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Der Stechlin

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sechzehn ist das wenigste. Ja, wer hat gleich sechzehn? Gundermann ist erst geadelt, und wenn er nicht Glück gehabt hätte, so wär’ es gar nichts. Er hat nämlich klein angefangen, bloß mit einer Mühle; jetzt haben wir nun freilich sieben, immer den Rhin entlang, lauter Schneidemühlen, Bohlen und Bretter, einz"llig, zweiz"llig und noch mehr. Und die Berliner Dielen, die sind fast alle von uns." "Aber, meine gnädigste Frau, das muß Ihnen doch ein Hochgefühl geben. Alle Berliner Dielen! Und  dieser  Rhinfluß,  von  dem  Sie  sprechen,  der  vielleicht  eine  ganze  Seenkette  verbindet  und woran mutmaßlich eine reizende Villa liegt! Und darin h"ren Sie Tag und Nacht, wie nebenan in der  Mühle  die  Säge  geht,  und  die  dicht  herumstehenden  Bäume  bewegen  sich  leise.  Mitunter natürlich  ist  auch  Sturm.  Und  Sie  haben  eine  Pony-Equipage  für  Ihre  Kinder.  Ich  darf  doch annehmen, daß Sie Kinder haben? Wenn man so abgeschieden lebt und so beständig aufeinander angewiesen ist ..." "Es ist, wie Sie sagen, Herr Hauptmann; ich habe Kinder, aber schon erwachsen, beinah alle, denn ich habe mich jung verheiratet. Ja, Herr von Czako, man ist auch einmal jung gewesen. Und es ist  ein  Glück,  daß  ich  die  Kinder  habe.  Sonst  ist  kein  Mensch  da,  mit  dem  man  ein  gebildetes Gespräch führen kann. Mein Mann hat seine Politik und m"chte sich wählen lassen, aber es wird nichts, und wenn ich die Journale bringe, nicht mal die Bilder sieht er sich an. Und die Geschichten, sagt  er,  seien  bloß  dummes  Zeug  und  bloß  Wasser  auf  die  Mühlen  der  Sozialdemokratie.  Seine Mühlen, was ich übrigens recht und billig finde, sind ihm lieber." "Aber Sie müssen doch viele Menschen um sich herum haben, schon in Ihrer Wirtschaft." "Ja, die hab’ ich, und die Mamsells, die man so kriegt, ja, ein paar Wochen geht es; aber dann bändeln  sie  gleich  an,  am  liebsten  mit  ‘nem  Volontär;  wir  haben  nämlich  auch  Volontärs  in  der Mühlenbranche. Und die meisten sind aus ganz gutem Hause. Die jungen Menschen passen aber nicht auf, und da hat man’s denn, und immer gleich Knall und Fall. All das ist doch traurig, und mitunter ist es auch so, daß man sich geradezu genieren muß." Czako  seufzte.  "Mir  ein  Greuel,  all  dergleichen.  Aber  ich  weiß  vom  Man"ver  her,  was  alles vorkommt.  Und  mit  einer  Schläue  ...  nichts  schlauer  als  verliebte  Menschen.  Ach,  das  ist  ein Kapitel,  womit  man  nicht  fertig  wird.  Aber  Sie  sagten  Linienstraße,  meine  Gnädigste.  Welche Nummer  denn?  Ich  kenne  da  beinah  jedes  Haus,  kleine,  nette  Häuser  immer  bloß  Beletage, h"chstens mal ein Œil de boeuf." "Wie? was?" "Großes rundes Fenster ohne Glas. Aber ich liebe diese Häuser."   "Ja, das kann ich auch von mir sagen, und in gerade solchen Häusern hab’ ich meine beste Zeit verbracht, als ich noch ein Quack war, h"chstens vierzehn. Und so grausam wild. Damals waren nämlich  noch  die  Rinnsteine,  und  wenn  es  dann  regnete  und  alles  überschwemmt  war  und  die Bretter  anfingen,  sich  zu  heben,  und  schon  so  halb  herumschwammen,  und  die  Ratten,  die  da drunter steckten, nicht mehr wußten, wo sie hin sollten, dann sprangen wir auf die Bohlen rauf und nun die Biester raus, links und rechts, und die Jungens hinterher, immer aufgekrempelt und ganz nackigt. Und einmal, weil der eine Junge nicht abließ und mit seinen Holzpantinen immer drauflos schlug, da wurde das Untier falsch und biß den Jungen so, daß er schrie! Nein, so hab’ ich noch keinen Menschen wieder schreien h"ren. Und es war auch fürchterlic h." "Ja, das ist es. Und da helfen bloß Rattenfänger." "Ja, Rattenfänger, davon hab’ ich auch geh"rt – Rattenfänger von Hameln. Aber die gibt es doch nicht mehr." "Nein,  gnädige  Frau,  die  gibt  es  nicht  mehr,  wenigstens  nicht  mehr  solche  Hexenmeister  mit Zauberspruch und einer Pfeife zum Pfeifen. Aber die meine ich auch gar nicht. Ich meine überhaupt nicht   Menschen,   die   dergleichen   als   Metier   betreiben   und   sich   in   den   Zeitungen   anzeigen, unheimliche Gesichter mit einer Pelzkappe. Was ich meine, sind bloß Pinscher, die nebenher auch noch ›Rattenfänger‹ heißen und es auch wirklich sind. Und mit einem solchen Rattenfänger auf die Jagd gehen, das ist eigentlich das Sch"nste, was es gibt." "Aber mit einem Pinscher kann man doch nicht auf die Jagd gehen!" 16
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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