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Der Stechlin

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beschäftigen‹, das ist mir denn doch zu prosaisch. Wenn es sich um solche Dinge wie Liebe handelt (wiewohl  ich  über  Liebe  nicht  viel  günstiger  denke  wie  über  Poesie,  bloß  daß  Liebe  doch  noch mehr  Unheil  anrichtet,  weil  sie  noch  allgemeiner  auftritt)  –  wenn  es  sich  um  Dinge  wie  Liebe handelt,  so  darf  man  nicht  sagen,  ›ich  habe  mich  damit  beschäftigt‹.  Liebe  ist  doch  schließlich immer was Forsches, sonst kann sie sich ganz  und gar begraben lassen, und da m"cht’ ich denn doch etwas von dir h"ren, was ein bißchen wie Leidenschaft aussieht. Es braucht ja nicht gleich was Schreckliches zu sein. Aber so ganz ohne Stimulus, wie man, glaub’ ich, jetzt sagt, so ganz ohne so was  geht  es  nicht;  alle  Menschheit  ist  darauf  gestellt,  und  wo’s  einschläft,  ist  so  gut  wie  alles vorbei. Nun weiß ich zwar recht gut, es geht auch ohne uns, aber das ist doch alles bloß etwas, was einem von Verstandes wegen aufgezwungen wird, das egoistische Gefühl, das immer unrecht, aber auch  immer  recht  hat,  will  von  dem  allem  nichts  wissen  und  besteht  darauf,  daß  die  Stechline weiterleben, wenn es sein kann, in aeternum. Ewig weiterleben – ich räume ein, es hat ein bißchen was Komisches, aber es gibt wenig ernste Sachen, die nicht auch eine komische Seite hätten ... Also dich ›beschäftigen‹ diese Dinge. Kannst du Namen nennen? Auf wem haben Eurer Hoheit Augen zu ruhen geruht?" "Papa, Namen darf ich noch nicht nennen. Ich bin meiner Sache noch nicht sicher genug, und das  ist  auch  der  Grund,  warum  ich  Wendungen  gebraucht  habe,  die  dir  nüchtern  und  prosaisch erschienen sind. Ich kann dir aber sagen, ich hätte mich lieber anders ausgedrückt; nur darf ich es noch  nicht.  Und  dann  weiß  ich  ja  auch,  daß  du  selber  einen  abergläubischen  Zug  hast  und  ganz aufrichtig davon ausgehst, daß man sich sein Glück verreden kann, wenn man zu früh oder zu viel davon spricht." "Brav, brav. Das gefällt mir. So ist es. Wir sind immer von neidischen und boshaften Wesen mit Fuchsschwänzen und Fledermausflügeln umstellt, und wenn wir renommieren oder sicher tun, dann lachen sie. Und wenn sie erst lachen, dann sind wir schon so gut wie verloren. Mit unsrer eignen Kraft ist nichts getan, ich habe nicht den Grashalm sicher, den ich hier ausreiße. Demut, Demut ... Aber trotzdem komm’ ich dir mit der naiven Frage (denn man widerspricht sich in einem fort), ist es was Vornehmes, was Pikfeines?" "Pikfein, Papa, will ich nicht sagen. Aber vornehm gewiß." "Na, das freut mich. Falsche Vornehmheit ist mir ein Greuel; aber richtige Vornehmheit – à la bonne heure. Sage mal, vielleicht was vom Hofe?" "Nein, Papa." "Na, desto besser. Aber da kommen ja die Herren. Der Rex sieht wirklich verdeubelt gut aus, ganz das, was wir früher einen Garde-Assessor nannten. Und fromm, sagst du, – wird also wohl Karriere machen; ›fromm‹ is wie ‘ne untergelegte Hand." Während dieser Worte stiegen Rex und Czako die Stufen zum Garten hinunter und begrüßten den   Alten.   Er   erkundigte   sich   nach   ihren   nächtlichen   Schicksalen,   freute   sich,   daß   sie "durchgeschlafen" hätten, und nahm dann Czakos Arm, um vom Garten her auf die Veranda, wo Engelke    mittlerweile    unter    der    großen    Markise    den    Frühstückstisch    herger ichtet    hatte, zurückzukehren. "Darf ich bitten, Herr von Rex." Und er wies auf einen Gartenstuhl, ihm gerade gegenüber,  während  Woldemar  und  Czako  links  und  rechts  neben  ihm  Platz  nahmen.  "Ich  habe neuerdings  den  Tee  eingeführt,  das  heißt  nicht  obligatorisch;  im  Gegenteil,  ich  pers"nlich bleibe lieber  bei  Kaffee,  ›schwarz  wie  der  Teufel,  süß  wie  die  Sünde,  heiß  wie  die  H"lle‹,  wie  bereits Talleyrand gesagt haben soll. Aber, Pardon, daß ich Sie mit so was überhaupt noch belästige. Schon mein   Vater   sagte   mal:   ›Ja,   wir   auf   dem   Lande,   wir   haben   immer   noch   die   alten   Wiener Kongreßwitze.‹ Und das ist nun schon wieder ein Menschenalter her. " "Ach,  diese  alten  Kongreßwitze",  sagte  Rex  verbindlich,  "ich  m"chte  mir  die  Bemerkung erlauben, Herr Major, daß diese alten Witze besser sind als die neuen. Und kann auch kaum anders sein. Denn wer waren denn die Verfasser von damals? Talleyrand, den Sie schon genannt haben, und  Wilhelm  von  Humboldt  und  Friedrich  Gentz  und  ihresgleichen.  Ich  glaube,  daß  das  Metier seitdem sehr herabgestiegen ist." "Ja, herabgestiegen ist alles, und es steigt immer weiter nach unten. Das ist, was man neue Zeit nennt, immer weiter runter. Und mein Pastor, den Sie ja gestern abend kennengelernt haben, der 25
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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