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Der Stechlin

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Emigranten am Rheinsberger Hof, mit dem Grafen La Roche-Aymon, vermählt hatte. Merkwürdige Frau, von der ich Ihnen erzähle, wenn ich Sie mal wiedersehe. Nur eins müssen Sie heute schon mit anh"ren, denn ich glaube, Sie haben den Gustus dafür." "Für alles, was Sie erzählen." "Keine Schmeicheleien! Aber die Geschichte will ich Ihnen doch als Andenken mitgeben. Andre schenken  sich  Photographien,  was  ich,  selbst  wenn  es  hübsche  Menschen  sind  (ein  Fall,  der übrigens selten zutrifft), immer greulich finde." "Schenke nie welche." "Was  meine  Gefühle  für  Sie  steigert.  Aber  die  Geschichte:  Da  war  also  drü ben  in  K"pernitz diese La Roche-Aymon, und weil sie noch die Prinz-Heinrich-Tage gesehen und während derselben eine Rolle gespielt hatte, so zählte sie zu den besonderen Lieblingen Friedrich Wilhelms IV. Und als  nun  – sagen wir  ums  Jahr  fünfzig – der  Zufall  es fügte, daß dem zur Jagd hier erschienenen K"nig  das  K"pernitzer  Frühstück,  ganz  besonders  aber  eine  Blut-  und  Zungenwurst,  über  die Maßen gut geschmeckt hatte, so wurde dies Veranlassung für die Gräfin, am nächsten Heiligabend eine ganze Kiste voll Würste nach Potsdam hin in die k"nigliche Küche zu liefern. Und das ging so durch Jahre. Da beschloß zuletzt der gute K"nig, sich für all die gute Gabe zu revanchieren, und als wieder   Weihnachten   war,   traf   in   K"pernitz   ein   Postpaket   ein,   Inhalt:   eine   zierliche   kleine Blutwurst!  Und  zwar  war  es  ein  wundersch"ner,  rundlicher  Blutkarneol  mit  Goldspeilerchen  an beiden Seiten und die Speilerchen selbst mit Diamanten besetzt. Und neben diesem Geschenk lag ein Zettelchen: ›Wurst wider Wurst.‹" "Allerliebst." "Mehr  als  das.  Ich  pers"nlich  ziehe  solchen  guten  Einfall  einer  guten  Verfassung  vor.  Der K"nig, glaub’ ich, tat es auch. Und es denken auch heute noch viel e so." "Gewiß,  Herr  Major.  Es  denken  auch  heute  noch  viele  so,  und  bei  dem  Schwankezustand,  in dem ich mich leider befinde, sind meine pers"nlichen Sympathien gelegentlich nicht weitab davon. Aber ich fürchte doch, daß wir mit dieser unsrer Anschauung sehr in der Minorität bleiben." "Werden wir. Aber Vernunft ist immer nur bei wenigen. Es wäre das beste, wenn ein einziger Alter-Fritzen-Verstand   die   ganze   Geschichte   regulieren   k"nnte.   Freilich   braucht   ein   solcher oberster Wille auch seine Werkzeuge. Die haben wir aber noch in unserm Adel, in unsrer Armee und speziell auch in Ihrem Regiment." Während  der  Alte  diesen  Trumpf  ausspielte,  kam  Engelke,  um  ein  paar  neue  Tassen  zu präsentieren. "Nein, nein, Engelke, wir sind schon weiter. Aber stell nur hin ... In Ihrem Regiment, sag’ ich, Herr von Czako; schon sein Name bedeutet ein Programm, und dieses Programm heißt: Rußland. Heutzutage  darf  man  freilich  kaum  noch  davon  reden.  Aber  das  ist  Unsinn.  Ich  sage  Ihnen, Hauptmann, das waren Preußens beste Tage, als da bei Potsdam herum die ›russische Kirche‹ und das  ›russische  Haus‹  gebaut  wurden  und  als  es  immer  hin  und  her  ging  zwischen  Berlin  und Petersburg. Ihr Regiment, Gott sei Dank, unterhält noch was von den alten Beziehungen, und ich freue  mich  immer,  wenn  ich  davon  lese,  vor  allem,  wenn  ein  russischer  Kaiser  kommt  und  ein Doppelposten  vom  Regiment  Alexander  vor  seinem  Palais  steht.  Und  noch  mehr  freu’  ich  mich, wenn  das  Regiment  Deputationen  schickt:  Georgsfest,  Namenstag  des  hohen  Chefs,  oder  wenn sich’s  auch  bloß  um  Uniformabänderungen  handelt,  beispielsweise  Klappkragen  statt  Stehkragen (diese verdammten Stehkragen) – und wie dann der Kaiser alle begrüßt und zur Tafel zieht und so bei sich denkt: ›Ja, ja, das sind brave Leute; da hab’ ich meinen Halt.‹" Czako nickte, war aber doch in sichtlicher Verlegenheit, weil er, trotz seiner vorher versicherten "Sympathien", ein ganz moderner, politisch stark angekränkelter Mensch war, der, bei strammster Dienstlichkeit, zu all dergleichen Überspanntheiten ziemlich kritisch stand. Der alte Dubslav nahm indessen von alledem nichts wahr und fuhr fort: "Und sehen Sie, lieber Hauptmann, so hab’ ich’s pers"nlich in meinen jungen Jahren auch noch erlebt und vielleicht noch ein bißchen besser; denn, Pardon, jeder hält seine Zeit für die beste. Vielleicht sogar, daß Sie mir zustimmen, wenn ich Ihnen mein Sprüchel erst ganz hergesagt haben werde. Da haben wir ja nun ›jenseits des Njemen‹, wie manche Gebildete jetzt sagen, die ›drei Alexander‹ gehabt, den ersten, den zweiten und den dritten, 21
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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