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Der Stechlin

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ein  klein  wenig  überheblich.  Als  wichtigstes  Ereignis  seiner  letzten  sieben  Jahre  galt  ihm  sein Übertritt vom Pilsener zum Weihenstephan. "Sehen Sie, meine Herren, vom Weihenstephan zum Pilsener, das kann jeder; aber das Umgekehrte, das ist was. Chinesen werden christlich, gut. Aber wenn ein Christ ein Chinese wird, das ist doch immer noch eine Sache von Belang." Pusch,  als  er  sich  in  Berlin  niederließ,  hatte  sich  auch  bei  den  Barbys  wieder  eingeführt; Melusine entsann sich seiner noch, und der alte Graf war froh, die zurückliegenden Zeiten wieder durchsprechen  und  von  Sandringham  und  Hatfieldhouse,  von  Chatsworth  und  Pembroke-Lodge plaudern zu k"nnen. Eigentlich paßte der etwas weitgehende Ungeniertheitston, in dem der Doktor seiner  Natur  wie  seiner  New  Yorker  Schulung  nach  zu  sprechen  liebte,  nicht  sonderlich  zu  den Gepflogenheiten des alten Grafen; aber es lag doch auch wieder ein gewisser Reiz darin, ein Reiz, der sich noch verdoppelte durch das, was Pusch aus aller Welt Enden mitzuteilen wußte. Brillanter Korrespondent,  der  er  war,  unterhielt  er  Beziehungen  zu  den  Ministerien  und,  was  fast  noch schwerer   ins   Gewicht   fiel,   auch   zu   den   Gesandtschaften.   Er   h"rte   das   Gras   wachsen.   Auf Titulaturen  ließ  er  sich  nicht  ein;  die  vielen  Telegramme  hatten  einen  gewissen  allgemeinen Telegrammstil in ihm gezeitigt, dessen er sich nur entschlug, wenn er ins Ausmalen kam. Es war im Zusammenhang damit, daß er gegen Worte wie: "Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat" einen f"rmlichen Haß unterhielt. Herzog von Ujest oder Herzog von Ratibor waren ihm, trotz ihrer Kürze, immer noch zu lang, und so warf er denn statt ihrer einfach mit "Hohenlohes" um sich. In der Tat, er hatte mancherlei Schwächen. Aber diese waren doch auch wieder von ebenso vielen Tugenden begleitet. So beispielsweise sah er über alles,  was sich an Liebesgeschichten ereignete, mit einer beinah vornehmen Gleichgültigkeit hinweg, was manchem sehr zupaß kam. Ob dies Drüberhinsehn bloß  Geschäftsmaxime  war  oder  ob  er  all  dergleichen  einfach  alltäglich  und  deshalb  mehr  oder weniger  langweilig  fand,  war  nicht  recht  festzustellen;  er  kultivierte  dafür  mit  Vorliebe  das Finanzielle,  vielleicht  davon  ausgehend,  daß,  wer  die  Finanzen  hat,  auch  selbstverständlich  alles andere hat, besonders die Liebe. Das war Doktor Pusch. Er schloß sich, als man aufbrach, einer Gruppe von Personen an, die den "angerissenen Abend" noch in einem Lokal verbringen wollten. "Ja, wo?" "Natürlich ›Siechen‹." "Ach, ›Siechen‹. ›Siechen‹ ist für Philister." "Nun denn also, beim ›Schweren Wagner‹." "Noch philistr"ser. Ich bin für Weihenstephan." "Und ich für Pilsener." Man einigte sich schließlich auf ein Lokal in der Friedrichstraße,  wo man beides haben k"nne. Die  Herren,  die  dahin  aufbrachen,  waren  außer  Pusch  noch  der  junge  Baron  Planta,  dann Cujacius   und   Wrschowitz   und   abschließend   Premierleutnant   von   Szilagy,   der,   wie   schon angedeutet, früher bei den Gardedragonern gestanden, aber wegen einer großen Generalbegeisterung  für  die  Künste,  das  Malen  und  Dichten  obenan,  schon  vor  etlichen  Jahren seinen  Abschied  genommen  hatte.  Mit  seinen  Genrebildern  war  er  nicht  recht  von  der  Stelle gekommen,  weshalb  er  sich  neuerdings  der  Novellistik  zugewandt  und  einen  Sammelband  unter dem bescheidenen Titel "Bellis perennis" ver"ffentlicht hatte. Lauter kleine Liebesgeschichten. Alle fünf Herren, mit alleiniger Ausnahme des jungen Graubündner Barons, erwiesen sich von Anfang an als ziemlich aufgeregt, und jeder ihnen Zuh"rende hätte sofort das Gefühl haben müssen, daß hier viel Explosionsstoff aufgehäuft sei. Trotzdem ging es zunächst gut; Wrschowitz hielt sich in  Grenzen,  und  selbst  Cujacius,  der  nicht  gern  andern  das  Wort  ließ,  freute  sich  über  Puschs Schwadronage, vielleicht weil er nur das heraush"rte, was ihm gerade paßte. Leutnant von Szilagy – man kam vom Hundertsten aufs Tausendste – wurde bei den Fragen, die hin und her gingen, von ungefähr auch nach seinem Novellenbande gefragt und ob er Freude daran gehabt habe. "Nein, meine Herren", sagte Szilagy, "das kann ich leider nicht sagen. Ich habe ›Bellis perennis‹ auf   eigne   Kosten   herstellen   lassen   und   hundertzehn   Rezensionsexemplare   verschickt,   unter 153
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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