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Lorenzen legte seine Hand auf die Hand Dubslavs und streichelte sie, wie wenn er des Alten Sohn gewesen wäre. "Das alles, Herr von Stechlin, kann ich Ihnen gern versprechen. Ich habe Woldemar erzogen, als es mir oblag, und Sie haben in Ihrer Klugheit und Güte mich gewähren lassen. Jetzt ist Ihr Sohn ein vornehmer Herr und hat die Jahre. Sprechen hat seine Zeit, und Schweigen hat seine Zeit. Aber wenn Sie ihn und mich von oben her unter Kontrolle nehmen und eventuell mir erscheinen wollen, so schieben Sie mir dabei nicht zu, was mir nicht zukommt. Nicht ich werde ihn führen. Dafür ist gesorgt. Die Zeit wird sprechen, und neben der Zeit das neue Haus, die blasse junge Frau und vielleicht auch die sch"ne Melusine." Der Alte lächelte. "Ja, ja." Zweiundvierzigstes Kapitel So ging das Gespräch. Und als Lorenzen aufbrach, fühlte sich der Alte wie belebt und versprach sich eine gute Nacht mit viel Schlaf und wenig Beängstigung. Aber es kam anders; die Nacht verlief schlecht, und als der Morgen da war und Engelke das Frühstück brachte, sagte Dubslav: "Engelke, schaff die Wabe weg; ich kann das süße Zeug nicht mehr sehn. Krippenstapel hat es gut gemeint. Aber es is nichts damit und überhaupt nichts mit der ganzen Heilkraft der Natur." "Ich glaube doch, gnädger Herr. Bloß gegen die Gegenkraft kann die Wabe nich an." "Du meinst also: fürn Tod kein Kraut gewachsen ist. Ja, das wird es wohl sein; das mein ich auch." Engelke schwieg. Eine Stunde später kam ein Brief, der, trotzdem er aus nächster Nähe stammte, doch durch die Post bef"rdert worden war. Er war von Ermyntrud, behandelte die durch Koseleger und sie selbst geplante Gründung eines Rettungshauses für verwahrloste Kinder und äußerte sich am Schlusse dahin, daß, "wenn sich hoffentlich binnen kurzem ihre Wünsche für Dubslavs fortschreitende Gesundheit erfüllt haben würden", Agnes, das Enkelkind der alten Buschen, als erste, wie sie vertraue, sittlich zu Heilende in das Asyl aufgenommen werden m"chte. Dubslav drehte den Brief hin und her, las noch einmal und sagte dann: "Oh, diese Kom"die ... wenn sich meine Wünsche für Ihre fortschreitende Gesundheit erfüllt haben werden ... das heißt doch einfach, wenn Sie sich demnächst den Rasen von unten ansehn. Alle Menschen sind Egoisten, Prinzessinnen auch, und sind sie fromm, so haben sie noch einen ganz besonderen Jargon. Es mag so bleiben, es war immer so. Wenn sie nur ein bißchen mehr Vertrauen zu dem gesunden Menschenverstand andrer hätten." Er steckte, während er so sprach, den Brief wieder in das Kuvert und rief Agnes. Das Kind kam auch. "Agnes, gefällt es dir hier?" "Ja, gnädger Herr, es gefällt mir hier." "Und ist dir auch nicht zu still?" "Nein, gnädger Herr, es ist mir auch nicht zu still. Ich m"chte immer hier sein." "Na, du sollst auch bleiben, Agnes, solang es geht. Und nachher. Ja, nachher ..." Das Kind kniete vor ihm nieder und küßte ihm die Hände. Dubslavs Zustand verschlechterte sich schnell. Engelke trat an ihn heran und sagte: "Gnädger Herr, soll ich nicht in die Stadt schicken ?" "Nein." "Oder zu der Buschen?" "Ja, das tu. So ne alte Hexe kann es immer noch am besten." 191 |  |
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