Title:

Der Stechlin

Home
deutsch
  
ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012   ISBN: 3423050012 
 
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>|
  Wir empfehlen:       
 

und Ihnen auszuplaudern, was ich über Sie gedacht habe. Habe ja, wie Sie wissen, eine natürliche Neigung zum Ausplaudern, zum Plaudern überhaupt, und Kortschädel, der sich im übrigen durch franz"sische  Vokabeln  nicht  auszeichnete,  hat  mich  sogar  einmal  einen  ›Causeur‹  genannt.  Aber freilich   schon   lange   her,   und   jetzt   ist   es   damit   total   vorbei.   Zuletzt   stirbt   selbst   die   alte Kindermuhme in einem aus." "Glaub’ ich nicht. Wenigstens Sie, Herr von Stechlin, sorgen für den Ausnahmefall." "Ich will es gelten lassen und mich auch gleich legitimieren. Haben Sie denn in Ihrer Zeitung gelesen, wie sie da neulich wieder dem armen Bennigsen zugesetzt haben? Mir mißfällt es, wiewohl Bennigsen nicht gerade mein Mann ist." "Auch meiner nicht. Aber, er sei, wie er sei, er ist doch ein Excelsior-Mann. Und wer hierlandes für ein freudiges ›excelsior‹ ist, der ist bei den Ostelbiern (Pardon, Sie geh"ren ja selbst mit dazu) von vornherein verdächtig und ein Gegenstand tiefen Mißtrauens. Jedes h"her gesteckte Ziel, jedes Wollen, das über den Kartoffelsack hinausgeht, findet kein Verständnis, sicherlich keinen Glauben. Und bringt einer irgendein Opfer, so heißt es bloß, daß er die  Wurst nach der Speckseite werfe." Dubslav  lachte.  "Lorenzen,  Sie  sitzen  wieder  auf  Ihrem  Steckenpferd.  Aber  ich  selber  bin freilich  schuld.  Warum  kam  ich  auf  Bennigsen!  Da  war  das  Thema  gegeben,  und  Ihr  Ritt  ins Bebelsche  (denn  weitab  davon  sind  Sie  nicht)  konnte beginnen. Aber daß Sie’s wissen, ich hab’ auch mein Steckenpferd, und das heißt: K"nig und Kronprinz, oder alte Zeit und neue Zeit. Und darüber  hab’  ich  seit  lange  mit  Ihnen  sprechen  wollen,  nicht  akademisch,  sondern  märkisch- praktisch,  so  recht  mit  Rücksicht  auf  meine  nächste  Zukunft.  Denn  es  heißt  nachgrade  bei  mir: ›Was du tun willst, tue bald.‹" Lorenzen nahm des Alten Hand und sagte: "Gewiß kommen andre Zeiten. Aber man muß mit der Frage, was kommt und was wird, nicht zu früh anfangen. Ich seh’ nicht ein, warum unser alter K"nig von Thule hier nicht noch lange regieren sollte. Seinen letzten Trunk zu tun und den Becher dann in den Stechlin zu werfen, damit hat es noch gute Wege." "Nein, Lorenzen, es dauert nicht mehr lange; die Zeichen sind da, mehr als zuviel. Und damit alles  klappt  und  paßt,  geh’  ich  nun  auch  gerad  ins  Siebenundsechzi gste,  und  wenn  ein  richtiger Stechlin   ins   Siebenundsechzigste   geht,   dann   geht   er   auch   in   Tod   und   Grab.   Das   is   so Familientradition. Ich wollte, wir hätten eine andre. Denn der Mensch is nu mal feige und will dies schändliche Leben gern weiterleben." "Schändliches Leben! Herr von Stechlin, Sie haben ein sehr gutes Leben gehabt." "Na, wenn es nur wahr ist! Ich weiß nicht, ob alle Globsower ebenso denken. Und die bringen mich wieder auf mein Hauptthema." "Und das lautet?" "Das  lautet:  ›Teuerster  Pastor,  sorgen  Sie  dafür,  daß  die  Globsower  nicht  zu  sehr  obenauf kommen.‹" "Aber, Herr von Stechlin, die armen Leute ..." "Sagen Sie das nicht. Die armen Leute! Das war mal richtig; heutzutage aber paßt es nicht mehr. Und solch unsichere Passagiere wie mein Woldemar und wie mein lieber Lorenzen (von dem der Junge,  Pardon,  all  den  Unsinn  hat),  solche  unsichere  Passagiere,  statt  den  Riegel  vorzuschieben, kommen den Torgelowschen auf halbem Wege entgegen und sagen: ›Ja, ja, T"ffel, du hast auch eigentlich   ganz   recht‹,   oder,   was   noch   schlimmer   ist:   ›Ja,   ja,   Jochem,   wir   wollen   mal nachschlagen.‹" "Aber, Herr von Stechlin." "Ja,  Lorenzen,  wenn  Sie  auch  noch  solch  gutes  Gesicht  machen,  es  ist  doch  so:  Die  ganze Geschichte wird auf einen andern Leisten gebracht, und wenn dann wieder eine Wahl ist, dann fährt der  Woldemar  rum  und  erzählt  überall,  Katzenstein  sei  der  rechte  Mann.  Oder  irgendein  andrer. Aber das ist Mus wie Mine – verzeihen Sie den etwas fortgeschrittenen Ausdruck. Und wenn dann die junge gnädige Frau Besuch kriegt oder wohl gar einen Ball gibt, da will ich Ihnen ganz genau sagen, wer dann hier in diesem alten Kasten, der dann aber renoviert sein wird, antritt. Da ist in erster  Reihe  der  Minister  von  Ritzenberg  geladen,  der,  wegen  Kaltstellung  unter  Bismarck,  von langer Hand her eine wahre Wut auf den alten Sachsenwalder hat, und er"ffnet die Polonaise mit 189
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB: Mit Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz, BeurkundungsG, BGB-Informationspflichten-Verordnung, Einführungsgesetz, ... und Wohnungseigentumsgesetz
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Einführung in das Bürgerliche Recht: Grundku...
 
   
 
     
|<< First     < Previous     Index     Next >     Last >>| 

Back to the topic sites:
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres
CopyrightedBy.com/Startseite/Genres/Romane
CopyrightedBy.com/Startseite/Autoren/F/Fontane

External Links to this site are permitted without prior consent.
   
  Home  |  deutsch  |  Set bookmark  |  Send a friend a link  |  Impressum