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Der Stechlin

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"Bewahre.  Meine  Weltfahrten,  mit  ganz  schwachen  Ausnahmen,  lagen  immer  nur  zwischen Berlin und Stechlin. H"chstens mal Dresden und ein bißchen ins Bayrische. Wenn man so gar nicht mehr weiß, wo man hin soll, fährt man natürlich nach Dresden. Also Viamala nie gesehen. Aber ein Bild  davon.  Im  allgemeinen  ist  Bilderankucken  auch  nicht  gerade  mein  Fall,  und  wenn  die Museums von mir leben sollten, dann täten sie mir leid. Indessen wie so der Zufall spielt, mal sieht man doch so was, und war da auf dem Viamala-Bilde ‘ne Felsenschlucht mit Figuren von einem sehr berühmten Malermenschen, der, glaub’ ich, B"cking oder B"ckling hieß." "Ah so. Einer, wenn mir recht ist, heißt B"cklin." "Wohl m"glich, daß es der gewesen ist. Ja, sogar sehr wahrscheinlich. Nun sehen Sie, Doktor, da war denn also auf diesem Bilde diese Viamala, mit einem kleinen Fluß unten, und über den Fluß weg lief ein Brückenbogen, und ein Zug von Menschen (es k"nnen aber auch Ritter gewesen sein) kam grade die Straße lang. Und alle wollten über die Brücke." "Sehr interessant." "Und  nun  denken  Sie  sich,  was  geschieht  da?  Grade  neben  dem  Brückenbogen,  dicht  an  der rechten  Seite,  tut  sich  mit  einem  Male  der  Felsen  auf,  etwa  wie  wenn  morgens  ein  richtiger Spießbürger  seine  Laden  aufmacht  und  nachsehen  will,  wie’s  Wetter  ist.  Der  aber,  der  an  dieser Brücke da von ungefähr rauskuckte, h"ren Sie, Sponholz, das war kein Spießbürger, sondern ein richtiger  Lindwurm  oder  so  was  Ähnliches  aus  der  sogenannten  Zeit  der  Saurier,  also  so   weit zurück, daß selbst der älteste Adel (die Stechline mit eingeschlossen) nicht dagegen ankann, und dies   Biest,   als   der   herankommende   Zug   eben   den   Fluß   passieren   wollte,   war   mit   seinem aufgesperrten Rachen bis dicht an die Menschen und die Brücke heran, und ich kann Ihnen bloß sagen, Sponholz, mir stand, als ich das sah, der Atem still, weil ich deutlich fühlte, nu noch einen Augenblick, dann schnappt er zu, und die ganze Bescherung is weg." "Ja,  Herr  von  Stechlin,  da  hat  man  bloß  den  Trost,  daß  die  Saurier,  soviel  ich  weiß,  seitdem ausgestorben sind. Aber meiner Frau will ich diese Geschichte doch lieber nicht erzählen; die kriegt nämlich mitunter Ohnmachten. In Doktorhäusern ist immer was los." Dubslav nickte. "Und  nur  das  eine  m"cht’  ich  Ihnen  noch  sagen,  Herr  von  Stechlin,  mit  der  Digitalis  immer ruhig  so  weiter,  und  wenn  der  Appetit  nicht  wiederkommt,  lieber  nur  zweimal  täglich.  Und  nie mehr  als  zehn  Tropfen.  Und  wenn  Sie  sich  unpaß  fühlen,  mein  Stellvertreter  ist  von  allem unterrichtet. Er wird Ihnen gefallen. Neue Schule, moderner Mensch; aber doch nicht zuviel davon (so  wenigstens  hoff’  ich)  und  jedenfalls  sehr  gescheit.  An  seinem  Namen  –  er  heißt  nämlich Moscheles – dürfen Sie nicht Anstoß nehmen. Er ist aus Brünn gebürtig, und da heißen die meisten so." Der Alte drückte mit allem seine Zustimmung aus, auch mit dem Namen, trotzdem dieser ihm quälende  Erinnerungen  weckte.  Schon  vor  etlichen  fünfzig  Jahren  habe  er  Musikstücke  spielen müssen, die alle auf den Namen "Moscheles" liefen. Aber das wolle er dem Insichtstehenden nicht weiter entgelten lassen. Und  nach  diesen  beruhigenden  Versicherungen  empfahl  sich  Sponholz  und  fuhr  zu  weiteren Abschiedsbesuchen in die Grafschaft hinein. Am  zweitfolgenden  Tage  brachen  die  Sponholzschen  Eheleute  von  Gransee  nach  Pfäffers  hin auf;   die   Frau,   sehr   leidend,   war   schweigsam,   er   aber   befand   sich   in   einem   hochgradigen Reisefieber,  was  sich,  als  sie  draußen  auf  dem  Bahnhof  angelangt  waren,  in  immer  wachsender Gesprächigkeit äußerte. Mehrere Freunde (meist Logenbrüder) hatten ihn bis hinaus begleitet. Sponholz kam hier sofort vom Hundertsten aufs Tausendste. "Ja, unser guter Stechlin, mit dem steht es soso ... Baruch hat ihn auch  gesehn  und  ihn  einigermaßen  verändert  gefunden  ...  Und  Sie,  Kirstein,  Sie  schreiben  mir natürlich, wenn der junge Burmeister eintritt; ich weiß, er will nicht recht (bloß der Vater will) und soll   sogar   von   ›Hokuspokus‹   gesprochen   haben.   Aber   dergleichen   muß   man   leichtnehmen. Unwissenheit,  Verkennungen,  über  so  was  sind  wir  weg;  viel  Feind’,  viel  Ehr’  ...  Nur,  es  noch einmal zu sagen, der Alte drüben in Stechlin macht mir Sorge. Man muß aber hoffen; bei Gott kein 165
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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