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er las, nicht sonderlich gefiel. "Ach, Engelke, die Zeitung ist ja soweit ganz gut; nur so für den ganzen Tag ist sie doch zu wenig. Du k"nntest mir lieber ein Buch bringen." "Was für eines?" "Is egal." "Da liegt ja noch das kleine gelbe Buch: Keine Lupine mehr!" "Nein, nein; nicht so was. Lupine, davon hab ich schon so viel gelesen; das wechselt in einem fort, und eins ist so dumm wie das andre. Die Landwirtschaft kommt doch nicht wieder obenauf oder wenigstens nicht durch so was. Bringe mir lieber einen Roman; früher in meiner Jugend sagte man Schm"ker. Ja, damals waren alle W"rter viel besser als jetzt. Weißt du noch, wie ich mir in dem Jahre, wo ich Zivil wurde, den ersten Schniepel machen ließ? Schniepel is auch solch Wort und doch wahrhaftig besser als Frack. Schniepel hat so was Fideles: Einsegnung, Hochzeit, Kindtaufe." "Gott, gnädiger Herr, immer is es doch auch nicht so. Die meisten Schniepel sind doch, wenn einer begraben wird." "Richtig, Engelke. Wenn einer begraben wird. Das war ein guter Einfall von dir. Früher wü rd ich gesagt haben zeitgemäß; jetzt sagt man opportun. Hast du schon mal davon geh"rt?" "Ja, gnädiger Herr, geh"rt hab ich schon mal davon." "Aber nich verstanden. Na, ich eigentlich auch nich. Wenigstens nicht so recht. Und du, du warst ja nich mal auf Schulen." "Nein, gnädiger Herr." "Alles in allem, sei froh drüber ... Aber, Engelke, wenn du mir nu ein Buch gebracht hast, dann will ich mich mit meinem Stuhl doch lieber gleich auf die Veranda rausrücken. Es ist wie Frühling heut. Solche guten Tage muß man mitnehmen. Und bringe mir auch ne Decke. Früher war ich nich so fürs Pimplige; jetzt aber heißt es: besser bewahrt als beklagt." In dem ganzen Dreieck zwischen Rheinsberg, Kloster Wutz und Gransee hatte sich die Nachricht von des alten Dubslav ernster Erkrankung mehr und mehr herumgesprochen, und es war wohl im Zusammenhange damit, daß ungefähr um dieselbe Stunde, wo Dubslav und Engelke sich über "Schniepel" und "opportun" unterhielten, ein Einspänner auf die Stechliner Rampe fuhr, ein etwas sonderbares Gefährt, dem der alte Baruch Hirschfeld langsam und vorsichtig entstieg. Engelke war ihm dabei behilflich und meldete gleich danach, daß der Alte da sei. "Der alte Baruch! Um Gottes willen, Engelke, was will denn der? Es ist ja doch glücklicherweise nichts los. Und so ganz aus freien Stücken. Na, l aß ihn kommen." Und Baruch Hirschfeld trat gleich darauf ein. Dubslav, in seine Decke gewickelt, begrüßte den Alten. "Aber Baruch, um alles in der Welt, was gibt es? Was bringen Sie? Gleichviel übrigens, ich freue mich, Sie zu sehn. Machen Sie sichs so bequem, wies auf den drei Latten eines Gartenstuhls überhaupt m"glich ist. Und dann noch einmal: Was gibt es? Was bringen Sie?" "Herr Major wollen entschuldigen, es gibt nichts, und ich bringe auch nichts. Ich kam da bloß so vorbei, Geschäfte mit Herrn von Gundermann, und da wollt ich mir doch die Freiheit genommen haben, mal nach der Gesundheit zu fragen. Habe geh"rt, der Herr Major seien ni cht ganz gut bei Wege." "Nein, Baruch, nicht ganz gut bei Wege, beinahe schon schlecht genug. Aber lassen wir das schlimme Neue; das Alte war doch eigentlich besser (das heißt dann und wann), und manchmal denk ich so an alles zurück, was wir so gemeinschaftlich miteinander durchgemacht haben." "Und immer glatt, Herr Major, immer glatt, ohne Schwierigkeiten." "Ja", lachte Dubslav, "gemacht hab ich keine Schwierigkeiten, aber gehabt hab ich genug. Und das weiß keiner besser als mein Freund Baruch. Und nun sagen Sie mir vor allem, was macht Ihr Isidor, der große Volksfreund? Ist er mit Torgelow noch zufrieden? Oder sieht er, daß sie da auch mit Wasser kochen? Ich wundere mich bloß, daß ein Sohn von Baruch Hirschfeld, Sohn und Firmateilhaber, so sehr für den Umsturz ist." "Nicht für den Umsturz, Herr Major. Isidor, wenn ich so sagen darf, ist für die alte Valuta. Aber nebenher hat er ein Herz für die Menschheit." 162 |  |
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