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Der Stechlin

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obenan  standen,  erheiterte  sie  sich  sichtlich.  Ja,  sie  kicherte  dabei  fast  so  vergnügt  wie  die Schmargendorf.   Ein   wirkliches,   nicht   ganz   flüchtiges   Interesse   (wenn   auch   freilich   kein freundliches) zeigte sie nur, wenn Dubslav von der jungen Frau sprach und hinzusetzte: "Sie hat so was Unberührtes." "Nu ja, nu ja. Das liegt aber doch zurück." "Wer keusch ist, bleibt keusch." "Meinst du das ernsthaft?" "Natürlich mein’ ich es ernsthaft. Über solche Dinge spaß’ ich überhau pt nicht." Und  nun  lachte  Adelheid  herzlich  und  sagte:  "Dubslav,  was  hast  du  nur  wieder  für  Bücher gelesen? Denn aus dir selbst kannst du doch so was nicht haben. Und von deinem Pastor Lorenzen auch nicht. Der wird ja wohl nächstens ‘ne ›freie Gemeinde‹ gründen." So war der erste Tag dahingegangen. Alles in allem, trotz kleiner Ärgerlichkeiten, unterhaltlich genug für den Alten, der, unter seiner Einsamkeit leidend, meist froh war, irgendeinen Plauderer zu finden,  auch  wenn  dieser  im  übrigen  nicht  gerade  der  richtige  war.  Aber  das  alles  dauerte  nicht lange.  Die  Schwester  wurde  von  Tag  zu  Tag  rechthaberischer  und  herrischer  und  griff  unter  der Vorgabe, "daß ihr Bruder anders verpflegt werden müsse", in alles ein, auch in Dinge, die mit der Verpflegung   gar   nichts   zu   tun   hatten.   Vor   allem   wollte   sie   ihm   den   Katzenpf"tchentee wegdisputieren, und wenn abends die kleine Meißner Kanne kam, gab es jedesmal einen erregten Disput über die Buschen und ihre Hexenkünste. So waren denn noch keine acht Tage um, als es für Dubslav feststand, daß Adelheid wieder fort müsse. Zugleich sann er nach, wie das wohl am besten zu machen sei. Das war aber keine ganz leichte  Sache,  da  die  "Kündigung"  notwendig  von  ihr  ausgehen  mußte.  Sowenig  er  sich  aus  ihr machte, so war er doch zu sehr Mann der Form und einer feineren Gastlichkeit, als daß er’s zuwege gebracht hätte, seinerseits auf Abreise zu dringen. Es  war  um  die  vierte  Stunde,  das  Wetter  sch"n,  aber  auch  frisch.  Adelheid  hing  sich  ihren Pelzkragen um, ein altes Familienerbstück, und ging zu Krippenstapel, um sich seine Bienenst"cke zeigen zu lassen. Sie hoffte bei der Gelegenheit, auch was über den Pastor zu h"ren, weil sie davon ausging,  daß  ein  Lehrer  immer  über  den  Prediger  und  der  Prediger  immer  über  den  Lehrer  zu klagen hat. Jedes Landfräulein denkt so. Die Bienen nahm sie so mit in den Kauf. Es begann zu dunkeln, und als die Domina schließlich aus dem Herrenhause fort war, war das eine freie Stunde für Dubslav, der nun nicht länger säumen mochte, seine Mine zu legen. "Engelke", sagte er, "du k"nntest in die Küche gehn und die Marie zur Buschen schicken. Die Marie  weiß  ja  Bescheid  da.  Und  da  kann  sie  denn  der  alten  Hexe  sagen,  lütt  Agnes  solle  heute abend mit heraufkommen und hier schlafen und immer da sein, wenn ich was brauche." Engelke stand verlegen da. "Nu, was hast du? Bist du dagegen?" "Nein,  gnäd’ger  Herr,  dagegen  bin  ich  wohl  eigentlich  nicht.  Ab er  ich  schlafe  doch  auch nebenan, und dann is es ja, wie wenn ich für gar  nichts mehr da wär’ und fast so gut wie schon abgesetzt. Und das Kind kann doch auch nich all das, was n"tig is; Agnes is ja doch noch ‘ne lütte Krabb." "Ja, das is sie. Und du sollst auch in der andern Stube bleiben und alles tun wie vorher. Aber trotzdem, die Agnes soll kommen. Ich brauche das Kind. Und du wirst auch bald sehn, warum." Und so kam denn auch Agnes, aber erst sehr spät, als sich Adelheid schon zurückgezogen hatte, dabei   nicht   ahnend,   welche   Ränke   mittlerweile   gegen   sie   gesponnen   waren.   Auf   diese Verheimlichung kam es aber gerade an. Dubslav hatte sich nämlich wie Franz Moor – an den er sonst wenig erinnerte – herausgeklügelt, daß Überraschung und Schreck bei seinem Plan mitwirken müßten. Agnes  schlief  in  einer  nebenan  aufgestellten  eisernen  Bettstelle.  Dubslav,  geradeso  wie  seine Schwester,  hatte  das  etwas  auffällig  herausgeputzte  Kind  bei  seinem  Erscheinen  im  Herrenhause gar nicht mehr gesehen; es trug ein langes himmelblaues Wollkleid ohne Taille, dazu Kn"pfstiefel und lange rote Strümpfe – lauter Dinge, die Karline schon zu letzten Weihnachten geschenkt hatte. Gleich damals, am ersten Feiertag, hatte das  Kind den Staat denn auch wirklich angezogen, aber 179
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
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