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Der Stechlin

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"Und der Alte? Der wenigstens wird doch vor deiner Kritik bestehn." "Oh, der; der ist hors concours und geht noch über Woldemar hinaus. Was meinst du, wenn ich den Alten heiratete?" "Sprich nicht so, Melusine. Ich weiß ja recht gut, wie das alles von dir gemeint ist, Übermut und wieder Übermut. Aber er ist doch am Ende noch nicht so steinalt. Und du, so lieb ich dich habe, du bist schließlich imstande, dich in solche Kompliziertheiten von Schwiegervater und Schwager, alles in einem und wom"glich noch allerhand dazu, zu verlieben." "Jedenfalls mehr als in den, der diese Kompliziertheiten darstellt oder gar erst schaffen soll ... Also sei ruhig, freundlich Element." Dreiunddreißigstes Kapitel Das  war  in  den  letzten  Dezembertagen;  auf  Ende  Februar  hatte  man  die  Hochzeit  des  jungen Paares  festgesetzt.  In  der  Zwischenzeit  war  seitens  des  alten  Grafen  erwogen  worden,  ob  die Trauung nicht doch vielleicht auf einem der Barbyschen Elbgüter stattfinden solle; die Braut selbst aber war dagegen gewesen und hatte mit einer ihr sonst nicht eignen Lebhaftigkeit versichert: sie hänge  an  der  Armee,  weshalb  sie  –  ganz  abgesehn  von  ihrem  teuren  Frommel  –  die  Berliner Garnisonkirche weit vorziehe. Daß diese, nach Ansicht vieler, bloß ein großer Schuppen sei, habe für  sie  gar  keine  Bedeutung;  was  ihr  an  der  Garnisonkirche  so  viel  gelte,  das  seien  die  großen Erinnerungen und ein Gotteshaus, drin die Schwerins und die Zietens ständen (und wenn sie nicht drin ständen, so doch andre, die kaum schlechter wären) – eine historisch so bevorzugte Stelle wäre ihr an ihrem Trautage viel lieber als ihre Familienkirche, trotz der Särge so vieler Barbys unterm Altar.  Woldemar  war  sehr  glücklich  darüber,  seine  Braut  so  preußisch-militärisch  zu  finden,  die denn auch, als einmal die Zukunft und mit ihr die Frage nach "Verbleib oder Nichtverbleib" in der Armee   durchgesprochen   wurde,   lachend   erwidert   hatte:   "Nein,   Woldemar,   nicht   jetzt   schon Abschied; ich bin sehr für Freiheit, aber doch beinah mehr noch für Major." Auf  drei  Uhr  war  die  Trauung  festgesetzt.  Schon  eine  halbe  Stunde  vorher  erschien  der Brautwagen und hielt vor dem Schickedanzschen Hause, dessen Flur auszuschmücken sich die Frau Versicherungssekretärin  nicht  hatte  nehmen  lassen.  Von  der  Treppe  bis  auf  das  Trottoir  hinaus waren zu beiden Seiten Blumenestraden aufgestellt, auf denen die Lieblinge der Frau Schickedanz in einer Sch"nheit und Fülle standen, als ob es sich um eine Maiblumenausstellung gehandelt hätte. Hinter den verschiedenen Estraden aber hatten alle Hausbewohner Aufstellung genommen, Lizzi, Frau Imme und sämtliche Hartwigs und natürlich auch Hedwig, die, nach ganz kurzem Dienst im Kommerzienrat Seligmannschen Hause, vor etwa acht Tagen ihre Stelle wieder aufgegeben hatte. "Gott, Hedwig, war es denn wieder so was?" "Nein, Frau Imme, diesmal war es mehr." Frommel  traute.  Die  Kirche  war  dicht  besetzt,  auch  von  bloß  Neugierigen,  die  sich,  ehe  die große  Orgel  einsetzte,  die  merkwürdigsten  Dinge  mitzuteilen  hatten.  Die  Barbys  seien  eigentlich Italiener  aus  der  Gegend  von  Neapel,  und  der  alte  Graf,  was  man  ihm  auch  noch  ansehe,  sei  in seinen jungen Jahren unter den Carbonaris gewesen; aber mit einem Male hab’ er geschwenkt und sei zum Verräter an seiner heiligen Sache geworden. Und weil in solchem Falle jedesmal einer zur Vollstreckung der Gerechtigkeit ausgelost würde (was der Graf auch recht gut gewußt habe), hab’ er vorsichtigerweise seine sch"ne Heimat verlassen und sei nach Berlin gekommen und sogar an den Hof. Und Friedrich Wilhelm IV., der ihn sehr gern gemocht, hab’ auch immer italienisch mit ihm gesprochen. Das Hochzeitsmahl fand im Barbyschen Hause statt, notgedrungen en petit comité, da das große Mittelzimmer, auch bei geschicktester Anordnung, immer nur etwa zwanzig Personen aufnehmen 149
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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