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ein Russe, wenn nicht gar ein Rumäne. Die arme Armgard. Nun hat sie ihren Woldemar und hat ihn auch wieder nicht." "Wohl ihr." "Aber Gräfin ..." "Sie sind verwundert, liebe Baronin, mich das sagen zu h"ren. Und doch hats damit nur zu sehr seine Richtigkeit: gebranntes Kind scheut das Feuer." "Aber Gräfin ..." "Ich verheiratete mich, wie Sie wissen, in Florenz und fuhr an demselben Abende noch bis Venedig. Venedig ist in einem Punkte ganz wie Dresden: nämlich erste Station bei Vermählungen. Auch Ghiberti ich sage immer noch lieber Ghiberti als mein Mann: mein Mann ist überhaupt ein furchtbares Wort , auch Ghiberti also hatte sich für Venedig entschieden. Und so hatten wir denn den großen Apennintunnel zu passieren." "Weiß, weiß. Endlos." "Ja, endlos. Ach, liebe Baronin, wäre doch da wer mit uns gewesen, ein Sachse, ja selbst ein Rumäne. Wir waren aber allein. Und als ich aus dem Tunnel heraus war, wußt ich, welchem Elend ich entgegenlebte." "Liebste Melusine, wie beklag ich Sie; wirklich, teuerste Freundi n, und ganz aufrichtig. Aber so gleich ein Tunnel. Es ist doch auch wie ein Schicksal." Rex und Czako hatten sich unmittelbar nach Überreichung ihrer Buketts vom Bahnhof her in die K"niggrätzerstraße zurückgezogen, und hier angekommen, sagte Czako: "Wenn es Ihnen recht ist, Rex, so gehen wir bis in das Restaurant Bellevue." "Tasse Kaffee?" "Nein; ich m"chte gern was Ordentliches essen. Drei L"ffel Suppe, ne Forelle en miniature und ein Poulardenflügel das ist zu wenig für meine Verhältnisse. Rund heraus, ich habe Hunger." "Sie werden sich zu gut unterhalten haben." "Nein, auch das nicht. Unterhaltung sättigt außerdem, wenigstens Menschen, die, wie ich, wenn Sie auch drüber lachen, aufs Geistige gestellt sind. Ein bißchen mag ich übrigens an meinem elenden Zustande selbst schuld sein. Ich habe nämlich immer nur die Gräfin angesehn und begreife nach wie vor unsren Stechlin nicht. Nimmt da die Schwester! Er hatte doch am Ende die Wahl. Der kleine Finger der Gräfin (und ihr kleiner Zeh nun schon ganz gewiß ) ist mir lieber als die ganze Komtesse." "Czako, Sie werden wieder frivol." Vierunddreißigstes Kapitel Unter den Hochzeitsgästen hatte sich, wie schon kurz erwähnt, auch ein Doktor Pusch befunden, ein gewandter und durchaus weltmännisch wirkender Herr mit gepflegtem, aber schon angegrautem Backenbart. Er war vor etwa fünfundzwanzig Jahren an der Assessorecke gescheitert und hatte damals nicht Lust gehabt, sich ein zweites Mal in die Zwickmühle nehmen zu lassen. "Das Studium der Juristerei ist langweilig und die Karriere hinterher miserabel" so war er denn als Korrespondent für eine große rheinische Zeitung nach England gegan gen und hatte sich dort auf der deutschen Botschaft einzuführen gewußt. Das ging so durch Jahre. Ziemlich um dieselbe Zeit aber, wo der alte Graf seine Londoner Stellung aufgab, war auch Doktor Pusch wieder flügge geworden und hatte sich nach Amerika hinüber begeben. Er fand indessen das Freie dort freier, als ihm lieb war, und kehrte sehr bald, nachdem er es erst in New York, dann in Chikago versucht hatte, nach Europa zurück. Und zwar nach Deutschland. "Wo soll man am Ende leben?" Unter dieser Betrachtung nahm er schließlich in Berlin wieder seinen Wohnsitz. Er war ungeniert von Natur und 152 |  |
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