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Der Stechlin

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So war es denn auch. Woldemar war schon gleich nach sieben unten im Salon erschienen, um mit seinem Vater, von dem er wußte, daß er ein Frühauf war, ein Familiengespräch über allerhand diffizile  Dinge  zu  führen.  Aber  er  war  entschlossen,  seinerseits  damit  nicht  anzufangen,  sondern alles von der Neugier und dem guten Herzen des Vaters zu erwarten. Und darin sah er sich auch nicht getäuscht. "Ah,  Woldemar,  das  ist  recht,  daß  du  schon  da  bist.  Nur  nicht  zu  lang  im  Bett.  Die  meisten Langschläfer  haben  einen  Knacks.  Es  k"nnen  aber  sonst  ganz  gute  Leute  sein.  Ich  wette,  dein Freund Rex schläft bis neun." "Nein, Papa, der gerade nicht. Wer wie Rex ist, kann sich das nicht g"nnen. Er hat nämlich einen Verein gegründet für Frühgottesdienste, abwechselnd in Sch"nhausen und Finkenkrug. Aber es ist noch nicht perfekt geworden." "Freut mich, daß es noch hapert. Ich mag so was nicht. Der alte Wilhelm hat zwar seinem Volke die Religion wiedergeben wollen, was ein sch"nes Wort von ihm war – alles, was er tat und sagte, war  gut  –,  aber  Religion  und  Landpartie,  dagegen  bin  ich  doch.  Ich  bin  überhaupt  gegen  alle falschen  Mischungen.  Auch  bei  den  Menschen.  Die  reine  Rasse,  das  ist  das  eigentlich  Legitime. Das andre, was sie nebenher noch Legitimität nennen, das ist schon alles mehr künstlich. Sage, wie steht es denn eigentlich damit? Du weißt schon, was ich meine." "Ja, Papa ..." "Nein, nicht so; nicht immer bloß ›ja, Papa‹. So fängst du jedesmal an, wenn ich auf dies Thema komme. Da liegt schon ein halber Refus drin, oder ein Hinausschieben, ein Abwartenwollen. Und damit kann ich mich nicht befreunden. Du bist jetzt zweiunddreißig, oder doch beinah, da muß der mit der Fackel kommen; aber du fackelst (verzeih den Kalauer; ich bin eigentlich gegen Kalauer, die sind so mehr für Handlungsreisende), also du fackelst, sag’ ich, und ist kein Ernst dahinter. Und soviel kann ich dir außerdem sagen, deine Tante Sanctissima drüben in Kloster Wutz, die wird auch schon ungeduldig. Und das sollte dir zu denken geben. Mich hat sie zeitlebens schlecht behandelt; wir  stimmten  eben  nie  zusammen  und  konnten  auch  nicht,  denn  so  halb  K"nigin  Elisabeth,  halb Kaffeeschwester, das is ‘ne Melange, mit der ich mich nie habe befreunden k"nnen. Ihr drittes Wort ist  immer  ihr  Rentmeister  Fix,  und  wäre  sie  nicht  sechsundsiebzig,  so  erfänd’  ich  mir  eine Geschichte dazu." "Mach es gnädig, Papa. Sie meint es ja doch gut. Und mit mir nun schon ganz gewiß." "Gnädig machen? Ja, Woldemar, ich will es versuchen. Nur fürcht’ ich, es wird nicht viel dabei herauskommen. Da heißt es immer, man solle Familiengefühl haben, aber es wird einem doch auch zu  blutsauer  gemacht,  und  ich  kann  umgekehrt  der  Versuchung  nicht  widerstehen,  eine  richtige Familienkritik zu üben. Adelheid fordert sie geradezu heraus. Andrerseits freilich, in dich ist sie wie vernarrt,  für  dich  hat  sie  Geld  und  Liebe.  Was  davon  wichtiger  ist,  stehe  dahin;  aber  so  viel  ist gewiß, ohne sie wär’ es überhaupt gar nicht gegangen, ich meine dein Leben in deinem Regiment. Also wir haben ihr zu danken, und weil sie das geradesogut weiß wie wir, oder vielleicht noch ein bißchen    besser,    gerade    deshalb    wird    sie    ungeduldig;    sie    will    Taten    sehen,    was    vom Weiberstandpunkt  aus  allemal  soviel  heißt  wie  Verheiratung.  Und  wenn  man  will,  kann  man  es auch so nennen, ich meine Taten. Es ist und bleibt ein Heroismus. Wer Tante Adelheid geheiratet hätte, hätte sich die Tapferkeitsmedaille verdient, und wenn ich schändlich sein wollte, so sagte ich das Eiserne Kreuz." "Ja, Papa ..." "Schon    wieder    ›ja,    Papa‹.    Nun,    meinetwegen,    ich    will    dich    schließlich    in    deiner Lieblingswendung nicht st"ren. Aber bekenne mir nebenher – denn das ist doch schließlich das, um was sich’s handelt –, liegst du mit was im Anschlag, hast du was auf dem Korn?" "Papa,  diese  Wendungen  erschrecken  mich  beinah.  Aber  wenn  denn  schon  so  jägermäßig gesprochen werden soll, ja; meine Wünsche haben ein bestimmtes Ziel, und ich darf sagen, mich beschäftigen diese Dinge." "Mich  beschäftigen  diese  Dinge  ...  Nimm  mir’s  nicht  übel,  Woldemar,  das  ist  ja  gar  nichts. Beschäftigen!  Ich  bin  nicht  fürs  Poetische,  das  ist  für  Gouvern anten  und  arme  Lehrer,  die  nach G"rbersdorf  müssen  (bloß,  daß  sie  meistens  kein  Geld  dazu  haben),  aber  diese  Wendung  ›sich 24
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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