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Der Stechlin

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"Ja, liebe Frau von Gundermann, das ist so; Jugend hat keine Tugend." "Ich weiß doch nicht; ich bin auch einmal jung gewesen ..." "Ja, Damen ..." Während   Frau   von   Gundermann   in   ihrem   Gespräch   in   der   Fensternische   mit   derartigen Intimitäten kam und den guten Pastor Lorenzen abwechselnd in Verlegenheit und dann auch wieder in  stille  Heiterkeit  versetzte,  hatte  sich  Dubslav  mit  Hauptmann  von  Czako  in  eine  schräg gegenüber   gelegene   Ecke   zurückgezogen,   wo   eine   altmodische   Causeuse   stand,   mit   einem Marmortischchen davor. Auf dem Tische zwei Kaffeetassen samt aufgeklapptem Lik"rkasten, aus dem Dubslav eine Flasche nach der andern herausnahm. "Jetzt, wenn man vom Tisch kommt, muß es immer ein Kognak sein. Aber ich bekenne Ihnen, lieber Hauptmann, ich mache die Mode nicht mit; wir aus der alten Zeit, wir waren immer ein bißchen fürs Süße. Crème de Cacao, na, natürlich, das  is  Damenschnaps,  davon  kann  keine  Rede  sein;  aber  Pomeranzen  oder,  wie  sie  jetzt  sagen, Curaçao,   das   ist   mein   Fall.   Darf   ich   Ihnen   einschenken?   Oder   vielleicht   lieber   Danziger Goldwasser? Kann ich übrigens auch empfehlen." "Dann bitte ich um Goldwasser. Es ist doch schärfer, und dann bekenne ich Ihnen offen, Herr Major  ...  Sie  kennen  ja  unsre  Verhältnisse,  so’n  bißchen  Gold  heimelt  einen  immer  an.  Man  hat keins und dabei doch zugleich die Vorstellung, daß  man es trinken kann – es hat eigentlich was Großartiges." Dubslav  nickte,  schenkte  von  dem  Goldwasser  ein,  erst  für  Czako,  dann  für  sich  selbst,  und sagte:  "Bei  Tische  hab’  ich  die  Damen  leben  lassen  und  Frau  von  Gundermann  im  speziellen. H"ren Sie, Hauptmann, Sie verstehen’s. Diese Rattengeschichte ..." "Vielleicht war es ein bißchen zuviel." "I, keineswegs. Und dann, Sie waren ja ganz unschuldig, die Gnäd’ge fing ja davon an; erinnern Sie sich, sie verliebte sich ordentlich in die Geschichte von den Rinnsteinbohlen und wie sie drauf rumgetrampelt, bis die Ratten rauskamen. Ich glaube sogar, sie sagte ›Biester‹. Aber das schadet nicht. Das ist so Berliner Stil. Und unsre Gnäd’ge  hier (beiläufig eine geborene Helfrich) is eine Vollblutberlinerin." "Ein Wort, das mich doch einigermaßen überrascht." "Ah",  drohte  Dubslav  schelmisch  mit  dem  Finger,  "ich  verstehe.  Sie  sind  einer  gewissen Unausreichendheit  begegnet  und  verlangen  mindestens  mehr  Quadrat  (von  Kubik  will  ich  nicht sprechen).  Aber  wir  von  Adel  müssen  in  diesem Punkte doch ziemlich milde sein und ein Auge zudrücken, wenn das das richtige Wort ist. Unser eigenstes Vollblut bewegt sich auch in Extremen und  hat  einen  linken  und  einen  rechten  Flügel;  der  linke  nähert  sich  unsrer  geborenen  Helfrich. Übrigens  unterhaltliche  Madam.  Und  wie  beseligt  sie  war,  als  sie  den  Namenszug  auf  Ihrer Achselklappe  glücklich  entdeckt  und  damit  den  Anmarsch  auf  die  Münzstraße  gewonnen  hatte. Was es doch alles für Lokalpatriotismen gibt!" "An dem unser Regiment teilnimmt oder ihn mitmacht. Die Welt um den Alexanderplatz herum hat übrigens so ihren eigenen Zauber, schon um einer gewissen Unresidenzlichkeit willen. Ich sehe nichts lieber als die große Markthalle, wenn beispielsweise die Fischtonnen mit fünfhundert Aalen in die Netze gegossen werden. Etwas Unglaubliches von Gezappel." "Finde  mich  ganz  darin  zurecht  und  bin  auch  für  Alexanderplatz  und  Alexanderkaserne  samt allem, was dazu geh"rt. Und so brech’ ich denn auch die Gelegenheit vom Zaun, um nach einem Ihrer früheren Regimentskommandeure zu fragen, dem liebenswürdigen Obersten von Zeuner, den ich noch pers"nlich gekannt habe. Hier unsere Stechliner Gegend ist nämlich Zeunergegend. Keine Stunde von hier liegt K"pernitz, eine reizende  Besitzung, drauf die Zeunersche Familie schon in friderizianischen  Tagen  ansässig  war.  Bin  oft  drüben gewesen (nun freilich schon zwanzig Jahre zurück) und komme noch einmal mit der Frage: Haben Sie den Obersten noch gekannt?" "Nein, Herr Major. Er war schon fort, als ich zum Regimente kam. Aber ich habe viel von ihm geh"rt und auch von K"pernitz, weiß aber freilich nicht mehr, in welchem Zusammenhange." "Schade, daß Sie nur einen Tag für Stechlin festgesetzt haben, sonst müßten Sie das Gut sehen. Alles ganz eigentümlich und besonders auch ein Grabstein, unter dem eine uralte Dame von beinah neunzig Jahren begraben liegt, eine geborne von Zeuner, die sich in früher Jugend schon mit einem 20
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
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Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
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