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Der Stechlin

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behauptet  sogar,  das  sei  das  Wahre,  das  sei  das,  was  man  Kultur  nenne,  daß  immer  weiter  nach unten   gestiegen   würde.   Die   aristokratische   Welt   habe   abgewirtschaftet,   und   nun   komme   die demokratische ..." "Sonderbare Worte für einen Geistlichen", sagte Rex, "für einen Mann, der doch die durch Gott gegebenen Ordnungen kennen sollte." Dubslav  lachte.  "Ja,  das  bestreitet  er  Ihnen.  Und  ich  muß  bekennen,  es  hat  manches  für  sich, trotzdem es mir nicht recht paßt. Im übrigen, wir werden ihn, ich meine den Pastor, ja wohl noch beim zweiten Frühstück sehen, wo Sie dann Gelegenheit nehmen k"nnen, sich mit ihm pers"nlich darüber auseinanderzusetzen; er liebt solche Gespräche, wie Sie wohl schon gemerkt haben, und hat eine kleine Lutherneigung, sich immer auf das jetzt übliche: ›Hier steh’ ich, ich kann nicht anders‹ auszuspielen.  Mitunter  sieht  es  wirklich  so  aus,  als  ob  wieder  eine  gewisse  Märtyrerlust  in  die Menschen gefahren wäre, bloß ich trau’ dem Frieden noch nicht so recht." "Ich auch nicht", bemerkte Rex, "meistens Renommisterei." "Na, na", sagte Czako. "Da hab’ ich doch noch diese letzten Tage von einem armen russischen Lehrer  gelesen,  der  unter  die  Soldaten  gesteckt  wurde  (sie  haben  da  jetzt  auch  so  was  wie allgemeine   Dienstpflicht),   und   dieser   Mensch,   der   Lehrer,   hat   sich   geweigert,   eine   Flinte loszuschießen, weil das bloß Vorschule sei zu Mord und Totschlag, also ganz und gar gegen das fünfte Gebot. Und dieser Mensch ist sehr gequält worden, und zuletzt ist er gestorben. Wollen Sie das auch Renommisterei nennen?" "Gewiß will ich das." "Herr  von  Rex",  sagte  Dubslav,  "sollten  Sie  dabei  nicht  zu  weit  gehen?  Wenn  sich’s  ums Sterben handelt, da h"rt das Renommieren auf. Aber diese Sache, von der ich übrigens auch geh"rt habe,    hat    einen    ganz    andern    Schlüssel.    Das    liegt    nicht    an    der    allgemein    gewordenen Renommisterei,  das  liegt  am  Lehrertum.  Alle  Lehrer  sind  nämlich  verrückt.  Ich  habe  hier  auch einen, an dem ich meine Studien gemacht habe; heißt Krippenstapel, was allein schon was sagen will.  Er  ist  grad  um  ein  Jahr  älter  als  ich,  also  runde  siebenundsechzig,  und  eigentlich   ein Prachtexemplar, jedenfalls ein vorzüglicher Lehrer. Aber verrückt ist er doch ." "Das sind alle", sagte Rex. "Alle Lehrer sind ein Schrecknis. Wir im Kultusministerium k"nnen ein  Lied  davon  singen.  Diese  Abc-Pauker  wissen  alles,  und  seitdem  Anno  sechsundsechzig  der unsinnige Satz in die Mode kam, ›der preußische Schulmeister habe die Österreicher geschlagen‹ – ich meinerseits würde lieber dem Zündnadelgewehr oder dem alten Steinmetz, der alles, nur kein Schulmeister  war,  den  Preis  zuerkennen  –,  seitdem  ist  es  vollends  mit  diesen  Leuten  nicht  mehr auszuhalten. Herr von Stechlin hat eben von einem  der Humboldts gesprochen; nun, an Wilhelm von Humboldt trauen sie sich noch nicht recht heran, aber was Alexander von Humboldt konnte, das k"nnen sie nun schon lange." "Da  treffen  Sie’s,  Herr  von  Rex",  sagte  Dubslav.  "Genauso  ist  meiner  auch.  Ich  kann  nur wiederholen, ein vorzüglicher Mann; aber er hat den Prioritätswahnsinn. Wenn Koch das Heilserum erfindet   oder   Edison   Ihnen   auf   fünfzig   Meilen   eine   Oper   vorspielt,   mit   Getrampel   und Händeklatschen dazwischen, so weist Ihnen mein Krippenstapel nach, daß er das vor dreißig Jahren auch schon mit sich rumgetragen habe." "Ja, ja, so sind sie alle." "Übrigens  ...  Aber  darf  ich  Ihnen  nicht  noch  von  diesem  gebackenen  Schinken  vorlegen?  ... Übrigens mahnt mich Krippenstapel daran, daß die Feststellung eines Vormittagsprogramms wohl an  der  Zeit  sein  dürfte;  Krippenstapel  ist  nämlich  der  geborene  Cicerone  dieser  Gegenden,  und durch  Woldemar  weiß  ich  bereits  daß  Sie  uns  die  Freude  machen  wollen,  sich  um  Stechlin  und Umgegend  ein  klein  wenig  zu  kümmern,  Dorf,  Kirche,  Wald,  See  –  um  den  See  natürlich  am meisten, denn der ist unsre pièce de résistance. Das andere gibt es woanders auch, aber der See ... Lorenzen erklärt ihn außerdem noch für einen richtigen Revolutionär, der gleich mitrumort, wenn irgendwo was los ist. Und es ist auch wirklich so. Mein Pastor aber sollte, beiläufig bemerkt, so was lieber nicht sagen. Das sind so Geistreichigkeiten, die leicht übel vermerkt werden. Ich pers"nlich lass’   es   laufen.   Es   gibt   nichts,   was   mir   so   verhaßt   wäre   wie   Polizeimaßregeln,   oder   einem 26
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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