| |
auszudrücken, daß er die Siebenmühlner nicht habe mit heranziehn k"nnen. "Engelke sei so sehr dagegen gewesen." All dies Bedauern wies der ganzen Sachlage nach nicht anders sein konnte kam flau genug heraus, aber die Domina war so hochgradig verstimmt, daß ihr selbst so nüchterne, das Verbindliche nur ganz leise, nur ganz obenhin streifende Worte schon zuwider waren. "Ach, laß doch diese geborne Helfrich", sagte sie, "diese Tochter von dem alten Hauptmann, der die Schlacht bei Leipzig gewonnen haben soll. So wenigstens erzählt sie beständig. Eine schreckliche Frau, die gar nicht in unsre Gesellschaft paßt. Und dabei so laut. Ich kann es nicht leiden, wenn wir so mit Gewalt nach oben blicken sollen, aber diese Helfrich, das muß ich sagen, ist denn doch auch nicht mein Geschmack. Ich halte das Untersichbleiben für das einzig Richtige. Bescheidene Verhältnisse, aber bestimmt gezogene Grenzen." Lorenzen hütete sich zu widersprechen, versuchte vielmehr umgekehrt, durch ein halbes Eingehn auf Adelheid und ihren Ton, eine bessere Laune wieder herzustellen. Als er aber sah, daß er damit scheiterte, brach er auf. Und nun waren die beiden alten Geschwister allein. Dubslav ging im Zimmer unruhig auf und ab und trat nur dann und wann an den Tisch heran, auf dem noch vom Kaffee her die Lik"rflaschen standen. Er wollte was sagen, traute sichs aber nicht recht, und erst als er zu zwei Curaçaos auch noch einen Benediktiner hinzugefügt hatte, wandte er sich an die Schwester, die, schweigsam wie er selbst, ihre kleine goldene Kette hin und her zog. "Ja", sagte er, "jetzt sind sie nun wohl schon in Woltersdorf." "Ich vermute drüber raus. Woldemar wird die Pferde natürlich ausholen lassen. Es sind, glaub ich, Damen, die nicht gerne langsam fahren." "Du sagst das so, Adelheid, als ob dus tadeln wolltest, überhaupt als ob dir die Damen nicht sonderlich gefallen hätten. Das sollte mir leid tun. Ich bin sehr glücklich über die Partie. Gewiß, sowohl die Gräfin wie die Komtesse sind verw"hnt; das merkt man. Aber ich m"chte sagen, je verw"hnter sie sind ..." "Desto besser gefallen sie dir. Das sieht dir ähnlich. Ich liebe mehr unsre Leute. Beide sind doch beinah wie Fremde." "Nun, das ist nicht schlimm." "Doch. Mir widersteht das Fremde. Laß dir erzählen. Da war ich vorigen Sommer mit der Schmargendorf in Berlin und ging zu Josty, weil die Schmargendorf, die so was liebt, gern eine Tasse Schokolade trinken wollte." "Du hoffentlich auch." "Allerdings. Ich auch. Aber ich kam nicht recht dazu, nippte bloß, weil ich mich über die Maßen ärgern mußte. Denn an dem Tische neben mir saß ein Herr und eine Dame, wenn es überhaupt eine Dame war. Aber Engländer waren es. Er steckte ganz in Flanell und hatte die Beinkleider umgekrempelt, und die Dame trug einen Rock und eine Bluse und einen Matrosenhut. Und der Herr hatte ein Windspiel, das immer zitterte, trotzdem fünfundzwanzig Grad Wärme waren." "Ja, warum nicht?" "Und zwischen ihnen stand eine Tablette mit Wasser und Kognak, und die Dame hielt außerdem noch eine Zigarette zwischen den Fingern und sah in die Ringelw"lkchen hinein, die sie blies." "Charmant. Das muß ja reizend ausgesehn haben." "Und ich verwette mich, diese Melusine raucht auch." "Ja, warum soll sie nicht? Du schlachtest Gänse. Warum soll Melusine nicht rauchen?" "Weil Rauchen männlich ist." "Und Schlachten weiblich ... Ach, Adelheid, wir k"nnen uns über so was nicht einigen. Ich gelte schon für leidlich altmodisch, aber du, du bist ja geradezu petrefakt." "Ich verstehe das Wort nicht und wünsche nur, daß es etwas ist, dessen du dich nicht zu schämen hast. Es klingt sonderbar genug. Aber ich weiß, du liebst dergleichen und liebst gewiß auch (und hast so deine Vorstellungen dabei) den Namen Melusine." "Kann ich beinah sagen." "Ich dacht es mir." 145 |  |
|
| |
|
|