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Der Stechlin

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Vierundvierzigstes Kapitel Melusine war aus der Kirche mit in das Herrenhaus zurückgekehrt und widmete sich hier auf eine kurze Weile zunächst ihren Freunden, den Berchtesgadens, dann Rex und Czako. Danach ging sie  in  die  Pfarre  hinüber,  um  Lorenzen  zu  danken  und  noch  ein  kurzes  Gespräch  mit  ihm  über Woldemar und Armgard zu haben, im wesentlichen eine Wiederholung alles dessen, was sie schon während  ihres  Weihnachtsbesuches  mit  ihm  durchgesprochen  hatte.  Sie  verplauderte  sich  dabei wider Wunsch und Willen, und als sie schließlich nach dem Herrenhause zurückkehrte, begegnete sie bereits jener Aufbruchsunruhe, die kein ernstes Eingehen auf irgendein Thema mehr zuläßt. Sie beschränkte sich deshalb auf ein paar Worte mit Tante Adelheid. Daß man sich gegenseitig nicht mochte,  war  der  einen  so  gewiß  wie  der  andern.  Sie  waren  eben  Antipoden:  Stiftsdame  und Weltdame, Wutz und Windsor, vor allem enge und weite Seele. "Welch   ein   Mann,   Ihr   Pastor   Lorenzen",   sagte   Melusine.   "Und   zum   Glück   auch   noch unverheiratet." "Ich m"chte das nicht so betonen und noch weniger es beloben. Es widerspricht dem Beispiele, das unser Gottesmann gegeben, und widerspricht auch wohl der Natur." "Ja,  der  Durchschnittsnatur.  Es  gibt  aber,  Gott  sei  Dank,  Ausnahmen.  Und  das  sind  die eigentlich Berufenen. Eine Frau nehmen ist alltäglich ..." "Und keine Frau nehmen ist ein Wagnis. Und die Nachrede der Leute hat man noch obenein." "Diese Nachrede hat man immer. Es ist das erste, wogegen man gleichgültig werden muß. Nicht in Stolz, aber in Liebe." "Das will ich gelten lassen. Aber die Liebe des natürlichen Menschen bezeigt sich am besten in der Familie." "Ja, die des natürlichen Menschen ..." "Was ja so klingt, Frau Gräfin, als ob Sie dem Unnatürlichen das Wort reden wollten." "In gewissem Sinne ›ja‹, Frau Domina. Was entscheidet, ist, ob man dabei nach oben oder nach unten rechnet." "Das Leben rechnet nach unten." "Oder nach oben, je nachdem." Es klang alles ziemlich gereizt. Denn so leichtlebig und heiter Melusine war, einen Ton konnte sie nicht ertragen, den sittlicher Überheblichkeit. Und so war eine Gefahr da, sich die Schraubereien fortsetzen zu sehen. Aber die Meldung, daß die Wagen vorgefahren seien, machte dieser Gefahr ein Ende.  Melusine  brach  ab  und  teilte  nur  noch  in  Kürze  mit,  daß  sie  vorhabe,  morgen  mit  dem frühesten von Berlin aus einen Brief zu schreiben, der mutmaßlich gleichzeitig mit dem jungen Paar in   Capri   eintreffen   werde.   Adelheid   war   damit   einverstanden,   und   Melusine   nahm   Baron Berchtesgadens Arm, während der alte Graf die Baronin führte. Das Verdeck des vor dem Portal haltenden Wagens war zurückgeschlagen, und alsbald hatten die Baronin und Melusine im Fond, die beiden Herren aber auf dem Rücksitz Platz genommen. So ging es eine schon in Kätzchen stehende Weidenallee hinunter, die beinahe geradlinig auf Gransee zuführte.  Das  Wetter  war  wundersch"n;  von  der  Kälte,  die  noch  am  Vormittag  geherrscht  hatte, zeigte sich nichts mehr; der Himmel war gleichmäßig grau, nur hier und da eine blaue Stelle. Der Rauch stand in der stillen Luft, die Spatzen quirilierten auf den Telegraphendrähten, und aus dem Saatengrün stiegen die Lerchen auf. "Wie sch"n", sagte Baron Berchtesgaden, "und dabei spricht man  immer  von  der  Dürftigkeit  und  Prosa  dieser  Gegenden."  Alles  stimmte  zu,  zumeist  der  alte Graf,  der  die  Frühlingsluft  einsog  und  immer  wieder  aussprach,  wie  glücklich  ihn  diese  Stunde mache. Sein Bewegtsein fiel auf. 196
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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