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Der Stechlin

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Ordnung und Sauberkeit vermissen; das eine Pferd war leidlich gut, das andre schlecht, und zu dem neuen Livreerock des Kutschers wollte der alte Hut, der wie ein fuchsiges Torfstück aussah, nicht recht passen. "Das war ja Gundermanns Wagen." "So, so", sagte Czako. "Auf den hätt’ ich beinah geraten. " "Ja,  dieser  Gundermann",  lachte  Woldemar.  "Mein  Vater  wollt’  Ihnen  gestern  gern  etwas Grafschaftliches  vorsetzen,  aber  er  vergriff  sich.  Gundermann  auf  Siebenmühlen  ist  so  ziemlich unsere schlechteste Nummer. Ich sehe, er hat Ihnen nicht recht gefallen." "Gott, gefallen, Stechlin – was heißt gefallen? Eigentlich gefällt mir jeder oder auch keiner. Eine Dame   hat   mir   mal   gesagt,   die   langweiligen   Leute   wären   schließlich   geradesogut   wie   die interessanten, und es hat was für sich. Aber dieser Gundermann! Zu welchem Zwecke läßt er denn eigentlich seinen leeren Wagen in der Welt herumkutschieren?" "Ich bin dessen auch nicht sicher. Wahrscheinlich in Wahlangelegenheiten. Er pers"nlich wird irgendwo hängengeblieben sein, um Stimmen einzufangen. Unser alter braver Kortschädel nämlich, der allgemein beliebt war, ist diesen Sommer gestorben, und da will nun Gundermann, der sich auf den  Konservativen  hin  ausspielt,  aber  keiner  ist,  im trüben fischen. Er intrigiert. Ich habe das in einem Gespräch, das ich mit ihm hatte, ziemlich  deutlich herausgeh"rt, und Lorenzen hat es mir bestätigt ..." "Ich   kann   mir   denken",   sagte   Rex,   "daß   gerade   Lorenzen   gegen   ihn   ist.   Aber   dieser Gundermann, für den ich weiter nichts übrig habe, hat doch wenigstens die  richtigen Prinzipien." "Ach, Rex, ich bitte Sie", sagte Czako, "richtige Prinzipien! Geschmacklosigkeiten hat er und "de Redensarten. Dreimal hab’ ich ihn sagen h"ren: ›Das wäre wieder Wasser auf die Mühlen der Sozialdemokratie.‹ So was sagt kein anständiger Mensch mehr, und jedenfalls setzt er nicht hinzu: ›daß er das Wasser abstellen wolle‹. Das ist ja eine schreckliche Wendung." Unter diesen Worten waren sie bis an den hochüberw"lbten Teil der Kastanienallee  gekommen. Engelke, der gleich frühmorgens ein allersch"nstes Wetter in Aussicht gestellt hatte, hatte recht behalten; es war ein richtiger Oktobertag, klar und frisch und milde zugleich. Die Sonne fiel hie und da durch das noch ziemlich dichte Laub, und die Reiter freuten sich des Spieles der Schatten und Lichter.  Aber  noch  anmutiger  gestaltete  sich  das  Bild,  als  sie  bald  danach  in  einen  Seitenweg einmündeten,   der   sich   durch   eine   flache,   nur   hie   und   da   von   Wasserlachen   durchzogene Wiesenlandschaft    hinschlängelte.    Die    großen    Heiden    und    Forsten,    die    das    eigentlich Charakteristische  dieses  nord"stlichen  Grafschaftswinkels  bilden,  traten  an  dieser  Stelle  weit zurück,  und  nur  ein  paar  einzelne,  wie  vorgeschobene  Kulissen  wirkende  Waldstreifen  wurden sichtbar. Alle drei hielten an, um das Bild auf sich wirken zu lassen; aber sie kamen nicht recht dazu, weil sie,  während  sie  sich  umschauten,  eines  alten  Mannes  ansichtig  wurden,  der,  nur  durch  einen flachen Graben von ihnen getrennt, auf einem Stück Wiese stand und das hochstehende Gras mähte. Jetzt erst sah auch er von seiner Arbeit auf und zog seine Mütze. Die Herren taten ein Gleiches und schwankten, ob sie näher heranreiten und eine Ansprache mit ihm haben sollten. Aber er schien das weder zu wünschen noch zu erwarten, und so ritten sie denn weiter. "Mein  Gott",  sagte  Rex,  "das  war  ja  Krippenstapel.  Und  hier  draußen,  so  weit  ab  von  seiner Schule.   Wenn   er   nicht   die   Seehundsfellmütze   gehabt   hätte,   die   wie   aus   einer   konfiszierten Schulmappe geschnitten aussah, hätt’ ich ihn nicht wiedererkannt." "Ja,  er  war  es,  und  das  mit  der  Schulmappe  wird  wohl  auch  zutreffen",  sagte  Woldemar. "Krippenstapel kann eben alles – der reine Robinson." "Ja,  Stechlin",  warf  Czako  hier  ein,  "Sie  sagen  das  so  hin,  als  ob  Sie’s  besp"tteln  wollten. Eigentlich  ist  es  doch  aber  was  Großes,  sich  immer  selber  helfen  zu  k"nnen.  Er  wird  wohl  ‘nen Sparren  haben,  zugegeben,  aber  Ihrem  gepriesenen  Lorenzen  ist  er  denn  doch  um  ein  gut  Stück überlegen.  Schon  weil  er  ein  Original  ist  und  ein  Eulengesicht  hat.  Eulengesichtsmenschen  sind anderen Menschen fast immer überlegen." 35
  
Bürgerliches Gesetzbuch BGB
von Helmut Köhler
Siehe auch:
Handelsgesetzbuch HGB: ohne Seehandelsrech...
Arbeitsgesetze
Grundgesetz GG: Menschenrechtskonvention, Europäischer Gerichtsh...
Strafgesetzbuch StGB
Aktiengesetz · GmbH-Gesetz: mit Umwandlungsgesetz, Wertpapiererw...
Zivilprozeßordnung. ZPO
 
   
 
     
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