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Der Stechlin

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und zugleich so Mutige, der seine Ziele so weit steckte, sich in die Enge des Daseins zurücksehnen wird. Er besitzt, wenn ich recht berichtet bin, ein kleines Bauerngut irgendwo in Franken, und wohl m"glich,  ja,  mir  pers"nlich  geradezu  wahrscheinlich,  daß  ihm  an  jener  stillen  Stelle  früher  oder später  ein  echteres  Glück  erblüht,  als  er  es  jetzt  hat.  Es  heißt  wohl,  ›Gehet  hin  und  lehret  alle Heiden‹, aber sch"ner ist es doch, wenn die Welt, uns suchend, an uns herankommt. Und die Welt kommt schon, wenn die richtige Pers"nlichkeit sich ihr auftut. Da ist dieser W"rishofener Pfarrer – er sucht nicht die Menschen, die Menschen suchen ihn. Und wenn sie kommen, so heilt er sie, heilt sie mit dem Einfachsten und Natürlichsten. Übertragen Sie das vom Äußern aufs Innere, so haben Sie mein Ideal. Einen Brunnen graben just an der Stelle, wo man gerade steht. Innere Mission in nächster Nähe, sei’s mit dem Alten, sei’s mit etwas Neuem." "Also mit dem Neuen", sagte Woldemar und reichte seinem alten Lehrer die Hand. Aber dieser antwortete: "Nicht so ganz unbedingt mit dem Neuen. Lieber mit dem Alten, soweit es irgend geht, und mit dem Neuen nur, soweit es muß." Das Mahl war inzwischen vorgeschritten und bei  einem Gange angelangt, der eine Spezialität von     Schloß     Stechlin     war     und     jedesmal     die     Bewunderung     seiner     Gäste:     losgel"ste Krammetsv"gelbrüste,   mit   einer   dunkeln   Kraftbrühe   angerichtet,   die,   wenn   die   Herbst-   und Ebereschentage  da  waren,  als  eine  h"here  Form  von  Schwarzsauer  auf  den  Tisch  zu  kommen pflegten. Engelke präsentierte Burgunder dazu, der schon lange lag, noch aus alten, besseren Tagen her,  und  als  jeder  davon  genommen,  erhob  sich  Dubslav,  um  erst  kurz  seine  lieben  Gäste  zu begrüßen, dann aber die Damen leben zu lassen. Er müsse bei diesem Plural bleiben, trotzdem die Damenwelt nur in einer Einheit vertreten sei; doch er gedenke dabei neben seiner lieben Freundin und  Tischnachbarin  (er  küßte  dieser  huldigend  die  Hand)  zugleich  auch  der  "Gemahlin"  seines Freundes  Katzler,  die  leider  –  wenn  auch  vom  Familienstandpunkt  aus  in  hocherfreulichster Veranlassung  –  am  Erscheinen  in  ihrer  Mitte  verhindert  sei:  "Meine  Herren,  Frau  Oberf" rster Katzler" – er machte hier eine kleine Pause, wie wenn er eine h"here Titulatur ganz ernsthaft in Erwägung gezogen hätte –, "Frau Oberf"rster Katzler und Frau von Gundermann, sie leben hoch!" Rex, Czako, Katzler erhoben sich, um mit Frau von Gundermann anzustoßen; als aber jeder von ihnen   auf   seinen   Platz   zurückgekehrt   war,   nahmen   sie   die   durch   den   Toast   unterbrochenen Privatgespräche   wieder   auf,   wobei   Dubslav   als   guter   Wirt   sich   darauf   beschränkte,   kurze Bemerkungen  nach  links  und  rechts  hin  einzustreuen.  Dies  war  indessen  nicht  immer  leicht,  am wenigsten leicht bei dem Geplauder, das  der Hauptmann und Frau von Gundermann führten und das so pausenlos verlief, daß ein Einhaken sich kaum erm"glichte. Czako war ein guter Sprecher, aber  er  verschwand  neben  seiner  Partnerin.  Ihres  Vaters  Laufbahn,  der  es   (ursprünglich  Schreib- und  Zeichenlehrer)  in  einer  langen,  schon  mit  anno  dreizehn  beginnenden  Dienstzeit  bis  zum Hauptmann in der "Plankammer" gebracht hatte, gab ihr in ihren Augen eine gewisse militärische Zugeh"rigkeit,   und   als   sie,   nach   mehrmaligem   Auslugen,   endlich   den   ihr   wohlbekannten Namenszug des Regiments Alexander auf Czakos Achselklappe erkannt hatte, sagte sie: "Gott ..., Alexander.  Nein,  ich  sage.  Mir  aber  war  doch  auch  gleich  so.  Münzstraße.  Wir  wohnten  ja Linienstraße,  Ecke  der  Weinmeister  –  das  heißt,  als  ich  meinen  Mann  kennenlernte.  Vorher draußen,  Sch"nhauser  Allee.  Wenn  man  so  wen  aus  seiner  Gegend  wieder  sieht!  Ich  bin  ganz glücklich, Herr Hauptmann. Ach, es ist zu traurig hier. Und wenn wir nicht den Herrn von Stechlin hätten,  so  hätten  wir  so  gut  wie  gar  nichts.  Mit  Katzlers",  abe r  dies  flüsterte  sie  nur  leise,  "mit Katzlers ist es nichts, die sind zu hoch raus. Da muß man sich denn klein machen. Und so toll ist es am Ende doch auch noch nicht. Jetzt passen sie ja noch leidlich. Aber abwa rten." "Sehr wahr, sehr wahr", sagte Czako, der, ohne was Sicheres zu verstehen, nur ein während des Dubslavschen Toastes schon gehabtes Gefühl bestätigt sah, daß e s mit den Katzlers was Besonderes auf sich haben müsse. Frau von Gundermann aber, den ihr unbequemen Flüsterton aufgebend, fuhr mit  wieder  lauter  werdender  Stimme  fort:  "Wir  haben  den  Herrn  von  Stechlin,  und  das  ist  ein Glück, und es ist auch bloß eine gute halbe Meile. Die meisten andern wohnen viel zu weit, und wenn sie auch näher wohnten, sie wollen alle nicht recht; die Leute hier, mit denen wir eigentlich Umgang haben müßten, sind so diffizil und legen alles auf die Goldwaage. Das heißt, vieles legen sie nicht auf die Goldwaage, dazu reicht es bei den meisten nicht aus; nur immer die Ahnen. Und 15
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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