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Der Stechlin

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Dubslav  war  einverstanden  und  küßte  Melusine  die  Hand,  ohne  sich  um  die  mißbilligenden Blicke  seiner  Schwester  zu  kümmern,  die  jetzt  ihrerseits  auf  endliche  Vorführung  der  "beiden Mühlen"  drang,  ihrer  zwei  Lieblingsstücke.  Diese  beiden  Mühlen,  so  versicherte  sie,  seien  das einzige, was hier überhaupt einen Anspruch auf "Museum" erheben dürfe. Beinah war es wirklich so,  wie  selbst  Krippenstapel  zugab,  trotzdem  sich,  bis  wenigstens  ganz  vor  kurzem,  nichts  von historischer Kontroverse (die doch schließlich immer die Hauptsache bleibt) daran geknüpft hatte. Neuerdings  freilich  hatte  sich  das  geändert.  Zwei  Berliner  Herren  vom  Gewerbemuseum  waren über die Mühlen in Streit geraten, speziell über ihren Ursprungsort. Zwar hatte man sich vorläufig dahin  geeinigt,  daß  die  Wassermühle  holländisch,  die  Windmühle  dagegen  (eine  richtige  alte Bockmühle) eine Nürnberger Arbeit sei; Krippenstapel aber hatte bei diesem Friedensschlusse nur gelächelt.  Er  war  viel  zu  sehr  ernster  Wissenschaftsmensch,  als  daß  er  nicht  hätte  herausfühlen sollen, wie diese sogenannte "Beilegung" nichts als eine Verkleisterung war. Der Ausbruch neuer Streitigkeiten stand nahe bevor. Die   waren   aber   zunächst   wenigstens   ausgeschlossen,   da   beide   Schwestern,   Armgard   wie Melusine,  wie  Kinder  vor  einem  Lieblingsspielzeug,  in  einem  ganz  ausbündigen  Vergnügen aufgingen. Die Windmühle klapperte, daß es eine Lust war, und das Rad der Wassermühle, wenn es grad  in  der  Sonne  blitzte,  gab  einen  solchen  Silberschein,  daß  es  aussah,  als  fiele  das  blinkende Wasser  wirklich  über  die  Schaufelbretter.  All  das  wurde  gesehn  und  bewundert,  und  was  nicht gesehn wurde, nahm man auf Treu und Glauben mit in den Kauf. Von den Spinnen kam keine zum Vorschein; nur hier und da hingen lange graue Gewebe, was jedoch nur feierlich aussah, und als Mittag  heran  war,  verließ  man  das  "Museum",  um  sich  erst  eine  Stunde  zu  ruhn  und  dann  bei Tische wiederzusehn. Die Gräfin aber, ehe sie den großen, wüsten Raum verließ, trat noch einmal an Krippenstapel heran, um ihn, unter gewinnendstem Lächeln, zu bitten, ihr, sobald ein ernsterer Streit    über    die    beiden    Mühlen    entbrennen    sollte,    die    betreffenden    Schriftstücke    nicht vorzuenthalten. Krippenstapel versprach alles. Auf drei war das Mittagsmahl angesetzt. Schon eine Viertelstunde vorher erschien Lorenzen und traf  den  alten  Dubslav  in  einer  gewissen  stattlichen  Herrichtung  an  oder,  wie  er  sich  selbst  zu Engelke geäußert hatte, "ganz feudal". "Ach, das ist gut, Lorenzen, daß Sie schon kommen. Ich habe noch allerhand auf dem Herzen. Es muß doch was geschehn, eine richtige Begrüßung (denn das gestern abend war zu wenig) oder aber ein solennes Abschiedswort, kurzum irgendwas, das in das Gebiet der Toaste geh"rt. Und da müssen Sie helfen. Sie sind ein Mann von Fach, und wer jeden Sonntag predigen kann, kann doch schließlich auch ‘ne Tischrede halten." "Ja,  das  sagen  Sie  so,  Herr  von  Stechlin.  Mitunter  ist  eine  Tischrede  leicht  und  eine  Predigt schwer, aber es kann auch umgekehrt liegen. Außerdem, wenn Sie sich nur erst mit dem Gedanken vertraut gemacht haben, daß es so sein muß, dann geht es auch. Sie werden sehn, das Herz, wie immer, macht den Redner. Und dazu diese Damen, beide von so seltener Liebenswürdigkeit. Was die Gräfin angeht ..." "Ja", lachte der Alte, "was die Gräfin angeht ... Sie machen sich’s bequem, Pastor. Die Gräfin – wenn sich’s um die handelte, da k"nnt’ ich’s vielleicht auch. Aber die Komtesse, die hat so was Ernstes. Und dann ist sie zum übrigen auch noch meine Schwiegertochter oder soll es wenigstens werden, und da muß ich doch sprechen wie ‘ne Respektsperson. Und das ist schwer, vielleicht, weil sich in meiner Vorstellung die Gräfin immer vor die Komtesse schiebt." Dubslav sprach noch so weiter. Aber es half ihm nichts; Lorenzen war in seinem Widerstande nicht zu besiegen, und so kam denn die Tisch- und endlich auch die gefürchtete Redezeit heran. Der Alte  hatte  sich  schließlich  drin  gefunden.  "Meine  lieben  Gäste",  hob  er  an,  "geliebte  Braut, hochverehrte  Brautschwester!  Ein  andres  Wort,  um  meine  Beziehungen  zu  Gräfin  Melusine  zu bezeichnen,  hat  vorläufig  die  deutsche  Sprache  nicht,  was  ich  bedaure.  Denn  das  Wort  sagt  mir lange nicht genug. Wenige Stunden erst ist es, daß ich Sie, meine Damen, an dieser Stelle begrüßen durfte,  noch  kein  voller  Tag,  und  schon  ist  der  Abschied  da.  Währenddem  hab’  ich  kein  ›Du‹ beantragt, aber es liegt doch in der Luft, mehr noch auf meiner Lippe ... Teuerste Armgard! dies alte 143
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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