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"Diese kleine Aufmerksamkeit muß ich Ihnen leider schuldig bleiben und hab überhaupt da nach rechts hin nichts anderes mehr für Sie als die roten Ziegeldächer, die sich zwischen dem Waldrand und dem See wie auf einem Bollwerk hinziehen. Das ist die Kolonie Globsow. Da wohnen die Glasbläser. Und dahinter liegt die Glashütte. Sie ist noch unter dem Alten Fritzen entstanden und heißt die grüne Glashütte." "Die grüne? Das klingt ja beinahe wie aus nem Märchen." "Ist aber eher das Gegenteil davon. Sie heißt nämlich so, weil man da grünes Glas macht, allergew"hnlichstes Flaschenglas. An Rubinglas mit Goldrand dürfen Sie hier nicht denken. Das ist nichts für unsere Gegend." Und damit kletterten sie wieder hinunter und traten, nach Passierung des Schloßvorhofs, auf den quadratischen Dorfplatz hinaus, an dessen einer Ecke die Schule gelegen war. Es mußte die Schule sein, das sah man an den offenstehenden Fenstern und den Malven davor, und als die Herren bis an den grünen Staketenzaun heran waren, h"rten sie auch schon den prompten Schulgang da drinnen, erst die scharfe, kurze Frage des Lehrers und dann die sofortige Massena ntwort. Im nächsten Augenblick, unter Vorantritt Dubslavs, betraten alle den Flur, und weil ein kleiner weißer Kläffer sofort furchtbar zu bellen anfing, erschien Krippenstapel, um zu sehen, was los sei. "Guten Morgen, Krippenstapel", sagte Dubslav. "Ich bring Ihnen Besuch." "Sehr schmeichelhaft, Herr Baron." "Ja, das sagen Sie; wenns nur wahr ist. Aber unter allen Umständen lassen Sie den Baron aus dem Spiel ... Sehen Sie, meine Herren, mein Freund Krippenstapel is ein ganz eignes Haus. Alltags nennt er mich Herr von Stechlin (den Major unterschlägt er), und wenn er ärgerlich ist, nennt er mich gnädger Herr. Aber sowie ich mit Fremden komme, betitelt er mich Herr Baron. Er will was für mich tun." Krippenstapel, still vor sich hin schmunzelnd, hatte mittlerweile die Tür zu der seiner Schulklasse gegenüber gelegenen Wohnstube ge"ffnet und bat die Herren, eintreten zu wollen. Sie nahmen auch jeder einen Stuhl in die Hand, aber stützten sich nur auf die Lehne, während das Gespräch zwischen Dubslav und dem Lehrer seinen Fortgang nahm. "Sagen Sie, Krippenstapel, wird es denn überhaupt gehen? Sie sollen uns natürlich alles zeigen, und die Schule ist noch nicht aus." "Oh, gewiß geht es, Herr von Stechlin." "Ja, h"ren Sie, wenn der Hirt fehlt, rebelliert die Herde ..." "Nicht zu befürchten, Herr von Stechlin. Da war mal ein Burgemeister, achtundvierziger Zeit, Namen will ich lieber nicht nennen, der sagte: Wenn ich meinen Stiefel ans Fenster stelle, regier ich die ganze Stadt. Das war mein Mann." "Richtig; den hab ich auch noch gekannt. Ja, der verstand es. Überhaupt immer in der Furcht des Herrn. Dann geht alles am besten. Der Hauptregente bleibt doch der Krückstock." "Der Krückstock", bestätigte Krippenstapel. "Und dann freilich die Belohnungen." "Belohnungen?" lachte Dubslav. "Aber Krippenstapel, wo nehmen Sie denn die her?" "Oh, die hats schon, Herr von Stechlin. Aber immer mit Verschiedenheiten. Ist es was Kleines, so kriegt der Junge bloß nen Katzenkopp weniger, ist es aber was Großes, dann kriegt er ne Wabe." "ne Wabe? Richtig. Davon haben wir schon heute früh beim Frühstück gesprochen, als Ihr Honig auf den Tisch kam. Ich habe den Herren dabei gesagt, Sie wären der beste Imker in der ganzen Grafschaft." "Zuviel Ehre, Herr von Stechlin. Aber das darf ich sagen, ich versteh es. Und wenn die Herren mir folgen wollen, um das Volk bei der Arbeit zu sehen es ist jetzt gerade beste Zeit." Alle waren einverstanden, und so gingen sie denn durch den Flur bis in Hof und Garten hinaus und nahmen hier Stellung vor einem offenen Etageschuppen, drin die St"cke standen, nicht altmodische Bienenk"rbe, sondern richtige Bienenhäuser, nach der Dzierzonschen Methode, wo man alles herausnehmen und jeden Augenblick in das Innere bequem hineingucken kann. Krippenstapel zeigte denn auch alles, und Rex und Czako waren ganz aufri chtig interessiert. 28 |  |
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