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Pusch nickte, zugleich in steigendem Übermut fortfahrend: "Und genauso mit der Urnovelle. Die liegt fertig da wie der Urkranz; nichts fehlt als der Aufputz, der nunmehr freundschaftlich verabredet wird. Bei H"chstbewilligung wird ein Verstoß gegen die Sittlichkeit eingeflochten. Das ist dann die große Orchidee, lila mit gelb, wie Freund Wrschowitz sehr richtig hervorgehoben hat." "Unter diesen Umständen", bemerkte hier Baron Planta, "will es mir als ein wahres Glück erscheinen, daß Herr von Szilagy, wie ich h"re, mehrere Eisen im Feuer hat. Was ihm die Novellistik schuldig bleibt, muß ihm die Malerei bringen." "Was sie leider bisher nicht tat und mutmaßlich auch nie tun wird", lachte Szilagy halb wehmütig, "trotzdem ich vom Genrebild aus, mit dem ich anfing, eine Schwenkung gemacht und mich unter Anleitung meines Freundes Salzmann neuerdings der Marinemalerei zugewandt habe. Mitunter auch Bataillen. Und was die blauen T"ne betrifft, so darf ich vielleicht behaupten, hinter keinem zurückgeblieben zu sein. Habe mich außerdem in Gudin und William Turner vergafft. Aber trotzdem ..." "Aber trotzdem ohne rechten Erfolg", unterbrach hier Cujacius, "was mich nicht wunder nimmt. Was wollen Sie mit Gudin oder gar mit Turner? Wer das Meer malen will, muß nach Holland gehn und die alten Niederländer studieren. Und unter den Modernen vor allem die Skandinaven: die Norweger, die Dänen." Wrschowitz zuckte zusammen. "Wir haben da beispielsweise den Melby, Däne pur sang, der sehr gut und beinah bedeutend ist." "O nein, nein", platzte jetzt Wrschowitz mit immer mehr erzitternder Stimme heraus. "Nicht serr gutt, nicht bedeutend, auch nicht einmal beinah bedeutend." "Der sehr bedeutend ist", wiederholte Cujacius. "Grade darin bedeutend, daß er nicht bedeutend sein will. Er erhebt keine falschen Prätentionen; er ist schlicht, ohne Phantastereien, aber stimmungsvoll; und wenn ich Bilder von ihm sehe, besonders solche, wo das graublaue Meer an einer Klippe brandet, so berührt mich das jedesmal spezifisch skandinavisch, etwa wie der ossianische Meereszauber in den Kompositionen unsers trefflichen Niels Gade." "Niels Gade? Von Niels Gade spricht man nicht." "Ich spreche von Niels Gade. Seine Kompositionen reichen bis an Mendelssohn heran." "Was ihn nicht gr"ßer macht." "Doch, mein Herr Doktor. Wirkliche Kunstgr"ßen zu stürzen, dazu reichen Überheblichkeit en nicht aus." "Was Sie nicht abhielt, mein Herr Professor, den großen Gudin culbütieren zu wollen." "Über Malerei zu sprechen steht mir zu." "Über Musik zu sprechen steht mir zu." "Sonderbar. Immer Personen aus unkontrollierbaren Grenzbezirken führen bei uns das große Wort." "Ich bin Tscheche. Weiß aber, daß es ein deutsches Sprichwort gibt: Der Deutsche lüggt, wenn er h"fflich wird." "Weshalb ich unter Umständen darauf verzichte." "En quoi vous réussissez à merveille." "Aber, meine Herren", warf Pusch hier ein, den die ganze Streiterei natürli ch entzückte, "k"nnten wir nicht das Kriegsbeil begraben? Proponiere: Begegnung auf halbem Wege; shaking hands. Nehmen Sie zurück, hüben und drüben." "Nie", donnerte Cujacius. "Jamais", sagte Wrschowitz. Und damit erhoben sich alle. Cujacius und Pusch hatten die Tête, Wrschowitz und Baron Planta folgten in einiger Entfernung. Szilagy war vorsichtigerweise abgeschwenk t. Wrschowitz, immer noch in großer Erregung, mühte sich, dem jungen Graubündner auseinanderzusetzen, daß Cujacius ganz allgemein den Ruf eines Krakeelers habe. "Je vous assure, Monsieur le Baron, il est un fou et plus que ça un blagueur." 155 |  |
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