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Der Stechlin

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Lauterkeit des Herzens. Er war das Beste, was wir sein k"nnen, ein Mann und ein Kind. Er ist nun eingegangen in seines Vaters Wohnungen und wird da die Himmelsruhe haben, die der Segen aller Segen ist." Einige der Anwesenden sahen sich bei dieser Schlußwendung an. Am meisten bemerkt wurde Gundermann, dessen der Rede halb zustimmende, halb ablehnende Haltung bei den versammelten "Alten  und  Echten"  (die  wohl  sich,  aber  nicht  ihm  ein  Recht  der  Kritik  zuschrieben)  auch  hier wieder ein Lächeln hervorrief. Dann folgte mit erhobener Stimme Gebet und Einsegnung, und als die Orgel intonierte, senkte sich der auf dem Versenkungsstein stehende Sarg langsam in die Gruft. Einen   Augenblick   später,   als   der   wiederaufsteigende   Stein   die   Gruft"ffnung   mit   einem eigentümlichen   Klappton   schloß,   h"rte   man   von   der   Kirchentür   her   erst   ein   krampfhaftes Schluchzen und dann die Worte: "Nu is allens ut; nu m"t ick ook weg." Es war Agnes. Man nahm das Kind von dem Schemel herunter, auf dem es stand, um es unter Zuspruch der Nächststehenden auf den Kirchhof hinauszuführen. Da schlich es  noch eine Weile weinend zwischen den Gräbern hin und her und ging dann die Straße hinunter auf den Wald zu. Die alte Buschen selbst hatte nicht gewagt, mit dabei zu sein. Unter  denen,  die  draußen  auf  dem  Kirchhof  standen,  waren  auch  von  Molchow  und  von  der Nonne. Jeder von ihnen wartete auf seine Kutsche, die, weil der Andrang so groß war, nicht gleich vorfahren konnte. Beide froren bitterlich bei der scharfen Luft, die vom See her wehte. "Ich weiß nicht", sagte von der Nonne, "warum sie die Feier nicht im Hause, wo sie doch heizen konnten, abgehalten haben; es war ja da drin gar keine menschliche Temperatur mehr. Und nun erst hier draußen." "Is leider so", sagte Molchow, "und ich werde wohl auch mit ‘ner Kopfkolik abschließen. Und mitunter  stirbt  man  dran.  Aber  wenn  man  in  Berlin  is  (und  ich  habe  da  neulich  auch  so  was mitgemacht), is es doch noch schlimmer. Da haben sie was, was sie ‘ne Leichenhalle nennen, ‘ne Art   Kapelle   mit   Bibelspruch   und   Lorbeerbäumen,   und   dahinter   verstecken   sich   ein   paar Gesangsmenschen. Wenn man sie nachher aber sieht, sehen sie sehr gefrühstückt aus." "Kenn’ ich, kenn’ ich", sagte Nonne. "Nu,  der  Gesang",  fuhr  Molchow  fort,  "das  ginge  noch,  den  kann  man  schließlich  aushalten. Aber  der  Fußboden  und  der  Zug  durch  die  offenstehende  Tür.  Und  wenn  man  noch  bloß  den kriegte. Wer aber Pech hat, der kommt, wenn’s Winter is, dicht neben einen Kanonenofen zu stehn, und wenn ich sage, ›der pustet‹, so sag’ ich noch wenig. Und der Geistliche kann einem auch leid tun. Er spricht sozusagen für niemanden. Wer kann denn bei solchem Zug und solchem Ofenpusten ordentlich zuh"ren? Und bloß das weiß ich, daß ich immer an die drei Männer im feurigen Ofen gedacht habe. So halb Eisklumpen, halb Bratapfel is nich mein Fall." "Ja, die Berliner", sagte Nonne ... "Nich zu glauben." "Nich  zu  glauben.  Und  dabei  bilden  sie  sich  ein,  sie  hätten  eigentlich  alles  am  besten.  Und mancher von ihnen glaubt es auch wirklich. Aber die H"lle lacht." "Ich bitte Sie, Molchow, menagieren Sie sich! Das über Berlin, na, das ginge vielleicht noch. Aber so gleich hier von H"lle, hier mitten auf ‘nem christlichen Kirchhof ..." Bald danach hatte sich der Kirchhof geleert, und alles, was in der Grafschaft wohnte, war auf dem  Heimwege.  Nur  die  von  Berlin  her  erschienenen  Gäste,  die  den  nächsten,  an  Gransee vorüberkommenden Rostocker Zug abzuwarten hatten, waren in das Herrenhaus zurückgekehrt, wo mittlerweile   für   einen   Imbiß   Sorge   getragen   war.   Rex   und   Czako,   desgleichen   auch   die Berchtesgadens,  nahmen  erst  ein  Glas  Wein  und  dann  eine  Tasse  Kaffee.  Zwischen  dem  alten Grafen und Adelheid knüpfte sich ein mäßig belebtes Gespräch an, wobei der Graf der Vorzüge des Verstorbenen gedachte. Da Schwester Adelheid jedoch, wie so viele Schwestern, allerlei Zweifel und Bedenken hinsichtlich des Tuns und Treibens ihres Bruders hegte, so ging man bald zu den Kindern über und beklagte, daß sie bei einer so sch"nen Feier nicht hätten zugegen sein k"nnen. Dazwischen wurde dann freilich das fast entgegengesetzt klingende Bedauern laut, daß das junge Paar seinen Aufenthalt im Süden wohl werde abbrechen müssen. Der alte Graf in seiner Güte fand alles, was Adelheid sagte, sehr verständig, während sich Adelheids Gefühle mit der Anerkennung begnügten, daß sie sich den Alten eigentlich schlimmer gedacht habe. 195
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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