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Der Stechlin

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Fridericus Rex. Nun, so einer war er sicherlich nicht, an den reicht er nicht ran. Aber als Mensch war er ihm über, und das gibt, mein’ ich, in gewissem Sinne den Ausschlag, wenn auch zur ›Gr"ße‹ noch was anders geh"rt. Ja, der Alte Fritz! Man kann ihn nicht hoch genug stellen; nur in einem Punkte find’ ich trotzdem, daß wir eine falsche Position ihm gegenüber einnehmen, gerade wir vom Adel.  Er  war  nicht  so  sehr  für  uns,  wie  wir  immer  glauben  oder  wenigstens  nach  außen  hin versichern. Er war für sich und für das Land oder, wie er zu sagen liebte, ›für den Staat‹. Aber daß wir als Stand und Kaste so recht was von ihm gehabt hätten, das ist eine Einbildung." "Überrascht mich, aus Ihrem Munde zu h"ren." "Ist  aber  doch  wohl  richtig.  Wie  lag  es  denn  eigentlich?  Wir  hatten  die  Ehre,  für  K"nig  und Vaterland  hungern  und  dursten  und  sterben  zu  dürfen,  sind  aber  nie  gefragt  worden,  ob  uns  das auch passe. Nur dann und wann erfuhren wir, daß wir ›Edelleute‹ seien und als solche mehr ›Ehre‹ hätten. Aber damit war es auch getan. In seiner innersten Seele rief er uns eigentlich genau dasselbe zu wie den Grenadieren bei Torgau. Wir waren Rohmaterial und wurden von ihm mit meist sehr kritischem Auge betrachtet. Alles in allem, lieber Graf, find’ ich unser Jahr dreizehn eigentlich um ein  Erhebliches  gr"ßer,  weil  alles,  was  geschah,  weniger  den  Befehlscharakter  trug  und  mehr Freiheit und Selbstentschließung hatte. Ich bin nicht für die patentierte Freiheit der Parteiliberalen, aber  ich  bin  doch  für  ein  bestimmtes  Maß  von  Freiheit  überhaupt.  Und  wenn  mich  nicht  alles täuscht,  so  wird  auch  in  unsern  Reihen  allmählich  der  Glaube  lebendig,  daß  wir  uns  dabei  – besonders auch rein praktisch-egoistisch – am besten stehn." Der alte Barby freute sich sichtlich dieser Worte. Dubslav aber fuhr fort: "Übrigens, das muß ich sagen  dürfen,  lieber  Graf,  Sie  wohnen  hier  brillant  an  Ihrem  Kronprinzenufer;  ein  entzückender Blick, und Fremde würden vielleicht kaum glauben, daß an unsrer alten Spree so was Hübsches zu finden sei. Die Niederlassungs- und speziell die Wohnungsfrage spielt doch, wo sich’s um Glück und Behagen handelt, immer stark mit, und gerade Sie, der Sie so lange draußen waren, werden, ehe Sie  hier  dies  Visavis  von  unsrer  Jungfernheide  wählten,  nicht  ohne  Bedenken  gewesen  sein.  In bezug auf die Landschaft gewiß und in bezug auf die Menschen vielleic ht." "Sagen wir, auch da gewiß. Ich hatte wirklich solche Bedenken. Aber sie sind niedergekämpft. Vieles gefiel mir durchaus nicht, als ich, nach langen, langen Jahren, aus der Fremde wieder nach hier  zurückkam,  und  vieles  gefällt  mir  auch  noch  nicht.  Überall  ein  zu  langsames  Tempo.  Wir haben in jedem Sinne zuviel Sand um uns und in  uns, und wo viel Sand ist, da will nichts recht vorwärts,  immer  bloß  hü  und  hott.  Aber  dieser  Sandboden  ist  doch  auch  wieder  tragfähig,  nicht glänzend, aber sicher. Er muß nur, und vor allem der moralische, die richtige Witterung haben, also zu  rechter  Zeit  Regen  und  Sonnenschein.  Und  ich  glaube,  Kaiser  Friedrich  hätt’  ihm  diese Witterung gebracht." "Ich glaub’ es nicht", sagte Dubslav. "Meinen Sie, daß es ihm schließlich doch nicht ein rechter Ernst mit der Sache war?" "O nein, nein. Es war ihm Ernst, ganz und gar. Aber es würd’ ihm zu schwer gemacht worden sein. Rund heraus, er wäre gescheitert." "Woran?" "An seinen Freunden vielleicht, an seinen Feinden gewiß. Und das waren die Junker. Es heißt immer, das Junkertum sei keine Macht mehr, die Junker fräßen den Hohenzollern aus der Hand und die  Dynastie  züchte  sie  bloß,  um  sie  für  alle  Fälle  parat  zu  haben.  Und  das  ist  eine  Zeitlang vielleicht auch richtig gewesen. Aber heut ist es nicht mehr richtig; es ist heute grundfalsch. Das Junkertum (trotzdem es vorgibt, seine Strohdächer zu flicken, und sie gelegentlich vielleicht auch wirklich flickt), dies Junkertum – und ich bin inmitten aller Loyalität und Devotion doch stolz, dies sagen  zu  k"nnen  –  hat  in  dem  Kampf  dieser  Jahre  kolossal  an  Macht  gewonnen,  mehr  als irgendeine  andre  Partei,  die  Sozialdemokratie  kaum  ausgeschlossen,  und  mitunter  ist  mir’s,  als stiegen die seligen Quitzows wieder aus dem Grabe herauf. Und wenn das geschieht, wenn unsre Leute  sich  auf  das  besinnen,  worauf  sie  sich  seit  über  vierhundert  Jahren  nicht  mehr  besonnen haben, so k"nnen wir was erleben. Es heißt immer ›unm"glich‹. Ah bah, was ist unm"glich? Nichts ist unm"glich. Wer hätte vor dem 18. März den ›18. März‹ für m"glich gehalten, für m"glich in diesem  echten  und  rechten  Philisternest  Berlin!  Es  kommt  eben  alles  mal  an  die  Reihe;  das  darf 157
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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