekehrt.  Ich  kann  also  nur  wiederholen:  ›Krippenstapel,  Sie  haben  das   Wort.‹  Und  nun  bitte, setzen     Sie     den     Damen     Ihrerseits     auseinander,     warum     es     nach     ganz     bestimmten Begleiterscheinungen ein Derfflingerscher nicht sein kann. Bilderbücher aus der Zeit her hat man nicht, und die großen Gobelins lassen einen im Stich und beweisen gar nichts." Unter diesen Worten hatte Krippenstapel die den Gegenstand des Streits bildende Wetterfahne wieder in die Hand genommen, und als er sah, daß die Gräfin – die, wie das in ihrer Natur  lag, den vor zehn Minuten noch so gefürchteten "Fliegent"ter" längst in ihr Herz geschlossen hatte – ihm freundlich zunickte, ließ er auf Geltendmachung seines Standpunktes auch nicht lange mehr warten und sagte: "Ja Frau Gräfin, der Streit schwebt nun schon so lange, wie wir den Dragoner überhaupt haben, und Herr von Stechlin wäre wohl schon längst  in das gegnerische Lager, in dem ich und Oberlehrer Tucheband stehn, übergegangen, wenn er nicht an meiner wissenschaftlichen Ereiferung seine  beständige  Freude  hätte.  Tucheband,  einer  unsrer  Besten  und  ein  Mann,  der  nicht  leicht vorbeischießt,  hat  auch  in  dieser  Frage  gleich  das  Richtige  getroffen.  Er  hat  nämlich  den  Ort  in Erwägung  gezogen,  von  wo  diese  Wetterfahne  stammt.  Sie  stammt  aus  dem  wenigstens  damals noch der alten Familie von M"rner zugeh"rigen Dorfe Zellin in der Neumark. Das Regiment aber, das sich bei Fehrbellin vor allen andern auszeichnete, war das Dragonerr egiment M"rner. Es ist also kein Derfflingerscher, sondern ein M"rnerscher Dragoner, der, in flie gender Eile, die Nachricht von dem erfochtenen Siege nach Zellin bringt." "Bravo", sagte Melusine. "Wenn ich je eine richtige Schlußfolgerung geh"rt habe (die meisten sind  Blender),  so  haben  wir  sie  hier.  Herr  von  Stechlin,  ich  kann  Ihnen  nicht  helfen,  Sie  sind besiegt." 142
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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