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Der Stechlin

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"Ich weiß nicht, Herr von Stechlin. Echtes Heldentum, oder um’s noch einmal einzuschränken, ein  solches,  das  mich  pers"nlich  hinreißen  soll,  steht  immer  im  Dienst  einer  Eigenidee,  eines allereigensten Entschlusses. Auch dann noch (ja mitunter dann erst recht), wenn dieser Entschluß schon  das  Verbrechen  streift.  Oder,  was  fast  noch  schlimmer,  das  Häßliche.  Kennen  Sie  den Cooperschen ›Spy‹? Da haben Sie  den Spion als Helden. Mit andern Worten, ein Niedrigstes als H"chstes. Die Gesinnung entscheidet. Das steht mir fest. Aber es gibt der Beispiele noch andere, noch bessere!" "Da bin ich neugierig", sagte Dubslav. "Also wenn’s sein kan n: Name." "Name:  Greeley,  Leutnant  Greeley;  Yankee  pur  sang.  Und  im  übrigen  auch  einer  aus  der Nordpolfahrergruppe." "Will also sagen: Nansen der Zweite." "Nein, nicht der Zweite. Was er tat, war viele Jahre vor Nansen." "Und er kam h"her hinauf? Weiter nach dem Pol zu? Oder waren seine Eisbär-Rencontres von noch ernsthafterer Natur?" "All das würde mir nicht viel besagen. Das herk"mmlich Heldische fehlt in seiner Geschichte v"llig. Was an seine Stelle tritt, ist ein ganz andres. Aber dies andre, das gerad e macht es." "Und das war?" "Nun denn – ich erzähle nach dem Gedächtnis, und im einzelnen und Nebensächlichen irr’ ich vielleicht ... Aber in der Hauptsache stimmt es ... Also zuletzt, nach langer Irrfahrt, waren’s noch ihrer fünf: Greeley selbst und vier seiner Leute. Das Schiff hatten sie verlassen, und so zogen sie hin  über  Eis  und  Schnee.  Sie  wußten  den  Weg,  soweit  sich  da  von  Weg  sprechen  läßt,  und  die Sorge war nur, ob das bißchen Proviant, das sie mit sich führten, Schiffszwieback und gesalzenes Fleisch, bis an die nächste menschenbewohnte Stelle reichen würde. Jedem war ein h"chstes und doch zugleich auch wieder geringstes Maß als tägliche Provision zubewilligt, und wenn man dies Maß einhielt und kein Zwischenfall kam, so mußt’ es reichen. Und einer, der noch am meisten bei Kräften war, schleppte den gesamten Proviant. Das ging so durch Tage. Da nahm Leutnant Greeley wahr,   daß   der   Proviant   schneller   hinschmolz   als   berechnet,   und   nahm   auch   wahr,   daß   der Proviantträger selbst, wenn er sich nicht beobachtet glaubte, von den Rationen nahm. Das war eine schreckliche  Wahrnehmung.  Denn  ging  es  so  fort,  so  waren  sie  samt  und  sonders  verloren.  Da nahm  Greeley  die  drei  andern  beiseit  und  beriet  mit  ihnen.  Eine  M"glichkeit  gew"hnlicher Bestrafung gab es nicht, und auf einen Kampf sich einzulassen ging auch nicht. Sie hatten dazu die Kräfte nicht mehr. Und so hieß es denn zuletzt, und es war Greeley, der es sagte: ›Wir müssen ihn hinterrücks erschießen.‹ Und als sie bald nach dieser Kriegsgerichtsszene wieder aufbrachen, der heimlich Verurteilte vorn an der Tête, trat Greeley von hintenher an ihn heran und schoß ihn nieder. Und  die  Tat  war  nicht  umsonst  getan;  ihre  Rationen reichten aus, und an dem Tage, wo sie den letzten Bissen verzehrten, kamen sie bis an eine Station." "Und was wurde weiter?" "Ich weiß nicht mehr, ob Greeley selbst bei seiner Rückkehr nach New York als Ankläger gegen sich auftrat; aber das weiß ich, daß es zu einer großen Verhand lung kam ." "Und in dieser ..." "... In dieser wurd’ er freigesprochen und im Triumph nach Hause getragen." "Und Sie sind einverstanden damit?" "Mehr; ich bin voll Bewunderung. Greeley, statt zu tun, was er tat, hätte zu den Gefährten sagen k"nnen: ›Unser Exempel wird falsch, und wir gehen an des einen Schuld zugrunde; t"ten mag ich ihn nicht – sterben wir also alle.‹ Für seine Person hätt’ er so sprechen und handeln k"nnen. Aber es handelte  sich  nicht  bloß  um  ihn;  er  hatte  die  Führer-  und  die  Befehlshaberrolle,  zugleich  die Richterpflicht, und hatte die Majorität von drei gegen eine Minoritä t von einem zu schützen. Was dieser eine getan, an und für sich ein Nichts, war unter den Umständen, unter denen es geschah, ein fluchwürdiges Verbrechen. Und so nahm er denn gegen die geschehene schwere Tat die schwere Gegentat auf sich. In solchem Augenblicke richtig fühlen und in der Überzeugung des Richtigen fest und unbeirrt ein furchtbares Etwas tun, ein Etwas, das, aus seinem Zusammenhange gerissen, allem   g"ttlichen   Gebot,   allem   Gesetz   und   aller   Ehre   widerspricht,   das   imponiert   mir   ganz 176
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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