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Der Stechlin

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Trost. Wir gehen nun nach Capri, aber in Etappen, und bleiben unter anderm einen halben Tag in Monte Cassino, wo (verzeih meine Weisheit) das ganze Ordenswesen entstanden sein soll. Ich liebe Kl"ster, wenn auch nicht für mich pers"nlich. Neapel berühren wir nur kurz und gehen gleich bis Amalfi, wenn wir nicht das h"her gelegene Ravello bevorzugen. Dann erst über Sorrent nach Capri, dem eigentlichen Ziel unsrer Reise. Wir werden nicht bei Pagano wohnen, wo, bei allem Respekt vor der Kunst, zuviel Künstler sind, sondern weiter abwärts, etwa auf halber H"he. Wir haben von hier aus eine Empfehlung. In acht Tagen sind wir sicher da. Sorge, daß wir dann einen Brief von Dir vorfinden. Vorher sind wir so gut wie unerreichbar, ein Zustand, den ich mir als Kind immer gewünscht und mir als etwas ganz besonders Poetisches vorgestellt habe. Küsse meinen alten Papa. Nach Stechlin hin tausend Grüße, vor allem aber bleibe, was Du jederzeit warst: die Schwester, die Mutter (nur nicht die Tante) Deiner glücklichen, Dich immer und immer wieder zärtlich liebenden Armgard." Armgards Brief kam kaum zu seinem Recht, weil sowohl der alte Graf wie Melusine ganz der Erwägung  lebten,  ob  es  nicht,  trotz  Armgards  gegenteiliger  Vorwegversicherung,  vielleicht  doch noch m"glich sein würde, das junge Paar irgendwo telegraphisch zu erreichen; aber es ging nicht, man  mußte  es  aufgeben  und  sich  begnügen,  allerpers"nlichst  Vorbereitungen  für  die  Fahrt  nach Stechlin  hin  zu  treffen.  Des  alten  Grafen  Befinden  war  nicht  das  beste,  so  daß  seitens  des Hausarztes  sein  Fernbleiben  von  dem  Begräbnis  dringend  gewünscht  wurde.  Daran  aber  war  gar nicht zu denken. Und so brachen denn Vater und Tochter am Sonnabend früh nach Stechlin hin auf. Jeserich wurde mitgenommen, um für alle Fälle zur Hand zu sein. Es war Prachtwetter, aber scharfe Luft, so daß man trotz Sonnenschein fr"stelte. In dem alten Herrenhause zu Stechlin sah es am Begräbnistage sehr verändert aus; sonst so still und  abgeschieden,  war  heute  alles  Andrang  und  Bewegung.  Zahllose  Kutschen  erschienen  und stellten sich auf dem Dorfplatz auf, die meisten ganz in der Nähe der Kirche. Diese lag in prallem Sonnenschein da, so daß man deutlich die hohen, in die Feldsteinwand eingemauerten Grabsteine sah,   die   früher,   vor   der   Restaurierung,   im   Kirchenschiff   gelegen   hatten.   Efeu   fehlte;   nur Holunderbüsche,  die  zu  grünen  anfingen,  und  dazwischen  Ebereschensträucher  wuchsen  um  den Chor herum. Der Tote war auf dem durch Palmen und Lorbeer in eine grüne Halle umgewandelten Hausflur aufgebahrt.   Adelheid   machte   die   Honneurs,   und   ihre   hohen   Jahre,   noch   mehr   aber   ihr Selbstbewußtsein, ließen sie die ihr zuständige Rolle mit einer gewissen Würde durchführen. Außer den  Barbys,  Vater  und  Tochter,  waren,  von  Berlin  her,  noch  Baron  und  Baronin  Berchtesgaden gekommen,  ebenso  Rex  und  Hauptmann  von  Czako.  Rex  sah  aus,  als  ob  er  am  Grabe  sprechen wolle,  während  sich  Czako  darauf  beschränkte,  das  gesellschaftliche  Durchschnittstrauermaß  zu zeigen. Aber diese Berliner Gäste verschwanden natürlich in dem Kontingent, das die Grafschaft gestellt hatte.  Dieselben  Herren,  die  sich  –  kaum  ein  halbes  Jahr  zurück  –  am  Rheinsberger  Wahltage zusammengefunden  und  sich  damals,  von  ein  paar  Ausnahmen  abgesehen,  über  Torgelows  Sieg eigentlich mehr erheitert als geärgert hatten, waren auch heute wieder da: Baron Beetz, Herr von Krangen,  Jongherr  van  dem  Peerenboom,  von  Gnewkow,  von  Blechernhahn,  von  Storbeck,  von Molchow,  von  der  Nonne,  die  meisten,  wie  herk"mmlich,  mit  sehr  kritischen  Gesichtern.  Auch Direktor Thormeyer war gekommen, in pontificalibus, angetan mit so vielen Orden und Medaillen, daß er damit weit über den Landadel hinauswuchs. Einige stießen sich denn auch an, und Molchow sagte    mit    halblauter    Stimme    zu    von    der    Nonne:    "Sehn    Sie,    Nonne,    das    ist    die ›Schmetterlingsschlacht‹,  von  der  man  jetzt  jeden  Tag  in  den  Zeitungen  liest."  Aber  trotz  dieser sp"ttischen  Bemerkung  wäre  Thormeyer  doch  Hauptgegenstand  aller  Aufmerksamkeit  geblieben, wenn  nicht  der  jeden  Ordensschmuck  verschmähende,  nur  mit  einem  hochkragigen  und  uralten Frack  angetane  Edle  Herr  von  Alten-Friesack  ihm  siegreiche  Konkurrenz  gemacht  hätte.  Das wendisch G"tzenbildartige, das sein Kopf zeigte, gab auch heute wieder den Ausschlag zu seinen Gunsten.  Er  nickte  nur  pagodenhaft  hin  und  her  und  schien  selbst  an  die  vom  ältesten  Adel  die Frage   zu   richten:   "Was   wollt   ihr   hier?"   Er   hielt   sich   nämlich   (worin   er   einer   ererbten 193
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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