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Der Stechlin

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Inzwischen  waren  auch  Woldemar,  Rex  und  der  Pastor  vom  Gartensalon  her  auf  die  Veranda hinausgetreten,  und  Dubslav  ging  ihnen  entgegen.  "Guten  Tag,  Pastor.  Nun,  das  ist  recht.  Ich dachte schon, Woldemar würde von Ihnen annektiert werden." "Aber, Herr von Stechlin ... Ihre Gäste ... Und Woldemars Freunde." "Betonen  Sie  das  nicht  so,  Lorenzen.  Es  gibt  Umgangsformen  und  Artigkeitsgesetze.  Gewiß. Aber das alles reicht nicht weit. Was der Mensch am ehesten durchbricht, das sind gerade solche Formen. Und wer sie nicht durchbricht, der kann einem auch leid tun. Wie geht es denn in der Ehe? Haben Sie schon einen Mann gesehen, der die Formen wahrt, wenn seine Frau ihn ärgert? Ich nicht. Leidenschaft ist immer siegreich." "Ja, Leidenschaft. Aber Woldemar und ich ..." "Sind  auch  in  Leidenschaft.  Sie  haben  die  Freundschaftsleidenschaft,  Orest  und  Pylades  –  so was  hat  es  immer  gegeben.  Und  dann,  was  noch  viel  mehr  sagen  will,  Sie  haben  nebenher  die Konspirationsleidenschaft ..." "Aber, Herr von Stechlin." "Nein,  nicht  die  Konspirationsleidenschaft,  ich  nehm’  es  zurück;  aber  Sie  haben  dafür  was anderes, nämlich die Weltverbesserungsleidenschaft. Und das ist eine der gr"ßten, die es gibt. Und wenn solche zwei Weltverbesserer zusammen sind, da k"nnen Rex und Czako warten, und da kann selbst ein warmes Frühstück warten. Sagt man noch Déjeuner à la fourchette?" "Kaum, Papa. Wie du weißt, es ist jetzt alles englisch." "Natürlich.  Die  Franzosen  sind  abgesetzt.  Und  ist  auch  recht  gut  so,  wiewohl  unsre  Vettern drüben erst recht nichts taugen. Selbst ist der Mann. Aber ich glaube , das Frühstück wartet." Wirklich, es war so. Während die Herren zu zwei und zwei an der Buchsbaumwandung auf- und abschritten, hatte Engelke den Tisch arrangiert, an den jetzt Wirt und Gäste herantraten. Es war eine längliche Tafel, deren dem Rundell zugekehrte Längsseite man frei gelassen hatte, was  allen  einen  Überblick  über  das  hübsche  Gartenbild  gestattete.  Dubslav,  das  Arrangement musternd,  nickte  Engelke  zu,  zum  Zeichen,  daß  er’s  getroffen  habe.  Dann  aber  nahm  er  die Mittelschüssel  und  sagte,  während  er  sie  Rex  reichte:  "Toujours  perdrix.  Das  heißt,  es  sind eigentlich  Krammetsv"gel,  wie  schon  gestern  abend.  Aber  wer  weiß,  wie  Krammetsv"gel  auf franz"sisch heißen? Ich wenigstens weiß es nicht. Und ich glaube, nicht einmal Tucheband wird uns helfen k"nnen." Ein   allgemeines   verlegenes   Schweigen   bestätigte   Dubslavs   Vermutung   über   franz"sische Vokabelkenntnis. "Wir kamen übrigens", fuhr dieser fort, "dicht vor Globsow durch einen Dohnenstrich, überall hingen noch viele Krammetsv"gel in den Schleifen, was mir auffiel und was ich doch, wie so vieles Gute, meinem alten Krippenstapel zuschreiben muß. Es wäre doch ‘ne Kleinigkeit für die Jungens, den Dohnenstrich auszuplündern. Aber so was kommt nicht vor. Was meinen Sie, Lorenzen?" "Ich freue mich, daß es ist, wie es ist, und daß die Dohnenstriche nicht ausgeplündert werden. Aber ich glaube, Herr von Stechlin, Sie dürfen es Krippenstapel nicht  anrechnen." Dubslav   lachte   herzlich.   "Da   haben   wir   wieder   die   alte   Geschichte.   Jeder   Schulmeister schulmeistert  an  seinem  Pastor  herum,  und  jeder  Pastor  pastort  über  seinen  Schulmeister.  Ewige Rivalität.  Der  natürliche  Zug  ist  doch,  daß  die  Jungens  nehmen,  was  sie  kriegen  k"nnen.  Der Mensch  stiehlt  wie’n  Rabe.  Und  wenn  er’s  mit  einmal  unterläßt,  so  muß  das  doch  ‘nen  Grund haben." "Den   hat   es   auch,   Herr   von   Stechlin.   Bloß   einen   andern.   Was   sollen   sie   mit   ‘nem Krammetsvogel  machen?  Für  uns  ist  es  eine  Delikatesse,  für  einen  armen  Menschen  ist  es  gar nichts, knapp soviel wie’n Sperling." "Ach, Lorenzen, ich sehe schon, Sie liegen da wieder mit dem ›Patrimonium der Enterbten‹ im Anschlag; Sperling, das klingt ganz so. Aber so viel ist doch richtig, daß Krippenstapel die Jungens brillant  in  Ordnung  hält;  wie  ging  das  heute  Schlag  auf  Schlag,  als  ich  den  kurzgeschorenen Schwarzkopp ins Examen nahm, und wie stramm waren die Jungens und wie manierlich, als wir sie nach ‘ner Stunde in Globsow wiedersahen. Wie sie da so fidel spielten und doch voll Respekt in allem. ›Frei, aber nicht frech‹, das ist so mein Satz." 32
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Mit Vertrag über die abschließen...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsges...
Wettbewerbsrecht, Markenrecht und Kartellrecht
 
   
 
     
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