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Der Stechlin

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Der  Besuch  hatte  wohl  eine  halbe  Stunde  gedauert.  Als  Moscheles  wieder  fort  war,  sagte Dubslav: "Engelke, wenn er wiederkommt, so sag ihm, ich sei nicht da. Das wird er natürlich nicht glauben;  weiß  er  doch  am  besten,  daß  ich  an mein Zimmer und meinen Rollstuhl gebunden bin. Aber  trotzdem;  ich  mag  ihn  nicht.  Es  war  eine  Dummheit  von  Sponholz,  sich  grade  diesen auszusuchen, solchen Allerneuesten, der nach Sozialdemokratie schmeckt und dabei seinen Stock so sonderbar anfaßt, immer grad in der Mitte. Und dazu auch noch ‘nen roten Schlips." "Es sind aber schwarze Käfer drin." "Ja, die sind drin, aber ganz kleine. Das machen sie so, damit es nicht jeder gleich merkt, wes Geistes Kind so einer ist und wohin er eigentlich geh"rt. Aber ich merk’ es doch, auch wenn er an Kaiser Wilhelms Geburtstag mit ‘ner papiernen Kornblume kommt. Also du sagst ihm, ich sei nicht da." Engelke widersprach nicht, hatte jedoch so seine Gedanken dabei. "Der alte Doktor ist weg, und den  neuen  will  er  nicht.  Und  den  aus  Wutz  will  er  auch  nich,  weil  der  so  viel  mit  der  Domina zusammenhockt.  Un  dabei  kommt  er  doch  immer  mehr  runter.  Er  denkt:  ›Es  is  noch  nich  so schlimm.‹ Aber es is schlimm. Is genauso wie mit Bäcker Knaack. Un Kluckhuhn sagte mir schon vorige Woche: ›Engelke, glaube mir, es wird nichts; ich weiß Bescheid.‹" Das  war  am  Montag.  Am  Freitag  fuhr  Moscheles  wieder  vor  und  verfärbte  sich,  als  Engelke sagte, der gnädige Herr sei nicht da. "So, so. Nicht da." Das  war  doch  etwas  stark.  Moscheles  stieg  also  wieder  auf  seinen  Wagen  und  bestärkte  sich, während  er  nach  Gransee  zurückfuhr,  in  seinen  durchaus  ablehnenden  Anschauungen  über  den derzeitigen    Gesellschaftszustand.    "Einer    ist    wie    der    andre.    Was    wir    brauchen,    is    ein Generalkladderadatsch,  Krach,  tabula  rasa."  Zugleich  war  er  entschlossen,  von  einem  erneuten Krankenbesuch abzustehen. "Der gnäd’ge Herr auf, von und zu Stechlin kann mich ja rufen lassen, wenn er mich braucht. Hoffentlich unterläßt er’s." Dieser Wunsch erfüllte sich denn auch. Dubslav ließ ihn nicht rufen, wiewohl guter Grund dazu gewesen   wäre,   denn   die   Beschwerden   wuchsen   pl"tzlich   wieder,   und   wenn   sie   zeitweilig nachließen, waren die geschwollenen Füße sofort wieder da. Engelke sah das alles mit Sorge. Was blieb  ihm  noch  vom  Leben,  wenn  er  seinen  gnäd’gen  Herrn  nicht  mehr  hatte?  Jeder  im  Haus mißbilligte  des  Alten  Eigensinn,  und  Martin,  als  er  eines  Tages  vom  Stall  her  in  die  nebenan gelegene  niedrige  Stube  trat,  wo  seine  Frau  Kartoffeln  schälte,  sagte  zu  dieser:  "Ick  weet  nich, Mutter,  worüm  he  den  jungschen  Dokter  rutgrulen  däd.  De  Jungsche  is  doch  kl"ger,  as  de  olle Sponholz  is.  Doa  m"t  man  blot  de  Globsower  über  Sponholzen  hüren.  ›Joa,  oll  Sponholz‹ ,  so seggen se, ›de is joa so wiet ganz good, awers he seggt man ümmer: Kinnings, krank is he egentlich nich, he brukt man blot ‘ne Supp mit en beten wat in!‹ Joa, Sponholz, de kann so wat seggen, de hett wat da to. Awers de Globsower! Wo salln de ‘ne Supp herkregen mit en beten wat in?" So verging Tag und Tag, und Dubslav, dem herzlich schlecht war, sah nun selber, daß er sich in jedem Punkt übereilt hatte. Moscheles war doch immerhin ein richtiger Stellvertreter gewesen, und wenn  er  jetzt  einen  andern  nahm,  so  traf  das  Sponholzen  auch  mit.  Und  das  mocht’  er  nicht.  In dieser Notlage sann er hin und her, und eines Tages, als er mal wieder in rechter Bedrängnis und Atemnot war, rief er Engelke und sagte: "Engelke, mir is schlecht. Aber rede mir nich von dem Doktor.  Ich  mag  unrecht  haben,  aber  ich  will  ihn  nicht.  Sage,  wie  steht  das  eigentlich   mit  der Buschen?  Die  soll  ja  doch  letzten  Herbst  uns’  Kossät  Rohrbeckens  Frau  wieder  auf  die  Beine gebracht haben." "Ja, die Buschen ..." "Na, was meinst du?" "Ja, die Buschen, die weiß Bescheid. Versteht sich. Man bloß, daß sie ‘ne richtige alte Hexe is, und um Walpurgis weiß keiner, wo sie is. Und  die Mächens gehen sonnabends auch immer hin, wenn’s schummert, und Uncke hat auch schon welche notiert und beim Landrat Anzeige gemacht. Aber sie streiten alle Stein und Bein; und ein paar haben auch schon geschworen, sie wüßten von gar nichts." 171
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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