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Der Stechlin

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seiner   Fahrt   nach   Gransee   von   einer   Herausbesserung   seines   äußeren   Menschen   Abstand genommen  hätte.  Das  war  ihm  aber  unzulässig  erschienen,  und  so  saß  er  denn  jetzt  dem  jungen Paare  gegenüber,  angetan  mit  einem  Schlipsstreifen  und  einem  großen  Chemisettevorbau.  Der Schlips   war   so   schmal,   daß   nicht   bloß   der   zur   Befestigung   der   Vaterm"rder   dienende Hemdkragenrand  in  halber  H"he  sichtbar  wurde,  sondern  leider  auch  der  au s  einem keilartigen Ausschnitt hervorlugende Adamsapfel, der sich nun, wie ein Ding für sich, beständig hin und her bewegte.  Die  Verlegenheit  Armgards,  deren  Auge  sich  –  natürlich  ganz  gegen  ihren  Willen  – unausgesetzt auf dies Naturspiel richten mußte, wäre denn auch von Moment zu Moment immer gr"ßer  geworden,  wenn  nicht  Krippenstapels  unbefangene  Haltung  sch ließlich  über  alles  wieder hinweggeholfen hätte. Dazu kam noch, daß seiner Unbefangenheit seine Mitteilsamkeit entsprach. Er erzählte von dem Begräbnis und wer vom Grafschaftsadel alles dagewesen sei. Dann kam Thormeyer an die Reihe, dann Katzenstein und die Domina und zuletzt auch "lütt Agnes". "Des Kindes müssen wir uns annehmen", sagte Armgard. "Wenn du darauf dringst, gewiß. Aber es liegt schwieriger damit, als du denkst. Solche Kinder, ganz  im  Gegensatz  zur  Pädagogenschablone,  muß  man  sich  selbst  überlassen.  Der  gefährlichere Weg, wenn überhaupt was Gutes in ihnen steckt, ist jedesmal der bessere. Dann bekehren sie sich aus sich selbst heraus. Wenn aber irgendein Zwang diese Bekehrung schaffen will, so wird meist nichts draus. Da werden nur Heuchelei und Ziererei geboren. Eigner freier Entschluß wiegt hundert Erziehungsmaximen auf." Armgard   stimmte   zu.   Krippenstapel   aber   fuhr   in   seinem   Berichte   fort   und   erzählte   von Kluckhuhn, von Uncke, von Elfriede; Sponholz werde in der nächsten Woche zurückerwartet, und Koseleger  und  die  Prinzessin  seien  ein  Herz  und  eine  Seele,  ganz  besonders  –  und  das  sei  das Allerneueste  –  seit  man  für  ein  Rettungshaus  sammle.  Seitens  des  Adels  werde  fleißig  dazu beigesteuert; nur Molchow habe sich geweigert: "so was schaffe bloß  Konfusion". Um  zwei  traf  man  in  Schloß  Stechlin  ein.  Woldemar  durchschritt  die  ver"deten  Räume, verweilte kurze Zeit in dem Sterbezimmer und ging dann in die Kirchengruft, um da den Kranz an des Vaters Sarge niederzulegen. Am späten Nachmittag erschien auch Lorenzen und sprach zunächst sein Bedauern aus, daß er einer Amtshandlung halber (Kossäth Zschocke habe sich wieder verheiratet) nicht habe kommen k"nnen. Er blieb dann noch den Abend über und erzählte vielerlei, zuletzt auch von dem, was er dem Alten feierlich habe versprechen müssen. Woldemar lächelte dabei. "Die Zukunft liegt also bei dir." Unter diesen Worten reichte er Armgard die Hand. Sechsundvierzigstes Kapitel Armgard hatte sich von der im Stechliner Hause herrschenden Weltabgewandtheit angeheimelt gefühlt. Aber der Gedanke, hier ihre Tage zu verbringen, lag ihr doch vorderhand noch fern, und so kehrte sie denn kurz nach Ablauf einer Woche nach Berlin zurück, wo mittlerweile Melusine für alles gesorgt und eine ganz in der Nähe von Woldemars Kaserne gelegene Wohnung gemietet und eingerichtet hatte. Das  war  am  Belle-Alliance-Platz.  Als  das  junge  Paar  diese  Wohnung  bezog,  ging  die  Saison bereits  auf  die  Neige.  Die  Frühjahrsparaden  nahmen  ihren  Anfang  und  gleich  danach  auch  die Wettrennen,  an  denen  Armgard  voller  Interesse  teilnahm.  Aber  ihre  Freude  daran  war  doch geringer, als sie geglaubt hatte. Weder das Großstädtische noch das Militärische, weder Sport noch Kunst  behaupteten  dauernd  den  Reiz,  den  sie  sich  anfänglich  davon  versprochen,  und  ehe  der 199
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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